Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- III (1926-1927)
- Issue
- 12 (16.9.1926)
- Date
- 1926-09-16
- Page
- [Seite] (sequence 3)
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ii ii ii Königs gekommen zu sein/' sprach dann noch Einiges über die Pflichten des Unterthans, las hierauf die Huldigungsformel vor, welche die Vorsteher nach abgelegter Handtreue unterschrieben. Sodann las einer der Vorsteher eine Danksagung vor, der Rabbiner sprach ein Gebet mit abschließendem Segen, auch wurden noch einige Psalmen aus den König gesungen, worauf die Kommission in gleicher Weise wie beim Einzuge die Synagoge verließ. In gleicher Art verlief die Feier auch in Laupheim, nur daß hier das Gebet für den König in sehr schöner Schrift auf einer Tafel in der Synagoge aufgehängt wurde. Ter Kommissar schließt seinen Bericht mit den Worten: „Beide Judengemeinden haben daher Beweise von allerunterthänigster Anhänglchkeit und Devotion gegeben, daß sie des allergnädigsten Schutzes Eurer Königl. Majestät würdig sein dürsten." Tie dem Berichte beigefügte Huldizungsformel hatte folgenden Wortlaut: „Ihr werdet dem allerdurchlauchtigsten und großmächtigsten König und Herrn Friedrich von Gottes Gnaden König von Württemberg usw. als Eurem nunmehrigen allergnädigsten König, Erblandesfürsten und Herrn an Eidesstatt durch Handtreue feierlich geloben: Seiner Kgl. Majestät in allem getreu, hold und gewärtig zu sein; Allerhöchst deren Nutzen und Frommen zu fördern, Schaden zu warnen und nach bestem Vermögen zu wenden. Ueberhaupt aber alles dasjenige zu tun, was getreue und gehorsame Unterthanen ihrem allergnädigsten König und Herrn zu tun schuldig und pflichtig sind. Auch darauf nunmehr Eure ausrechte und »redliche Erbhuldigung erstatten. Alles getreulich und ohne Gefährde." ■ Hieraus wurde allen männlichen Geschlechts vom 16. Jahre an auswärts die Handtreue abgenommen, und zu dessen Bestätigung haben die Vorsteher namens der beiden Gemeinden dieses unterschrieben." Für Buchau unterschrieben die Vorsteher: „Hirschle Marx und Leopold Einstein im Namen Bernhard Moses, welcher nicht deutsch schreiben kann." Für Kappel unterschrieben die Vorsteher: Abraham Kohn, Kusel Einstein. Für Laupheim unterschrieben die Vorsteher: Samuel Nathan, Vorgesetzter zu Groß-Laupheim. Abraham Jakob Levi, Vorgesetzter zu Klein-Laupheim. Tie in Buchau verlesene und dem Könige, ebenso wie das Gebet des Rabbiners, vorgelegte Danksagung hatte folgenden Wortlaut: ,Hochwohlgeborener Herr Kreishauptmann! In Gottes Allgegenwart und vor dessen Heiligtum haben nun die beiden Judengemeinden in Buchau und Kappel Seiner Majestät dem König von Württemberg, unserem allergnädigsten König, die Pflichten der Unterwürfigkeit und unverbrüchlichen Treue feierlich gelobet. Heilig, wie das von unseren Urvätern ererbte Gesetz Gottes, sol- 249 — len uns allen von nun an die gegen unseren allergnädigsten König angelobten Pflichten bleiben. Euer Hochwohlgeboren als allergnädigst ernannten Huldigungskommissar erstatten hiermit die beiden Judengemeinden Buchau und Kappel den schuldigsten Tank und bitten gehorsamst. Euer Hochwohlgeboren wollen die bädeii Gemeinden der ferneren, allerhöchsten landesvät^rlichen Huld und Gnade Seiner Majestät unseres allergnädigsten Königs und Herrn allerunterthänigst empfehlen." Vom jüdischen Gottesgedanken und von jüdischer Lehre. 1) Ein Gespräch. Nach der Einweihung der neuen „Albcrtquelle" in Bad Mergentheim hatte ich Gelegenheit, folgendes Gespräch mit einem mir bekannten israelitischen Herrn zu führen. Ich stand unter dem Eindrücke der Anrede des Rabbiners und konnte l nicht umhin, meiner Verwunderung Ausdruck!zu? geben. „Hören Sie mal, Herr Levi, der Herr von der israelitischen Religionsgemeinschaft hat soviel von der Güte Gottes gesprochen und die Liebe Gottes so stark betont. Ich kann dies von einem israel. Geistlichen nicht begreife». Ich habe in der Schule gelernt und in der Literatur stets gelesen, daß das Judentum nur einen ,Gott der Rache, des Zornes und der strengen Vergeltung' lehrt." Levi: „Ja, dies ist eine von den zahlreichen irrigen Vorstellungen, welche über das Judentum im Umlauf sind. Wenn Sie aber die Bibel ohne Voreingenommenheit lesen, werden Sie aus jeder Zeile ersehen, daß das „Alle Testament", und auf diesem süßt ja das Judentum, immer die Güte und Liebe Gottes betont. Sehen Sie sich nur das erste Blatt der Bibel an, die Schöpfungsgeschichte, die darstellt, daß die ungeheuer große und wunderbare Schöpfung für das Menschengeschlecht ins Dasein gerufen worden ist. Diesem Gedanken gibt der Prophet Jesaja deutlich Ausdruck (Kap. 45,18): „Ter Ewige ist der Schöpfer des Himmels, Er mächtiger Gott, Bildner der Erde und ihr Gestalter; nicht zur Oede, sondern zum Bewohnen hat er sie gebildet, Ich, "der Ewige, und niemand sonst." Wenn ich Ihnen gar die Ausführungen und Erllärung der großen Literaturwerke, des Talmuds und des Midrasch aussühren könnte, würden Sie in die Welt des Zartsinns, der Feinheit, der Empfindung Einblick gewinnen, welche das ganze Judentum durchweht. Ich will Ihnen ein Keines Beispiel anführen: Ta wird erzählt, daß ein vornehmer Römer, natürlich ein Heide, der sich für das ihm so sonderbar erscheinende Ju-, dentum interessierte, einen Rabbi fragte: „Ihr stelll ja in Eurer Bibel Euern Gott als Dieb