Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- III (1926-1927)
- Issue
- 21 (1.2.1927)
- Date
- 1927-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
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den ist. Tie umfassenden Studien des Paters Wilhelm Schmidt über den Ursprung der Gottes idee, die er im „Anthropos" veröffentlicht hat, haben eine Fülle von bestätigendem Material für diesen urtümlichen Eingottbegrisf erbracht- Ter Berliner K. Preuß wendet sich neuerdings nach ernstem Widerstreben derselben Meinung zu, die erst jüngst durch den Nachweis der Eingottidee bei den Feuerländern durch M- Martin Gusinde . seine erneute Bestätigung gefunden hat- Aucb Breysig, der mit den Ergebnissen des Pater Schmidt nicht einverstanden i~t, erkennt als Wur zel aller Gottesbegriffe den lebendigen Allkrast gedanken, der dem primitiven Cingottbegrisf min bestens sehr nahe steht. Pater Schmidt unter scheidet insgesamt acht Kulturstufen und Reli gionsschichten bei den von ihm untersuchten Völkern und entdeckt überall den ursprünglichen, später verdunkelten oder rergesrnen Monotheis mus in der Urform ihres höchsten Wesens. Er weist dabei entschieden die Theorie der Entstehung des Gottesglaubens aus dem Animismus zurück. Vor wenigen Monaten ist das Hauptwerk des Erzbischofs von Upsala T- Tr. Nathan Söder blom „Das Werden des Gottesglaubens, Un tersuchungen über die Anfänge der Religion" in einer deutschen Neubearbeitung des Leipziger Pro fessors Tr. Rudolf Stübe im Verlag der I. C Hinrich'schen Buchhandlung in Leipzig erschie nen Mit der erschöpfenden Gelehrsamkeit, die alle 'eine Arbeiten ausgezeichnet, beantwortet der jetzt sechzigjährige Gelehrte die Grundfrage der Religionsgeschichte, das geschichtliche Werden der Gottesvorstellung von der naiven Auffassung der Primitiven an bis zu ihrer höchsten Entwicklung in den prophetischen Religionen. Er führt den Leser von der Uranschauung ,cher Macht" und der „Seele" über den Glauben an die „Urheber bis zur „Gottheit als Willensioec". Tabei har er trotz der für ein solches Werk gebotenen Kürze der Tarstellung kaum einen der neuzeitlichen Bei träge zu seiner Problemfrage übersehen. Tas in erster Auflage 1915 erschienene Werk darf in der neuen Bearbeitung als die gründlichste Arbeit über das Entstehen des Gottesglaubens bezeichnet werden. Es hat mit den alten und veralteten Anschauungen Wundts und der Theologie aufge räumt und den Weg für eine wissenschaftliche Beantwortung der bisher zumeist nur einseitig theologisch betrachteten Frage frcigemacht. In der Geschichte der Ursprünge der Goüesidee stehen sich jetzt die Vorkämpfer des Ani mismus und des Urmonotheismus feindlich gegen über. SSderblom hält beide Lösungsversuche des Problems für irrig. Gewiß haben die Primi tiven, das beweisen die „Urheber", eine Gottes ahnung, die an Uroffenbarung grenzt. Aber die „Urheber" find nicht die einzigen Begriffe ihres Gottesglaubens, der sich vielmehr aus zahlreichen Unterströmungen zusammensetzt. Ebensowenig kan» jedoch der Animismus d. i. der Glaube an die Realität des Geistigen, auch in der Einschrän k-ina. in der Söderblom ihn Animarrsmus nennt, als Erklärung für das Werden des Gottesglaubens ausreichen. Söderblom ist bedauerlicherweise der frei: Zu gang zu der Erkenntnis der biblischen Gottesidee durch den Glauben an das Wellhausen'sche Dogma verbaute Für ihn ist der Gott des Mose eine animistische Gottesgestalt. Allerdings bereichert er den durch Wellhausen geschaffenen animisti scheu Gottesbegrisf des Mose durch die Annahme von der Wirksamkeit und „unentrinnbaren Macht der Gottheit" des Mose. In der Bibel verbindet sich dazu die Heiligkeit als religiöser Begriff mit em Gottesglauben und schafft so seinen eigenartigen Charakter. Aber Söderblom beharrt aus der Voraussetzung, daß sich in der Bibel zwei Gottesauffassungen, nicht nur Gottesnamen, ein ander gegenüberstehen. Tabei weiß er, daß Ado naj Eigenname, Elohim nur Gottesbegriff für Gottheit ist< daß dldonaj als Eigenname keine nähere Bestimmung der Person durch einen Ge nitiv zuläßt, und bezeugt so selbst die Unmöglichkeit einer doppelten Gottesauffassung in der Bibel. Trotzdem macht Söderblom den Gott des Mose zu einem echt animisii'chen Naturgeist (S. 274), zum „sinaitischen Urdämon" (S. 281), oowohl er zugibt, daß der Gottesbegriff durch Mose der Faktor einer neuen Religion geworden ist. Ter Animismus bedeutet ja nichts anderes als die Entdeckung „einer Wissenseinheit hinter den Lebensäußerungen." Tie prophetische Erfahrung in Mose und seinen Nachfolgern, daß hinter allen Einzelerfahrungen das Göttliche als Einheit wirkt, schafft den Monotheismus. Tiefe Vereinfachung des Gottesbildes in der Lfsenbarungsreligion ist die vergeistigte Vollendung des Animismus. Seine Ausgestaltung zu einem sittlichen Wi.ken erlebt der Gottesbegriff aber erst durch die Propheten. Tie neue sittliche Begründung schasst der Gottesidee ihre eigentliche Motivierung. Die höhere Gottescrkenntnis wurzelt im Animismus wie im Urheberglauben, ist aber in einem Worte ebenso wenig im Urheberglauben wie im primitiven Animismus wirklich vorhanden; denn die Stärke der Religion liegt nicht nur in der abgeklärtenHoheit der Gottesvorstellung, sondern ebensosehr in der pak kenden und zwingenden Macht oer Gottheit über die Menschen (S. 287)." 1 Es ist also im Grunde ein Streit um Worte. Lb der Urmonotheismus oder eine animistische Gottesauffassung, die zur Erkenntnis der Einheit der Gotteswirkungcn geführt hat, an der Wiege des Gottsuchens gestanden, ist in Wirk lichkeit fast wesensgleich. Söderblom glaubt, daß sich Mose das Wesen Gottes in der Gestalt eines Naturgeistes geoffenbart, „aber daß er 'so bedeutend wurde, beruhte nicht aus dem Rauch und denk >1 Brosch. M. 12.50, geb. M 14.