Mannheim
Compact Memory

Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1927-01-01 · 19 (1.1.1927) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
III (1926-1927)
Issue
19 (1.1.1927)
Date
1927-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/4904101-5441798-5442944--0872-4904894
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 44t - tes gesprochen wird, toittl ein Ort der Welt dem Menschen transparent,Iso daß er durch diesen Ort das Göttliche erspäht. Gott ist immer gegenwärtig, aber der Mensch rst nicht immer gegenwärtig, sodaß er nur selten die Gegenwart Gottes erlebt. Das Verhältnis zwischen dem Gegenwärtigsein Gottes und dem Gegenwärtigkeitserfahren des Menschen wird in der Erzählung von Jakobs Traum von der IHimmelsleiter deutlich. Was Jakob nach dem Traume sagt: „Gegenwärtig ib ich wußte es nicht"", was der Mensch sich Geschehen als Maniist Er an dieser Stätte u ist nichts anderes, als stetsHsagt, wenn-er ein festation Gottes begreift. Denn durch jedes Ding, durch jedes Ereignis hindurch, selbst durch das, was seinem Wesen nach äar nicht heilig ist, kann Gott dem Menschen erscheinen. Tatsächlich sieht der Mensch nur ein Stück Natur, das jeder sehen kann, aber von ihm aus den Zugang zu Gott. Jedes Stück Weltraum Ikann die Stätte werden, von der es bei Jakob beißt, daß sie ein Haus Gottes und eine Pforte »es Himmels ist. Gott offenbart sich also nicht im Sinne der Transzendenz, sondern in seinem Gegenwärtigsein für den Menschen. «Wenn Gott in der Bibel einem Menschen seinen/Namen offenbart, bedeu tet das nur die Offenbarung des Gegenwärtigseins Gottes für den Menschen. Ter Name bedeutet ein Du d. h.! Gott hat einen Namen, weil Gott angerufen werden will. Deshalb kann dieser Name nichts anderes ausorücken, als sein 4lngcrusenwerdenkönnep, das Gegenwärtigsei» Gottes für den Menschen. Dabei ist es unerheblich, von wo etwa ein Gckttesname in der Bibel übernommen worden ist, daß Israel aus diesem ganzen Wesen nach Neues hat. Er bedeutet nichts dem Menschen zugewandt, den Namen, sondern sein . _. will Mose kennen lernen, wenn er Gott bitcht: Offenbare mir deinen Namen. Darum erscheint der Ausdruck „Ehjch"" ich werde mit dir, für dich gegenwärtig sein, in gleicher Form in der Gottesossenbarung des Mose wie bei Jakob. Damit ist die primitive Anschauung, daß der angerufene Gottesnam^e die magische Kraft besitzt, Gott herbeizuzwingen, in Israel überwunden. Er braucht nicht herbeigerufen zu werden. Er ist für euch da. Ueberall kann Er sich offenbaren, immer ist Er der eine, immer derselbe. Darum offenbart Gott dem Mose, der Gottes Herrlichkeit schauen will, die Gotteseigenschaften in ihrem Verhältnis zur Welt, in ihrem Gegen wärtigsein für den Menschen. Das Göttliche an sich kann der Mensch nutzt schauen, wohl aber das Göttliche in seiner Bezichung zur Welt. IV. Wie tut sich das biblische Wort als das Wort ist. Das Entscheidend Lautgesüge etwas den gedacht und gemacht anderes als daß Gon für ihn da ist. Nich^l Wesen, seinen Sinn der Einheit jvon Geist und Welt in der biblischen >Berheißung!der Erlösung kund? Di« in der Bibel verheißene Erlösung ist keine Erlösung der Seele, keine Erlösung jenseits der wirklichen Welt, sondern eine Erlösung dieser Menschenwelt in ihrer ganzen Wirklichkeit. These Welt, die als Gottesreich geschaffen ist, soll nach dem göttlichen Erlösungsplane die Vollendung zum Reiche Gottes erfahren. Der von Gott erschaffene Mensch soll an dieser Vollendung der Schöpfung zum Reiche Gottes teilnehmen. Was der Mensch zu tun hat, um an der Vollendung der Schöpfung mitzuwir ken, haben nicht die Propheten offenbart- Diesen Anteil des Menschen an der Vollendung erfährt der Einzelne in seiner tiefsten Selbstbesinnung und Selbstverantwortung. Er soll wissen, daß er von Gott zu seinem Erlösungsplane gebraucht wird, daß er tagtäglich an diesem Werke mitarbeitet, es fördert oder es hindert. Tie Wirkung seiner aufbauenden oder hemmenden Arbeit am Gottesreich soll ihm bewußt werden. Tes Menschen Sein und Sinn ist kein Spiel vor Gott, sondern ein Mitschaffen am Gottes-Plan. Die Entscheidungen des Menschen sind Entscheidungen über das Schicksal der Welt. Der Mensch ist als «in Anfang geschaffen, er erlebt von neuem bie Geschichte der ersten Menschen, er ist — denn es gibt keine Erbsünde — in Wahrheit Adam oder Eva. Er hat wie die beiden ersten Menschen von neuem von sich aus zu entscheiden, Gott zu wählen oder zu verwerfen, die Erlösung zu fördern oder zu verhindern. Der Messias ist nichts anderes als die Verkörperung der Wirklichkeit des menschlichen Anteils an der Erlösung der Welt, an der Vollen düng der Schöpfung zum Reiche Gottes. . . Arbeitslosigkeit und Jüdisches Ar« beitsnachweiswes en. Die allgemeine Arbeitslosigkeit gehört zweifellos zu den aktuellsten Wirtschaftsprobleinen der Gegenwart. Reich, Staat und Stadt smd dauernd bemüht, Abhilfe ^u schaffen. Es ist nur allzubekannt, wie gering die Hilfsmittel im Vergleich zu der ungeheuren Notlage der Erwerbslosigkeit sind. 1 Während das öffentlich: Jnlecessc für die Fragen der allgemeinen Erwerbslosigkeit infolge des außerordentlichen Umfanges des Problems dauernd wachgehalten wird, vollzieht sich, von der breiten Oeffentlichkeit fast unbeachtet, die Tragödie der jüdischen Erwerbslosen. Ihre Lage ist unvergleichlich schlimmer als die der Erwerbslosen schlechthin, denn der Boykott jüdischer Arbeitnehmer wird «ine immer häufigere Tatsache. Gelingt es dem jüdischen Arbeitslosen, nach monatelanger Erwerbslosigkeit von einem öffentlichen Arbeitsnachweis eine Stelle nachgewiesen zu erhalten, so erfährt er in den meisten Fällen nach

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.