Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- III (1926-1927)
- Issue
- 14 (16.10.1926)
- Date
- 1926-10-16
- Page
- [Seite] (sequence 4)
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- 298 — Tie Zahl der jüdischen Knaben in den höheren Schulen in also in sechs Jahren um 55—18/1 Prozent, hie der jüdischen Mädchen um 81—23,2 Prozent, die Gesamtzahl der jüdischen Kinder um 136- 21 Prozent zurückgegangen. Tiefe Zahlen sprechen eine wahrhaft erschütternde Sprache. Sie offenbare» einen zahlenmäßigen Rückgang, der selbst die ernsteste» Befürchtungen der Schwarzseher nach der letzten Statistik der wärt tembergischen Bevölkerung noch weit übersteigt. Sie beweisen auf der eine» Seile, wie weit die Angaben antisemitischer Hetzer von einer angeb lichen Ueberslutung Teutsdhlauds mit Juden i» den Nachkriegsjahren berechtigt sind. Airs der an deren Seite offenbare» sie einen Rückgang im Nachwuchs der jüdischen Bevölkerung in Wärt temberg, der einem selbstmörderischen Auflösungsprozeß gleich kommt. Tiefes tragische Bild findet furchtbare Ergänzung in dem Rückgang der jüdischen Schule» des Landes. Es gab 1922 I I jüdische Schulen mit 14'» Kinder» 1923 11 jüdische Schulen mit 136.Kindern 1924 9 jüdische Schule» mit 197 Kindern 1925 7 jüdische Schulen mir 69 Kindern 1926 6 jüdische Schulen mit 67 Kinder» Jüdische Schüler, welche evangelische und ka.ho lischt Volksschulen besucht haben, werden l in der Statistik nicht getrennt ausgeführt. Es ist aber an zunehmen, daß sich auch die Zahl der jüdischen Bolksschüler wie die der Schüler der höheren Schulen ebenso katastrophal verringert hat. Tic Statistik des würn. Kulkministeriums ist ein überernster Beitrag zur Schicksalstragödic vom „Untergang des Teulschen Judentums/ Sic klingt wie ein Memento mori! Württembergische jüdische Helden. Bon Lberstleutuaut a. T. Mar Brunzlow. Unter dem Titel „Jüdische Frontsvlda len a u s 26 ü r l temberg und H o h e n z o l lern" in neuerdings eine Schrift von dem Bor sitzrnden des württembcrgischen Lau d e s a u s s ch u s s c s des Centraloereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Tr. med. Gustav .I e l d m a n n , herauSgegeben worden. Tiefe stellt eine wertvolle Ergänzung eigener Art zu der im Jahre 1922 veröffentlichten Statistik „T i e de u > scheu Juden als Soldaten im Kriege 1911 bis 1918" von Tr. Jakob Scgäll dar* Tie Schrift widerlegt zahlenmäßig das antisemitische Märchen, daß die Juden in erheblich geringerem Grade ihre Knochen den feindlichen Geschossen dargeboten haben als Angehörige anderer Kon fcfsionen. Packend sind die kurzen Einsührungs Worte der Schrift. Sie verraten mit Recht einen tiefen Schmerz über die Ungerechtigkeit, die sinnloser Haß deutschen Männern nur deswegen zugefügt hat, weil es Juden sind, um die es sich handelt. Tie knappen Erklärungen zu den namentlichen Listen der Kriegsteilnehmer sind besonders deshalb von Wert, weil sie darauf Hinweisen, daß in den Listen nur diejenigen aufgeführt sind, die i n d er Front gestanden haben. Tie gerade hier durch beredten Zahlen führen einen schlagenden Beweis gegen die Behauptung, alle von jüdischer Seite ausgestellten Nachweise über die militärische Betätigung der Juden im Kriege seien stets des halb irreführend, weil ein unverhältnismäßig hoher Prozentsatz jüdischer Soldaten sich in gesicherter Stellung, d. h. in der Heimat, in der Etappe, auf Schreibstuben usw., befunden Iwttc. Wenn, wie auf Seite 7 der Schrift zusammenstellend angegeben, von nicht einmal 11 9 00 jüdischen Einwohnern 1674 Männer tat sächlich in der Front gestanden haben, wenn von diesen 2 70 (16 »„) gefallen, 533 (fast 32 »») verwundet sind, dann sollten rechtlich denkende Menschen nicht anstcheu, wenigstens den im Weltkriege im Felde gkstandeueu jüdischen Soldaten gerade so wie denen anderer Konfessionen dieselbe Wür digung und Tantbarkcit für ihr Wirken um das Paterland zuzuerkennen. Tr. Segalls Statistik aus dem Jahre 1922 hat damals im Lager der Antisemiten viel Unruhe hervorge rufen, zumal da sie der Nachprüfung einer so namhaften Persönlichkeit wie des Tirektors des Statistischen Amtes der Stadt Berlin unterlegen hatte. Tie Schrift ist für die Ehrenrettung der jüdischen Soldaten m. E. noch wertvoller, weil sie in der Lage ist, durch Namensnennung jeden Zweifel und somit jeden Angriffspunkt zu beseitigen. Welch enorme Arbeit der Herausgeber durch Beschaffung und Zusammenstellung der Unterlagen geleistet hat, das beweisen die Namenslisten nebst ihren erklärenden Angaben an sich schon. Ihre scheinbar trockenen und doch so vielsagenden Auszählungen müßten für die Folge jeden Angriff gegen die deutschen Juden als Soldaten im Vielt kriege verstummen machen. Es ist nicht meine Aufgabe und noch weniger meine Absicht, den jüdischen Kriegsteilnehmern vor denen anderer Glaubensbekenntuisse besondere Hochach tung cntgegenzubringen. Weil aber nur so wenige Offiziere den Mut aufgebracht haben, ihre jüdischen ehemaligen Untergebenen gegen ungerechte Verunglimpfungen in Schutz zu nehmen, wollte ich es mir nicht versagen, aus die Bedeutung der vorliegenden Schrift hinzuweisen, eine Bedeutung, die weniger an die Juden, als an ihre Gegner ge richtet ist. Mag jemand noch so antisemitisch eingc stellt sein, derWahrheit muß er die Ehre geben! Um dieser Wahrheit willen wünsche ich der Schrift weiteste Verbreitung und glaube der Hoffnung Ausdruck geben zu können, daß ihr Inhalt auch im feindlichen Lager Erkenntnis zeiti gen wird. Wir Mitkämpfer im Weltkriege haben,