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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1927-01-01 · 19 (1.1.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
III (1926-1927)
Issue
19 (1.1.1927)
Date
1927-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
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diese Glaubensaufgeschlossenheit in sich haben, daß er den Wirkungen der Bibel sich auftut, sich von ihr treffen und von ihr durchleuchten läßt, daß er vor die Bibel wie ein Liebender vor den gelieb ren Menschen tritt, nichts von sich ihr vorenthält, alles mit sich geschehen lassen will, was zwischen Menschen geschieht, die einander aufgetan sind, nichts von vornherein glaubt, aber auch nichts von vornherein unglaubhaft findet. - So soll der Mensch der Gegenwart den Trei klang der Bibel: Schöpfung, Offenbarung und Erlösung auf sich wirken lassen: Schöpfung als das, was in einem unfaßbaren Urcinst geschehen und als das, was in jedem Augenblick, auch inwiefern Augenblicke an jedem von uns geschieht, denn nicht nur die Welt ist erschaffen, auch wir sind erschaffen Offenbarung als etwas, was sich in großen weitverwandelnden Augenblicken auf die Menschen niedecgesenkt und zugleich als etwas, wa» immer und überall tönt und nur verstummt scheint, weil wir für diese Stimme taub sind Erlösung als das, war der Welt als die Vollendung der Schöpfung zum vollkom menen Reiche Gottes verheißen ist und zugleich als das, was sich jedem von uns zukeilen will: Welchen Anspruch auf Glaubwürdigkeit hat nun die Bibel? Es gibt eine durch Tatsachen bestätigte Wahrheit der Erfahrung, eine Wahrheit der geisti gen Evidenz und eine Wahrheit, die deshalb wahr ist, weil sie lebengestaltend wirkt. Welche ist die Wahrheit der Bibel? Sie ist wahr, weil sie in der ursprünglichen Gläubigkeit der biblischen Menschen eine Totalwahrheit gewesen ist, weil sie in dieser Gläubigkeit bewährt und in ihr den Wert der Erfahrungswahrheit oder Evidenz bci^-l. Ter Gegenwartsmensch, der sich ei» pon tiveS Verhältnis zur Bibel schaffen will, aber nicht mehr die naturhafte Gläubigkeit, sondern nur eine festgehaltene im Sinne der Orthodoxie besitzt oder auf dem Wege der geistigen Evidenz den Zugang 'zur Bibelgläubigkeit sucht, indem er das Bibel - wort allegorisch oder symbolisch begreift, oder der Bibel eine religiös-praktische erziehliche Be deutung zuweist, ist auf dem falschen Wege zur Wahrheit der Bibel. Tie biblische Urkunde ist eben zu gewaltig, als daß sie zu einem Mittel herab gewertet werden darf. Ter einzige Zugang zur Bibelwahrheit ist die Rückkehr zur einheitlichen Wahrheitskonzeption, daß wir sie als das einzige Buch anerkennen, dessen Wirklichkeitscharakter ge genüber alle Teilwahrheiten ihren Sinn verlieren. Schließen wir uns ihr rückhaltlos auf, so werden wir aus der lebendigen Beziehung zu ihr die uns fehlende Fähigkeit gewinnen, ihren Wahrheitswert zu erfassen. II. Schöpfung, Offenbarung und Erlösung werden in der Bibel nicht als theologische Probleme, son dein als Angelegenheiten Gottes mit der Welt behandelt. In chnen wird der Mensch als ein 440 — Wesen behandelt, mit dem nicht nur etwas geschieht, sondern von dem etwas geschehen kann, als ein Wesen, dessen Gott gleichsam benötigt. Tenn Gott besteht nicht im Geist allein, sondern auch in der Wirklichkeit; Gott ist nicht bloß, son dern er ist da, für uns, auf uns, zu uns. Von dieser Voraussetzung aus ist di: biblische Schöpfungsgeschichte zu begreifen. Sie kündet das Hervorgehen von Geist und Natur aus der Ein - heit Gottes. Tas Wort Ruach in ihr hat einen geistigen und weltlichen Sinn wie in der Stelle des 4. Buches Mose beim Murren des Volkes über das Manna, wo es Wind und Geist in einem bedeutet. Beide Wirksamkeiten Gottes, Geist und Natur, sind in diesem einen Begriffe beschlos sen. Mit diesem Begriffe setzt di: Schöpfungsgc ' schichte ein als Urbewegung von Gott aus, in der Geist und Naturgeschehen noch eins sind. Tiefe Ureinheit von Geist und Welt soll der Mensch in seinem Leben von sich aus neu verwirklichen. Eine solche Verwirklichung war dem Volke im Bau des Zeltes der Gegenwart Gottes (dem Stiftszelt) geboten, in dem sich Gott dem Men schen vergegenwärtigt, in dem er dem Volke begegnen will. Wie der Berg Sinai naturhast Gottes Wohnung war, so sollte dieses Zelt gleichsam kunsthaft die Stätte der Manifestation Gottes werden. Was hier unter Wohnung verstanden werden soll, wird dort deutlich, wo Gott dem Mose gebietet, wie der Schrein gebaut werden soll, in dem die Tafeln des Zeugnisses, der Vergegenwärtigung, die Tafeln, die immer wieder dem Volke den Vorgang vergegenwärtigen sollen, dessen Zeuge es am Sinai gewesen ist, verwahrt werden sollen. Aber auch in der Bibel gibt es nur soweit eine Offenbarung Gottes, als Menschen aufgeschlossen und offenbarungswillig spachen: wir wollen tun, wollen gehorchen. Dieses Entgegenkommen, dieses aus Gott Zugehen bedeutet, daß Gott in Israel wohnen wird. Ter Mensch soll an jedem Tage diese Nachfolge Gottes versuchen, er soll so Gottes Genosse beim Werk der ewigen Schöpfung sein, die nicht nur einmal im An fang aller Zeit, sondern mit jedem Tage neu geschieht. Ter Mensch soll an dieser ewig erneuten Schöpfung teilnehmen, indem er an jedem Tage tut, soviel er vermag. Damit hat er nich^nur am Werk der Schöpfung teilgenommen, sondern zugleich auch am Werke der Erlösung, da er an dem Werk der Vollendung der Schöpfung zum wahren Reiche Gottes so mitwirkt. Das Nebeneinanderstellen von Gottes Arbeil und von Menschenarbeit im Sabbathgebot bezeugt, daß nichts in der Bibel transzendental gemeint ist, sondern alles in Beziehung auf die Fülle der Welt in der Nachahmung Gottes. III. Ueberall 4vo in der Bibel vom Erscheinen Got-

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