Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- III (1926-1927)
- Issue
- 24 (16.3.1927)
- Date
- 1927-03-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
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Gemeindezettung für -Le israelitischen Gemeinden Württembergs St japiprcl*: •tattlteftad) StfltllgdO ffittrL 4 K<ld)>mart Stastlaommtr to R«l<t)»p(tnmp Paftftt|«A'Koiito, SMS* «rfötiat monatlich imotmot am 1. n. I«. verlag: Jfrneltttfdi« Deilageanftatt S. m. b. t). frralprtdKt s.-p. tsst* (trat (Ot vmtapoadttp.) Schrtftlettuog; Stadtrabbiu« vr. Rl«ger, Stuttgart tlmrtotttnflraC« IS. M* tI»Io»M>t nonpattUI*)ffk o4n tnn Kaum SO Rrtd)«pf«mitg fonllttnasjttprn ans kkta« ftaZttg», M< to N«>ch»pt»»»>i Rcklom« 1 JO Rcld)»mnrt S«l nW*0««l|oUma«n Png(hi|Hpimg III. Jahrgang Stuttgart, 16. März l?r? Ttr. 24 ■iiimummmmmimmimmimummiiiiuiiuig : Am 1. April \ j beginnt der vierte Jahrgang der „Israel. j 3 Gemeindezeitung.“ Wir können mit Genug-; 3 tuung feststellen, daß sie festen Fuß gefaßt, \ 3 daß sie bei unseren Glaubensgenossen ein 3 liebgewordener Hausfreund geworden ist und > 3 auch darüber hinaus in nichtjüdischen Krei-; 3 sen weitgehende Beachtung findet. Wer den; 3 Zusammenhang mit den jüdischen Kreisen E 3 Württembergs nicht verlieren will, muß unsere; 3 Zeicung, die Zeitung jedes württembergischen; 3 Juden, aufmerksam lesen. E 3 Um eine Verzögerung der regelmäßigen Zu- E 3 Stellung zu vermeiden, bitten wir um gefl. E 3 alsbaldige Einzahlung der Bezugs- und E 3 Zusiel lungsgebühr von Mk. 4^ für die Zeit E 2 vom 1. Jlpril 1927 bis 30. März 1928 auf E E Postscheckkonto Nr- 362 58 Stuttgart Israel. E 3 Verlagsanstalt G. m. b. H. E r DER VERLAG \ äwimwwiiiiiiHimiwifflmniiiwiwiiiwiiiimiw i Benedikt de Spinoza und das Judentum. Ein Nachwort zur der Feier des 250. Todestages Spinozas (21. Febr. 1677). Wenn die Frage nach den größten Denkern gestellt wird, die aus jüdischem Blute stammen, wird sicher neben den Klassikern der Bibel, den Philosophen des Mittelalters und den schöpferischen Meistern der Neuzeit auch Benedikt de Spinoza genannt. Die Antwort muß aber anders lauten, wenn die Denker aufgezählt werden, die als Juden gelten dürfen. Das Judentum hat, allerdings kein starres Dogma, innerhalb dessen das Heil, außerhalb dessen die Verdammnis gilt. Aber zwei Ideen in seinem System bilden das Fundament jüdischen Denkens: der transzendente Gottesbegriss und die Mitleidsmoral. Sie bilden die unentbehrlichen Voraussetzungen jeder jüdischen Philosophie. Bon diesen Fundamentalideen aus muß die Frage beantwortet wecken, di« anläßlich der Wiederkehr des 250. Todestages Spinozas wickerholt erörtert worden ist: Darf Spinoza als Jude bezeichnet wecken? Man hätte allerdings einfach auf seine Exkommunikation Hinweisen können, um Spinoza außerhalb des Judentums zu stellen. Aber diese ist wegen seiner Verletzung des jüdischen Gesetzes, nicht wegen seiner Lehre erfolgt. Wesentlicher erscheint schon die Tatsache, daß drei so charakterische jüd. Denker wie Moses Mendelssohn, S- D. Luzzatto und Hermann Cohen Spinoza nicht mehr als Juden angesprochen haben. Allerdings steht dem gegenüber, daß 1857 S. Rubin in einer eigenen Schrift die innere Verwandtschaft Spinozas mit dem Judentum temperamentvoll nachgewiesen und daß 1921 C. N. Starcke in einem umfassenden Werke „Baruch de Spinoza" als einen jüdischen Propheten in modernem Kleide dargestellt: „Seine Religiosität ift die jüdische, sein Gott ist der Judengott in verbesserter und modernisierter Gestalt." Daß der im Judentum erzogene Spinoza Begriffe und Anregungen aller Art aus der Welt des Judentums in sein System übernommen, ist selbstverständlich.' Sein Gottesbegrisf stimmt, worauf schon Salomon Maimon und Krochmal hingewiesen haben, mit der Gottesanschauung des Sohar und der Kabbala überein. Weite Strecken seines „Theologsich-prak.kschen Traktates" klingen wie Erinnerungen an den Moreh des Maimonides. Gckanken aus Jbn Esra, Chasdai Crescas und Leone Ebreo sind in seinem System nachgewiesm wocken. Seine philosophische Terminologie steht unter dem Einfluß der jüdischen. Aber diese Abhängigkeiten haben mehr historisches als philosophisches Interesse. Denn bereits in der christlich-mittelalterlichen Voraussetzung seines Theologisch-politischen Traktates, ,chaß die Bibel und die Philosophie nichts gemeinsam haben,", daß also Glauben und Wissen zweierlei Welten bedeuten, steht Spinoza nicht mehr aus jüdischem Boden. In der Bibel ist alle Religion „Wissen von Gott" und die Thora geht von dem Gesetz aus: „Du sollst erkennen und es dir zu Herzen nehmen, daß ein Gott lebt." Philosophie ist für die Bibel die Grundlegung der Religion. Gewiß bekennt Spinoza ebendort, daß