Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- III (1926-1927)
- Issue
- 19 (1.1.1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
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— 442 — Vorstellung beim Arbeitgeber, daß dieser Juden prinzipiell nicht einstellt. Ter öffentliche Arbeitsnachweis hat keine Möglichkeit, den Arbeitgeber zur Einstellung jüdischer Kräfte zu veranlassen. Der jüdische Arbeitnehmer aber wird durch derartige Erklärungen in seinen Hoffnungen auf baldige Arbeitsaufnahme schwer enttäuscht. Er leidet unter diesen Verhältnissen pchysisch und psychisch weit mehr als alle anderen. Die Tatsache, daß Juden als Arbeitnehmer in immer größer werdendem Umfange aus dem Wirtschaftsleben herausgestoßen werden, ist eines der Momente, die die Gründungen jüdischer Arbeitsnachweise zu einer unabweisbaren Notwendigkeit gemacht haben. Im jüdischen Arbeitsnachweis ist die Masse der Arbeitsuchenden an sich kleiner, die Möglichkeit individueller Behandlung eher gegeben und die Gefahr der persönlichen Erniedrigung durch Bemerkungen, daß Juden nicht eingestellt werden, ganz ausgeschaltet. Es ist deshalb be greiflich, daß die jüdischen Arbeitnehmer in immer größerer Zahl sich an den jüdischen Arbeitsnach weis wenden. Ein zweites Moment, das für die Notwendigkeit des jüdischen Arbeitsnachweises spricht, ist die Zahl jswer jüdischen Arbeitnehmer, die aus religiösen Gründen es ablehnen, am Sonnabend zu arbeiten und deshalb für die Arbeitsbeschaffung durch die allgemeinen Arbeitsnachweise überhaupt nicht in Frage kommen. In diesem Falle ist indi viduelle Behandlung und Verhandlung mit den Arbeitgebern noch notwendiger und dringender als bei der sonstigen Arbeitsvermittlung. Tie Erfolge der bereits vor längerer Zeit gegründeten Arbeitsnachweise in Berlin, Franksurt a. M-, Breslau usw. sprechen sowohl für die Notwendigkeit des jüdischen Arbeitsnachweises als auch für die Möglichkeit, in einem gewissen Umsange den jüdischen Erwerbslosen zu helfen. Ten denkenden Helfern jüdischer Not ist es seit langem klar, daß Arbeitsbeschaffung die beste Hilfsmaßnahme ist. Teshalb sendet sich auch das Interesse der jüdischen Wohlfahrtspflege dem Arbeitsnachweiswesen in immer größerem Umfänge zu. Tie jüdischen Arbeitsnachweise, die meist unabhängig von einander entstanden sind, hatten keine einheitliche Form. Bald sind sie Vollarbeitsnachweise kür Männer und Frauen, bald nur Teilarbeitsnachweise für Frauen oder Jugendliche. Tie Notwendigkeit einer Zusammenfassung aller Arbeitsnachweise zu eitler Organisalion mit einheitlichen Richtlinien wird mit dem wachsenden Umfang iier jüdischen Arbeitsnachw eisbewegung immer dringender. Ties vcranlaßte die bisher getrennt /voneinander arbeitenden Arbeitsnachweiszentr^ilen, die Hauptstelle für Jüdische Arbeitsnachweise und das Arbeilsnachweiskartell des Jüdischen Frauenbundes, ih e Arbeit zusammenzulegen lind die Vereinigte Zentrale für jüdische Arbeitsnachweise in Teutschland (Geschäftsstelle:' Berlin N24, Auguststraße 17) zu gründen. Ter Fraüenl/und sowohl als auch die Hauptstelle haben nunmehr chre selbständige Tätigkeit auf dem Gebiete des jüdischen Arbeitsnachweiswesens eingestellt. _Jüdisches Lehrhau^ Stuttgart,_ Vom 9. Januar bis 13. April 1927 werden folgende Lehrgänge abgehalten: 1. Hebräisch für Anfänger von Lehrer Jaffä. Mittwoch 81,2 Uhr abends, Beginn 12. Januar. 2. Hebräisch Mittelkurs von Stadtrabbiner Dr. Rieger. (Fortsetzung der Lektüre der Genesis im Urtext und in der Uebertragung von Buber). Donnerstag abends 71 4 Uhr, Beginn 13. Januar. 3. Talmud hebräisch u. deutsch v. Rabbiner Dr. Be er mann. Sonntags 101 4 Uhr vorm., Beg. 9. Januar 4. Jefaia u. seine Zeit (Fortsetzung) von Rabbiner Dr. Beermann. Sonntags 111 2 Uhr vormittags, Beginn 9. Januar. 5. Die fünf Rollen L (Buch Esther, Ruth, Hohes Lied) von Lehrer Meyer. Dienstags abends 8 Uhr, Beginn 11. Januar. 6. Jüdische Geschichte in Charakterbildern. (Mittelalter und Neuzeit) von Stadtrabbiner Dr. Ri eg er. Donnerstag 8 3 4 Uhr abends. Beginn > 3. Januar. 7. Außerdem wird eine Arbeitsgemeinschaft für Neuhebräisch, geleitet von Stud. ing. Freund, eingerichtet, die jeden Mittwoch 81 4 Uhr abends staitfindet. Beginn 12. Januar. Die Kurse Ziff. 1, 3, 4, 5, sowie die Arbeitsgemeinschaft Ziff. 7, finden im Gemeindehaus, Hospitals!,. 36, die Kurse Ziff. 2 u. 6 im Saal der Stuttgart-Loge. Calwerstr. 33 Hths., statt. Anmeldungen nimmt unsere Geschäftsstelle, Hospiialstr. 36, entgegen: außerdem sind solche in den zwei ersten Stunden jedes Lehrgangs, in denen auch gastweiser Besuch zulässig ist, möglich. Die ordentliche Mitgliederversammlung unseres Vereins findet am Mittwoch, den 19. Jan., abends 71 2 Uhr, im kleinen Saal des oberen Museums statt und wird durch einen Vortrag von Herrn Rabbiner Dr. Beermann „Der Talmud und sein Kulturwert", eröffnet werden. Am 6. und 7. Februar spricht Herr Rabbiner Dr. Schlesinger über „Neuhebräische Dichtung". Zu diesen Vorträgen erhalten unsere Vereinsmitglieder und Hörer Eintrittskarten zu ermäßigten Preisen. Weitere Mitteilung lassen wir folgen. Der Ausschuß des Vereins Jüdisches Lehrhaus Stuttgart. .