Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- III (1926-1927)
- Issue
- 12 (16.9.1926)
- Date
- 1926-09-16
- Page
- [Seite] (sequence 4)
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- 250 — hin: er schläfert den Adam ein, nimmt ihm in der Betäubung «ine Rippe weg und macht daraus die.Eva. Warum tut er das nicht offen vor Adams Auden?" Noch bevor der Rabbi antworten konnte, mishte sich dessen Tochter ins Gespräch: „Vater, erlaube, daß ich dem Herren antworte." Ter Vater gab es zu. Da holte das Mädchen schncB. ein Stück Fleisch aus der Küche, behandelte es und bearbeitete es vor den Augen des vornehmen Gastes und, als das Fleisch gar war, bot sie es ihm zum Genüsse an. Dieser lehnte aber dankend ab; es war ihm bei der Behandlung der Speise der Appetit vergangen. „Liebst du, Herr," sprach das Mädchen, „>venn der Schöpfer die Frau vor den Augen Adams geformt und gebaut hätte, würde Adam kein Gefallen an ihr gefunden haben." Ich: „schön, Herr Levi, aber fübren sie mir mal einen Vers an, in welchem klar ausgesprochen ist, daß Gott ein liebender und fürsorgendcr Gott ist." Levi: „Nichts leichter als das. Ich will Ihnen den Vers bringen, welchem die christlichen Gelehrten ihre falsche Auffassung vom Judentum entnehmen. Im 2. Buch Mose 34, Ü 7 offenbart Gott selber sein Wesen mit den Worten: „Ter Ewige bleibt der Ewige, mächtig, barmherzig, gewährungsbereil, langmütig, reich an Liebe und Treue; die Liebe tausend Geschlechtern bewahrend, Schuld, Sünden und Missetaten vergebend; aber ganz straflos läßt er nicht ausgehen, er ahndet die Schuld der Väter an den Kindern und .Kindeskindern, am dritten und vierten Geschlechte. Sic sehen, es sind hier dreizehn Eigenschaften der Liebe und Güte offenbart und zwar der höchsten und innigsten Güte und nicht allein für den schuldlosen und guten Menschen, sondern auch für den schuldigen und sündigen Menschen, der sich vergangen hat: für diesen ist Gott „langmütig", vergebend alle Arten von Zünden, unbeabsichtigte und beabsichtigte, einmalige und böswillig wiederholte. Der Goltesname, den ich mit „Ewiger" übersetzt habe, bedeutet Gott, als den für jeden Einzelnen vorsehenden und fürsorgenden liebevollen Vater." Ich: „Aber es heißt doch auch: „straflos läßt er nicht ausgchen, er ahndet die Schuld der Väter an den Kindern usw." Levi: „Ja, soll denn Gott nicht auch gerecht sein? TaS ist ja eine Grundforderung, daß Gerechtigkeit herrsche. Ohne Gerechtigkeit kann ja die Welt nicht bestehen. Wie könnten wir uns das „höchste Wesen" ohne die Eigenschaft der Gerechtigkeit denken?" Ich: „Aber wie kommt dann dieser gerechte G.ott dazu, die Sünden der Vater an den Kindern, am dritten und vierten Geschlechte zu ahnden? Warum sollen die Kinder für die Sünden her Väter und Großväter büßen?" Ich: „Tie Kinder leiden nur dann unter der Sünde der Väter, wenn sie die gleiche Sünde ihrer Väter sortsetzen, aber nicht, wenn sie von dieser Sünde ablassen." Ich: „Steht dies ausdrücklich geschrieben?" Levi: „Gewiß; im zweiten der Zehngebote heißt es (II. B. M. 20,5): „denn ich, der Ewige^ dein Gott, bin ein eifervoller Gott, ahndend die Schuld der Väter an Kindern, im dritten und vierten Geschlechte, an denen, d i e m i ch hasse n." Also nur an^denen, die Gott „hassen", welche also den bösen Weg der Väter sortsetzen und im Hasse gegen Gott verharren." (Fortsetzung folgt.,. Wenn Otto Schlesinger ein Jude gewesen wäre. „Namen sind Schall und Rauch" nur nicht für Judenfeinde. Für sie bedeutet der Name keine Zufälligkeit, sondern einen Wertme ser. Das gilt allerdings nur sür jüdisch klingende Namen. Leistungen sind undcutsch, wertlos, wenn nicht gar schädlich, wenn sie von Menschen stammen, deren Namen jüdisch klingen. Menschen sind Schädlinge, wenn sie einen jüdischen Namen tragen. Wer das Glück hat, Müller oder Schulze zu heißen, ist ein Arier, ein Edeling und damit als edel gekennzeichnet. Er trägt in seinem Namen die Bürgschaft seines inneren Wertes. Wer aber das Schicksal hat, einen jüdischen Namen zu tragen, ist gcbrandmarkt und seine Leistungen sind undeutsch. Nach dieser tief finnigen Methode, Menschen und ihre Leistungen nach ihrem Namen zu bewerten, ist cs nicht ausfallend, daß Judenfeinde jüdische Leistungen als deutsche begrüßen und gar in den Himmel heben, wenn ihre Urheber Hncn unverdächtigen Namen haben. So wird der Baumeister Messel vom „Historiker" Einhart als „deutscher Baumeister" gerühmt; Karl WolsSkehl wird im „Hammer" für seine Uebertragung altdeutscher Texte als „germanischer Künstler" gepriesen; Gundols wird sür seinen „Shakespeare und der deutsche Geist" in der „Deutschen Tageszeitung" begeistert gelobt; Walter Cale wird im „Iungdeutschen" vom II. Februar 1925 anläßlich seines 20. Todestages als „junger deutscher Töchter" sogar mit Goethe verglichen! Aber wehe dir, deutscher Christ, wenn du einen Namen hast, der nach dem Urteil der Judenfeinde jüdisch klingt. Tann bist du rettungslos verdammt und, wenn du auch „strebend dich bemühst" — es gibt sür dich keine Erlösung. Man ist in der antisemitischen Presse so scharfäugig, sogar hinter einwandfreien christlichen Namen den Juden zu entdecken. Hinter Lord Northcliffe verbirgt sich der Jude Stern und hinter D'Annunzio Her „galizische" Jude Rapaport, obwohl der erstcre aus urprotestantischem Adel, der letztere aus altkatholijchem Gesch'echte stammt. Bist du gar ein xoT-