Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- IV (1927-1928)
- Issue
- 1 (1.4.1927)
- Date
- 1927-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
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empfohlen werden, wenn es sich um Altbesitz von mehr als Mark 100000.— Nennwert handelt, weil die darauf gewährte Wohlfahrtsrente kaum Mark 400—500 übersteigen dürfte. Nördlinger. Israelitischer Oberrat. Stuttgart, den 16. März 1927. Am 10. und 11. April d. I. findet in Stuttgart der brüte Ferienfortbüdungskurs für die Rabbiner und Religionslehrer der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs in den Räumen des Württ. Wirtschastsministeriums, Lindenstraße 4, mit nachfolgendem Programm statt. Programm: Sonntag, den 10. April 1927 vormittags 11 Uhr: 1. Religionslehrer Adler-Cannstatt: Der neue Lehrplan für die höheren Schulen Klaffe 1 bis 6. 2. Rabbiner Dr. Cohn-Stuttgart: Der neue Lehrplan für die höheren Schulen Klasse 7 bis 9. nachmittags 4 Uhr: Aussprache über den Lehrplan. Montag, den 11. April 1927 vormittags 9 Uhr: Dr. Beermann-Heilbronn: Der Prophet Jercmia im Religionsunterricht auf der Oberstufe (didaktische Behandlung mit' methodischen Lehrgängen). Anschließend daran Aussprache, nachmittags 3 Uhr: Dr. Kahn-Mergentheim: Was kann der Rabbiner bezw. der Lehrer für die Erhaltung der geschichllichen Erinnerungen und der vorhandenen Denkmäler in seiner Gemeinde leisten? Anschließend daran Aussprache. Am Sonntagabend findet ein gemütliches Beisammensein statt. Das Nähere wird bei der Tagilng bekanntgegeben werden. Der israelitische Oberrat hat die Stelle eines Religionslehrers in Künzelsau dem Lehrer Julius Sch a p i r o,, bisher in Leipzig, übertragen. > Die Tübinger Äubiläumsspende. Die Sicherstellung eines wissenschaftlich und menschlich vollwertigen Nachwuchses für die Universität selbst, wie für das ganze Land ist das Ziel der Tübinger Jubiläumsspende. Der Kreis, aus dem die Universität sich die künftigen Lehrer und Forscher nehmen kann, wird immer enger. Viele wertvolle Kräfte bleiben draußen, weil die Mittel fehlen, obwohl verdienstvolle Organisationen, wie Studentenhilfe, Studienstiftung des deutschen Bol kes, Markelstiftung usw. hilfreiche Hand lösten. Aber noch ist wissenschafüiche Höhe und prakttfche Brauchbarkeit aus zwiefachem Grund« gefährdet. Einmal muß der Abschluß der Studien oft genug gerade dann erfolgen, wenn die Grundlagen für ein lebendiges Erfassen wissenschaftlicher Werte geschaffen sind; und dann sind die wissenschaftlichen Reisen ins Ausland, deren Ertrag früher für viele ein Besitz für das ganze Leben wurde, seltene Ausnahmen. Klar liegen die Gefahren für die Grundlagen unseres wissenschaftlichen Lebens zu Tage. Sie zu befestigen, die Voraussetzungen für eine durch materielle Not nicht gehemmte Entfaltung der wertvollen Kräfte zu schaffen, ist die Aufgabe der Tübinger Jubiläumsspende. Darüber hinaus sollen für Bedürfnisse der. akademischen Jugend, ihre geistige und körperliche Ausbildung, Mittel bereit gestellt werden. Gebe jeder einen Beitrag für die Tübinger Jubiläumsspende! Gaben nehmen alle Rabbiner und Religionslehrer des Landes entgegen. Verein der württ. Rabbiner J.A.: Dr. Rieger. Ein deutscher Jude und sein letzter Wille. Ein Erinnerungsblatt an Dr. Paul Nathan gest. 15. März 1927. I. Mst Dr. Paul Nathan ist ein kernfester Deutscher und zugleich ein vollbewußter Jude dahingegangen, ein Mann, in dem Deutschtum und Judentum Einheit gewesen. Seine Persönlichkeit ist die bündigste Widerlegung des Dogmas, das eine Synthese zwischen Deutschtum und Judentum für unmöglich erklätt. Er war in seiner politischen Einstellung bis zur letzten Forderung und Folgerung deutsch, in seiner 'Weltanschauung überzeugt jüdisch und doch eine in sich geschlossene Persönlichkeit. Umso merkwürdiger war seine Entwicklung zu einem Vorkämpfer allgemeinjüdischer Lebensinteressen. Lag ihm doch, dem Meister des feingeschliffenen Wortes, dem Künstler der Feder, dem Theoretiker der Politik und dem sinnierenden Geschichtsphilosophen jeber Kampf innerlich fern. Und doch ist er über sein Deutschtum und Menschentum hinweg ein Kämpfer für sein Judentum geworden. Aber der Kampf, den er mst Gneist, Rickert, Mommsen, Barth und Hallgarten gemeinsam in dem von ihnen begründeten Verein zur Abwehr des Antisemitismus aufnahm, war für ihn vorerst nur ein Kampf für die Ehre des deuffchen Namens, der ihm durch die Judenhetzer entehrt und befleckt erschien, und zugleich ein Kampf der Wwehr der deuffchen Reaktion, also