Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- III (1926-1927)
- Issue
- 24 (16.3.1927)
- Date
- 1927-03-16
- Page
- [Seite] (sequence 2)
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in den Lehren der Bibel nichts enthalten ist, „was mit dem natürlichen Denken nicht übereinstimmt oder gar ihm widerstreitet." Spinoza hat allerdings der verhängnisvollen Spaltung der Wahrheit in eine philosophische und religiöse das Ende bereitet und damit die Religion aus dem Schattenreich des Aberglaubens in das Lichtreich der Wahrheit gehoben. Aber der Weg zu dieser Erkenntnis war von der Bibel selbst gewiesen worden, ohne daß Spinoza das erkannt hätte. Gewiß hat sich Spinoza in seinem Bries an Oosten mit gutem Rechte gerade mit dem Hinweis aus seinen jüdischen Ursprung gegen den Borwurs des Atheismus gewehrt. Es ist richtig, daß er Gott als das höchste Gut anerkannt hat, der als solcher mit freier Seele zu lieben ist. Er zitiert auch in einem Schreiben vom '28. Januar 1664 allerdings aus dem Neuen Testament das alttestamentlichr Wort, daß die Summe der heiligen Schrift ist, Gott über alles zu lieben und seinen Nächsten wie sich selbst. Aber der Begriff der absoluten Substanz, die Spinoza mit Gott gleichsept, trennt ihn in alle Ewigkeit vom Judentum. „Unter Gott verstehe ich das unbedingt unendliche Wesen dhdie Substanz die au» unendlich vielen Attributen besteht, deren jedes ewige und unendliche Wesenheit ausdrückt." Gott ist natura naturanS, die Allgewalt, die sich in der Notwendigkeit der Natur offenbart. Der überweltliche Gott ist durch den innerweltlichcn ersetzt, der aller Tinge Ursache und Sub stanz ist. Natltr und Gott ist eins, und der Mensch ist, eine vorübergehende Eischeinungsform Gottes. Das Zentrum der Welt ist in sie selbst verlegt. Gott ist die Gesetzmäßigkeit t>er Welt. Damit ist der unvereinbare Gegensatz zwischen dem spinozistischen und dem jüdischen Gottesbegriss gekennzeichnet. Das Judentum hatte den mathematisch in sein Weltgehäuse eingeschlossenen Gott aus der Enge erlöst und statt des raumgebundenen den freischaffenden Gott verkündet. Die Lehre des Judentums ruht aus dem Verhältnis von Gott und Mensch; die Frömmig kett Spinozas ruht auf dem Verhältnis von Gott und Natur, der Einheit von Körper und Geist, von Natur und Sittlickkeit. Ter Gott des Judentums ist der Urheber der Gesetze der Natur und des Rechtes; der Gott Spinozas ist nur Fundament der Natur. Der Gott der Bibel ist nicht nur der allmächtige Herr der Natur und der Quell des Geistes, sondern zugleich die Kraft der Liebe und der Sittlichkeit, welche die Welt zum Reiche Gottes machen will. Dagegen hat Spinoza den Gonesdegriff naturalisiert und aller ethischen Inhalte entkleidet. Scheinbar steht Spinoza im Einklang mit dem Judentum, wenn er die Gesetze des göttlichen Verstandes im Willen des Menschen wiederfindet, aber nur scheinbar, denn in Wirklichkeit stammt diese Übereinstimmung daher, daß di« Gesetze der Natur auch die des Menschenverstandes find. In der Leugnung der Willensfreiheit ist Spinoza noch in den Denkformen des Mittelalters verhaftet - aber ein Gegner des Judentums. In der alles beherrschenden Gesetzmäßigkeit ist. eben kein Raum für die Freiheit. Damit trennt sich Spinozas Sittenlehre von der jüdischen Ethik. Spinozas Ethik ist unverkennbar eudaimonistisch, sie will die aristotelische Eudaimonie, die Glückseligkeit, des Menschen dauerndes Glück, seinen Seelenfrieden. Dagegen ist die jüdische Ethik altruistisch, sie will die Glückseligkeit der Anderen, der Mitmenschen, sie entwickelt aus dem Mitleid die Nächstenliebe, Gerechtigkeit ist in ihr die Grundlegung der sozialen Moral. Spinoza, sagt Carl Gebhardt, ist der Stoiker der Neuzeit. Er verwirft Mitleid und Reue als Affekte der Daseinsverminderuni. Für,das Judentum aber sind beide Erweise der Gottesnatur, nicht Affekte, sondern Kräfte, die aus der Goltesebenbildlichkeit des Menschen strömen, ohne die der Menschentyp ein Zerrbild ist. Das Mitlcid als Grundkrast der Liebe und die Reue als der Einspruch der göttlichen Menschennatur gegen die Sünde sind im Judentum die Bürgen und Beweger der religiösen Moral. Mit ihrer Abweisung steht Spinoza außerhalb des Judentums. Bei der Eröffnung des spinozistischen Kongresses in der Domus Spinozana am 24. Februar erinnerte der Uebersetzer Spinozas, Dr. Klatzkin, an die Beziehungen Spinozas zum Judentum, die mit dem Bann ihr Ende gefunden, aber in der Gegenwart neu hergestellt wachen sind. Seine Behauptung ist soweit richtig, daß es in der Neuzeit eine Reihe jüdischer Spinozisten gibt, wie Pros. Gustave Cohn-Paris, der den Kongreß eröffnet hat. Sonst aber ist seine Darstellung durchaus verfehlt. Ebenso unklar und unrichtig ist das Phrasengewirr gewesen, mit dem I. L. Magnes als Kanzler der Universität Jerusalem das Spinozakomitee begrüßt hat. Spinoza gehört dem Blute nach zur Judenheit, sein System steht' außerhalb des Judentums. Arbeitsnnd Interessengemeingemeinschaft der Rabbiner nnd Religionslehrer. Von Oberlehrer Spatz-Rexingen. Nach der Revolution schloffen sich zum Schutze des Berussbeamtentums und des Beamtenrechts die Beamtenfachorganisationkn zu Spitzenverbänden aus gewerkschaftlicher Grundlage zusammen. Beamtengruppen und Verbände, die sich vordem in Gehaltsfragen heftig bekämpft, wurden zu einer festen Einheit zusammengeschlossen, und die Arbettgeber, d. h. die Körperschaften des Reichs, des Staats, der Kreise und Gemeinden erlebten das Schauspiel der untereinander uneinigen und