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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1926-10-01 · 13 (1.10.1926) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
III (1926-1927)
Issue
13 (1.10.1926)
Date
1926-10-01
Page
[Seite] (sequence 2)
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nreinschaft Württembergs nur für Darlehensschulden der Religionsgemeinden in Betracht. Bei Tarlehensschulden an Privatgläubiger muß es den einzelnen Gemeinden überlassen bleiben, ob ihr eigener Bermögensbesitz und die steuerliche Leistungsfähigkeit ihrer Gemeindcangehörigen es ihnen möglich macht, ihren Gläubigern eine höhere Aufwertung ^u gewähren, als das vorbezeichnet: Gesetz vorschreibt. Da durch eine Vereinbarung mit den Privalgläublgern der Schuldentilgungsplan anderweitig festgestellt wird, ist die Genehmigung des Oberrats dann einzuholen, wenn eine höhere Auswertung als die gesetzliche oder eine frühere Tilgung vereinbart werden soll (Vers. § 41 III). Nördlinger. An sämtliche Israelitische Borsteherämter und Gemeindepflegen. Jüdische Weltanschauung. So groß der Anteil deutscher Juden an der Philosophie der Gegenwart ist, so klein ist die Anzahl der jüdischen Philosophen, die ihr Judentum in den Bereich ihrer Systeme eingeschlossen haben. Das Judentum spielt in ihren Philosophien im besten Falle nur als peripherische Erscheinung eine Rolle. Um nur einige Juden zu nennen, die in der deutschen Philosophie der Gegenwart hervokgetreten sind, so gehen Georg Simmel und Hermann Cohen von Kant, der Freiburger Edmund Husscrl von Bolzano, der Breslauer Jakob Freudenthal von Lotze, Konstantin Brunner von Spinoza, Leonhard Nelson und Kurt ^Greiling von Fries, der leider im Krieg gefallene Emil Lask von Rickert in Heidelberg aus. j Eine Philosophie, die auf die Bibel begründet in, ist bisher nicht in die Erscheinung getreten. Ich sehe dabei natürlich von Darstellungen der jüdischen Religion wie etwa Lazarus' „Ethik des Judentums" oder Leo Bäcks „Wesen des Judentums" ab. Allerdings hat Hermann Cohen in seinem nachgelassenen Werke „Tie Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums" den Versuch gemacht, sein System aus dem Judentum zu entwickeln, seine Verbindungslinien mit dem Judentum aufzudecken. Aber dieses Werk darf nicht als Systematik bewertet werden, sondern als Versuch, seinen religiösen Standpunkt mit seinem weltanschaulichen in Einklang zu bringen. Eine jüdische Philosophie müßte von der Bibel als der Grundurlundc jüdischen Wesens ausgehen, ganz gleich wie sie sich zur Bibel stellt, ob sie die Bibel als Gottesossenbarung oder als den literarischen Ausdruck und Niederschlag jüdischen Geistes betrachtet. Tie Bibel ist auch für den nicht buchstabengläubigen Juden Gottes .Wort, das, an sich unwandelbar, für alle Zeften Geltung hat. Es ist ja gleichgültig, ob das Wort inspiriert oder der Sprecher des Wortes inspiriert geweftn. Dagegeie ist die Einstellung zur „mündlichen Lehre" für eine Philosophie des Judentums von entscheidender Bedeutung. Für die, welche in der mündlichen Lehre die göttliche Auslegung des Bibelwortes sehen, ist die Bibel das Fundament des Judentums und die mündliche Lehre sein natürlicher Ausbau. Dagegen ist die Bibel für jene, die in der mündlichen Lehret die geistesgeschichtliche Weiterentwicklung der biblischen Gedankenwelt bewundern, der Lebensbaum, aus dem das Judentum seine Kräfte entwickelt und zu Neugestaltungen gelangt. Für diese Letzteren ist die mündliche Lehre nichts Einmaliges, sondern das stets wandelnde Abbild der geistigen Entwicklung des biblischen Stoffes im Judc^um. Auch für sie ist die mündliche Lehre ein „schutzzaun" um das Bibelwort, aber keine eiserne Mauer, sondern eine lebendige Hecke, triebkräftig, jung mit jckem Frühling. Tie mündliche Lehre schuf das immer lebendige Gleichgewicht zwischen Bibelgerst und Zeitgeist. Aber jedes Auge sieht anderes in das Weltbild hinein und schaut anderes aus ihm heraus. Die Landschaft ist im Winter und im Sommer die gleiche und doch in allen ihren Teilen verschieden. Jedes Zeitalter hat sich selbst in Her Bibel gesunden, sich in sie hineingelebt und sich in ihr heimisch gemacht. So ist sie das Buch der Ewigkeit geblieben. In einer geistvollen Legende des Talmuds hört Mose, der Schöpfer der Thora, die Auslegung seines Wortes durch Rabbi Akibo und vermag seine Thora in der Auslegung Rabbi Akibas nicht wiederzuerkennen (Menachoth 29 b). Und doch war dieser in seiner Zeit der klassische Deuter der Bibelwahrheit. So blieb die Bibel ewige Gegenwart. Das ist vielleicht der tiefere Sinn des Schristwortes: „Tie Thora ist dein Leben", du sollst in ihr leben und sie soll in dir lebendig bleiben. So ist das Bibelwort in Israel nie Dogma gen orten, das Judentum niemals zum System erstarrt. Jeder Prophet war ein neuer Offenbarer. Das Judentum kennt nicht einen Gesetzgeber, sondern eine nie unterbrochen« Kette von Erben des Gotteswortts, das vom Sinai her stets Träger gefunden, dessen Licht aus jedem in neuem Farbenspiel gestrahlt. Und über diese Einzelpersonen hinaus erlebt das Gottkswort im Volke Israel seine Verlebendigung. Darum lernen unsere Kinder bereits im Anfang der religiösen Belehrung das Schristwort (5. Mose 33,4): „Tie Thora hat uns Mose geboten als Erbe der Gemeinde Jakobs", denn „alle Kinder Zions sollen Jünger Gottes sein (Jer. 31,33)." Das Prolegomenon „für ein Systtm jüdischer Philosophie" legt soeben Jsaac Breuer in einer in Frankfurt bei I. Kausfmann erschienenen Schrift „Tie Welt als Schöpfung uiü> Natur" vor'). Ter Titel ist wohl in bewußtem Ge- 0 Preis bt. SH. 2.50, gcb. SW. 4.50

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