Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- III (1926-1927)
- Issue
- 22 (16.2.1927)
- Date
- 1927-02-16
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4904101-5441798-5442950--0946-4904965- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
seinem kreise ganz fremden Gebärde das Haupt bcheckte" und das 40. Kapitel des Jesajabuches als Ersatz für eine religiöse Einleitung der Feier vorlas. Das Prophetenwort wirkt« aus Schauspielermund im Schauspielerton hier unerträglich und w«kt« Gelächter. Die Schreiberin schließt mit dem Satz«: „Und deshalb solltenwir auf die Vortäuschung eines noch nicht vorhandenen In Haltes lieber verzichten als mit unserer tiefsten Sehnsucht unbewußt Spott treiben." Ludwig Bähr erwidert Helene Hanna Thon in derselben Zeitung. Er geht von der gleichen Einstellung zum Zionismus aus — er ist für ihn ursprünglich nur Surrogat für die Religion,, da er ,/nis der inneren Leere entstammt, die durch den Mangel eines religiösen Gefühls her vorgerufen ist, wenn er uns auch später mehr wurde." Er tritt für Rücksichtnahme auf die religiösen Kreise ein uird verurteilt es, um nur ein Beispiel zu nennen, daß in der zionistischen Kolonie Beth-Alpha der Grundstein für den Gemeindestall am Rosch-Haschanah gelegt worden ist. Die Begründung seiner Rücksichtnahme auf die Religiösen ist aber nicht wenige» beschämennd als Helene Hanna Thons Ablehnung einer sol chen Rücksichtnahme. Er erllärt einfach, — Religion aus Politik! —, daß der Zionismus die religiösen Kreise des Judentums nicht entbehren kann. Er hofft, daß die rückständigen Teile des Judentums durch die nach Helene Hanna Thons Worten vorhandene Mehrzahl der modernen na ttonal empfindenden Juden so gehoben werden, daß „vielleicht zur Fünfzigjahrfeier der Universität wieder ein Rabbiner ein Gebet sprechen wird; aber dieses Gebet wird dann jedenfalls anders aussehcn, als das bei der Universitätseröffnung, vielleicht gar kein Gebet in dem Sinne mehr sein, wie-wir es heute verstchen, und es wird wenige mehr geben, denen es lächerlich er scheint, weil man sich weiter — und zueinander entwickelt haben wird." Man braucht eben vorerst noch die Andern, wie es ja die amerikanischen Verhandlungen über die Bildung der Jewish Agency unzweideutig ergeben haben. „Die heutige Lage in Palästina ist so verzweifell, daß eine energische Aktion ohne Verzug ausgenommen werden muß. Mehr als je ist es notwendig, alle positiven jüdischen Kräfte dafür zu gewinnen" (Jüdische Rundschau vom 25. Januar, Seite 45). Die Aussprache in dem offiziösen Blatt des Zionismus darf auch außerhalb der Partei nicht übersehen werden. Sie ist gewiß nur ein persönliches Bekenntnis zweier Zionisten, gewinnt aber an der Stelle ihrer Veröffentlichung ernste Bedeutsamkeit. Zionismus als Religionsersatz oder, wie Bähr sagt, als Surrogat für Religion — das ist ein tief erregendes Eingeständnis. Wir kennen aus der unmtttelbaren Vergangenheit den Wert der Surrogate, die fast ein Jahrzehnt lang als Ersatz für die lebensnotwendigen Best 2 — dürfniffe allerdings in blendender Aufmachung und unter llingenden Namen für schweres Geld angeboten und gekauft worden sind, und die zu einem guten Teil den Verfall deutscher Gesund heit und Volkskraft verschuldet haben. Eine Talmi- oder Surrogatreligion, Religion aus Politik — das werden auch alle ehrlichen National juden eingestehen - ist schlimmer als der offene Abfall! Wichtige Beschlüsse des Deutschisraelitischen Gemeindebundes« Einberufung des Gemeindetags. Am 27. Januar 192/ trat der Ausschuß des Teutsch-Jsraelitischen Gemeindebundes zu einer Sitzung zusammen. Gegenstand der Beratung war, zu der Frage des „Reichsverbandes der deutschen Juden" Stellung zu nehmen. Ter Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes hat sich während der letzten Monate zürückgehalten, um nicht den Versuch der Schaffung eines Dachverbandes zu stören. Nachdem dieser Weg durch die einstimmige Ablehnung sich als ungangbar erwiesen, hat der Ausschuß es für notwendig gehalten, nunmehr die Beschlüsse des 15. Gemeindetages vom 23. Jan. 1921 zur Durchführung zu bringeU. Die mehrstündige Aussprache in der Sitzung des Ausschusses hatte das Ergebnis, daß der folgende Antrag Freund einstimmig angenommen wurde: „Tie Ueberleitungs-Komission des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes wird beauftragt: 1. Mit den Landesverbänden in Verbindung zu treten wegen der in Paragraph 2 Abs. 2 : letzter Satz der Verfassung vom 23. Januar 1921 vorbehaltenen Vereinbarung; 2. Tie Ueberleitungs-Komission wird ermächtigt, den Gemeindetag einzuberufen. Paragraph 2 Abs. 2 der Verfassung vom 23. Januar 1921 lautet: Mitglied des Bundes kann auch eine Vereinigung von Gemeinden sein, wenn sie die Rechtsstellung einer öffentlichen Körperschaft besitzt. In diesem Fall« werden sowohl die Rechte (Paragraph 20, Ziff. 1), als auch die Pflichten (8 4d) der der Bereinigung angeschlossenen Gemeinden ausschließlich von der Bereinigung ausgeübt. Insoweit eine derattige Bereinigung von Gemeinden die Gesamtvertrctung der Gemeinden eines Landes bezweckt, und die überwiegende Zahl det Gemeinden des Landes umsaßt (Landesverband), bleibt die Regelung des Verhältnisses zwischen Bund und Landesverband der Vereinbarung Vorbehalten. Die Arbeitsgemeinschaft der südd. israelitischen Landesverbände. Am Sonntag, 6. Febr., tagten in Stuttgart die Vettreter der südd. isr. Landesverbände. An der