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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1926-11-01 · 15 (1.11.1926) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
III (1926-1927)
Issue
15 (1.11.1926)
Date
1926-11-01
Page
[Seite] (sequence 21)
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— 343 — muß schon sagen, ausschlachtet, um gegen das Judentum Stimmung zu machen." Levy: „Das sind wir leider gewöhnt, es geschieht dies in tausend anderen Dingen auch." Ich: „Woher dies wohl kommen mag?" Levy: „Ich könnte Ihnen klassisch mit Schiller antworten: „Es liebt die Welt das Strahlende zu schwärzen und das Erhabene in den Staub zu ziehen." Ich will aber prosaisch und nüchtern bleiben und Sie daraus Hinweisen, daß hier das bald offene, bald geheime Widerstreben des Menschen gegen das Göttliche, der Widerstreit zwischen Gut und Bös mitspielt, der durch alle Verhältnisse zieht. Darum wird auch die Bibel so wenig gelesen und noch weniger gründlich und aufmerksam studiert. So schön und gut es ist, daß sie in der Schule der Jugend gelehrt wird, so nachteilig wirkt dies nach der Richtung hin, daß weitaus der größte Teil der Menschheit glaubt, daß die Bibel dem schulentlassenen Menschen nichts mehr zu sagen hat." Ich: „Aber von unseren großen Geistern, Dichtern, Denkern, Staatsmännern weiß man doch, daß sie eifrige Leser des „Buches der Bücher" und seine glühende Verehrer waren?" Levy: „Gewiß, aber wie sehr sind diese in der Minderzahl. Es sollte auch der gewöhnliche Sterbliche jeden Tag wenigstens ein Kapitel in der Bibel lesen, dann würde es in der Welt anders aussehen!" Ich: „Vielleicht kommt es noch so'weit." Levy: „Wir wollen hoffen!" M.K. inM. Neue Bücher. Eurt Elwenspoek, Jud Süß Oppenheimer,der großeFinanzier und galante Abenteurer des 18. Jahrhunderts. Erste Darstellung auf Grund sämtlicher Akten usw. Süddeutsches Bcrlagshaus GmbH., Stuttgart. 1926. j Nachdem im Vorjahre Lion Feuchtwanger den württembergischen Finanzagenten Joseph Süs Oppenheimer zum Helden eines in allen seinen Teilen verfehlten Romans gemacht hat (vergl. Nr. 6 des zweiten Jahrgangs dieser Zeitung, S. 159 ff.), läßt der Regisseur des Stuttgarter S«bauspielhauses Dr. Elwenspoek eine auf überaus sorgfältigen Untersuchungen beruhende Darstellung deS Lebens des merkwürdigen Mannes erscheinen. Sein Buch bedeutet einen wesentlichen Fortschritt in der Aufklärung des märchenhaften Aufstieges und des tragischen Unterganges Oppenheimers. Das umfangreich« Aktenmaterial, das dem verewigten Oberkirchenrat Dr. Kroner zum Studium allerdings zugänglich gemacht, aber zur Veröffentlichung nicht freigegeben worden ist, stand dem neuen Bearbeiter der Lebens.',eschicht: Oppenheimers in vollem Umfange zur Verfügung. Das erklärt es schon, daß das neue Buch die vielen vorausgcgangenen Versuche weit hinter sich läßt. Sein Mangel ist, daß es vielleicht unwillkürlich unter dem Einflüsse der Feuchtwangersche» Romandichtung steht und sogar deren Formgebung bisweilen nachahmt, daß es das Anekdotische zu stark unterstreicht und schließlich das erotische Moment lebhafter betont, als es unumgänglich nötig gewesen. Liebeshändel sind in dieser galanten Zeit so selbstverständlich, daß sie nicht mehr als charakteristische Beiträge zu einem Lebensbilde aus dem beginnenden 18. Jahrhundert erscheinen. Elwenspoek erwähnt S. 153, daß Oppenheimer in der Haft in seinen Aussagen die adeligen Damen und die verheirateten Frauen „ritterlicher als seine Richter" güxckt hat. Vielleicht wäre es ritterlicher gewesen, auch über diese an sich kaum interessanten Affären den Mantel höflichen Schweigens zu breiten. Der S. 93 veröffentlichte angebliche Liebesbrief der Frau Andel und die darauf erfolgte Antwort Oppenheimers sind so witzlose Fälschungen, daß sie ohne Schaden für das ganze Lebensbild hätten fortgelassen werden können. Die auf Tafel VI dargestellte Frau ist sicher nicht die Fischerin, sondern eine allegorische Figur, vielleicht eine Allegorie des Hochmuts, ganz wie die Frauengestalten auf dem S. 143 veröffentlichten Bilde. Den Aufstieg Oppenheimers hat Elwenspoek gut geschildert. Der wirtschaftspolitischen Bedeutung des seine Zeitgenossen weit überragenden Finanzmannes wird er dagegen kaum gerecht. Das Bild des tragischen Absturzes Oppenheimers hat Elwenspoek besser getroffen. Das menschliche Mitempfinden belebt hier die Zeichnung, die bisweilen geradezu erschütternd wirkt. Ueberhaupt sind die Stellen in seinem Buche die wertvollsten, in denen der Darsteller nicht nur-Referent, son- Esslingen. Ludwigsburg. WUWtM U Elektr. Llditu. Carl Steider j Hnm Waller, Lndwttsbirg j S empfiehlt! ♦ Pllentautir. 26 Telefon 171 : Pelzwaren aller Art i ^58557

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