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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1926-07-16 · 8 (16.7.1926) · p. [Seite]

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— 158 — mäß dem Geiste." In derselben Richtung bewegt sich die fantastische Hermetik, die den Menschen nach I. Mose 1,28 zur Erkenntnis der göttlichen Werke und zum Zeugnis der wirkenden Natur geschaffen sein läßt. Ihre Ansicht bildet den Uebergang zu der Auffassung des Judentums vom Zinn des Lebens. Zie beginnt mit dem wuchtigen Gottesworte, daß Gott den Menschen geschaffen, den Boden zu bebauen und ihn zu betreuen (I. Mose 2,15). Tiefes ernste Wort wird durch die Zweckbestimmung für Abraham bedeutsam ergänzt: „Tu sollst ein Zcgen sein und mit dir sollen sich alle Geschlechter der Erde segnen (I. Mose 12,2 3>." Tiefe Zielsetzung findet ihre Krönung in dem nnaitischen Worte: „Ihr sollt mir ein Reich von Priestern und cj» heiliges Bolk werden" (II. Mose 19,6) und in dem Gottesworte: ,Heilig sollt ihr werden, so wie ich, der Herr euer Gort, heilig bin" (III. Mole 19, 2). Von hier aus lassen jidi interessante Beziehungen zu der Auffassung des Ztoikers Panaitios (180—110) erschließen, daß der Mensch „um des Menschen willen da ist, um anderen Menschen nützen zu können." Ebenso bildet das Wort des Talmuds: „Rühme, dich nicht deines Studiums im Gesetze, denn dazu bist du erschaffen worden" eine wertvolle"Parallele zur Auffassung des Aristoteles vom Zinn des Lebens. Tatsächlich knüpft Zalomo ibn Gabirol (1021—1058) unmittelbar an Aristoteles an, wenn er behauptet, daß der Daseinszweck ausschließlich in der Gottesschau zu finden ist. Tiefen Weg hat die jüdische Weltweisheit nicht mehr verlassen. Joses ibn Zaddik erklärt, daß der Mensch um der Weisheit willen d. h. um des Wissens vom Ucberfinnlichen erschaffen worden ist. Tas ist der Gedanke, der schon vor ihm im Midrasch zu den ersten Bibelworten seine Ausprägung gefunden, daß Gort die Welt um der Thora willen geschaffen habe (Genesis Rabba 1,4). In der gleichen Linie bewegt sich der Gedankengang des Bachja ibn Pakuda, der den Zweck der Menschenschöpsung in der Erhöhung des Menschen durch die Erkenntnis seiner Eigenart, durch Gehorsam gegen Gott und durch die Beharrlichkeit im Tulden läuternder Leiden entdeckt. Abraham ibn Taud steht im Menschen den Zinn und das Ziel der Natur. Tas ist auch die Meinung des Maimonidcs, der dabei vielleicht unbewußt ein Jünger des Aristoteles ist, wenn er den Taseinszweck des Menschen ausschließlich im Tenken findet. Chasdai Crescas (1340 1410), der geistige Lehrer Zpinozas, sieht in der Liebe des Menschen zu Gott, die zum Einswerden mit Gott führt, den Zweck der Gollesoffenbarung. Für ihn ist der Zinn der Zchöpfung des Menschen die Verwirklichung der Güte, die Gottes Wesen darstellt. Aber auch er sieht im Menschen wie Abraham ibn Daud den Endzweck der niederen Welt. Den gleichen Gedanken hat Josef Albc» (gest. 1444) mit dem aristotelischen zu verbinden gestrebt, wenn er die Bestimmung des Menschen im Geistigen findet. Auf biblische Gedanken geht Moritz Lazarus (Ethik des Judentums 1,355) zurück, wenn er in der Idee der Heiligkeit das Ziel aller Sittlichkeit und darum den höchsten Zweck des Menschendaseins erkennt, lieber ihn geht Hermann Cohen hinaus, der den Sinn des Lebens in der Erlösung findet, in deren Vollbringung Mensch und Gott Zusammenwirken. Sie will den Friü>en schaffen, die Einheit aller Lebenskräfte, ihr Gleichgewicht und die Schlichtung aller ihrer Gegensätze (Religion der Vernunft 271, 542). Tie Entwicklung des. Problems des Tajeinszweckcs im Judentum bietet bedeutsame Einblicke in die weitere Entwicklung des Hellenismus im Judentum. Sie offenbart die Lebenskraft des jüdischen Geistes, dessen Eigenwert und Eigenwille trotz der engen Beziehung zum Griechentum klar zu Tage tritt. Die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Dettensee. -) Bon Gustav Spier, Haigerloch. 1763 wurde dieser Beschluß dahin abgeändert, daß jedes zuziehende Ehepaar 10 Gulden, ein Fremder, der eine Tettenseer Jüdin heiratet, 5 fl., der Sohn eines Tettenseer Schutzjuden bei seiner Schutzerlangung 3 fl. zu zahlen habe. Der Vor» singer soll von allen Abgaben befreit sein. Als im Jahre 1753 der eben zugezogene Abraham Marx sich weigert, das Einzugsgeld zu zahlen, wird er von dem „krumenen Jud namens Hirsch", der Armenpfleger und Vorsänger war, in den Bann getan. Erst auf Einschreiten des Statthalters wird der Bann ausgehoben. Im Jahre 1763 bestraft die Herrschaft mehrere Juden und verwarnt die übrigen, weil sie sich „in höchst sträflicher Weis erfrecht haben, mit Pferdten, Gaisen und Vieh die Wayd zu gebrauchen, vcrbottene Wege zum Reiten und Laufen zu benutzen, an Sonn und Feiertagen mit Aus^^ henkung allerlay Häuten und Wäschen und.son-^' stigen Zerschiedentliche Ungebühren auszuüben, auch zum Schaden der Gn. Herrschaften und der Unterthanen in großer Anzahl Geflügel zu halten." 1764 sind von den Tettenieer Juden dem Berufe nach: einer Schulmeister (Jakob Weill aus Haigerloch), einer Borsinger (Hirsch Jakob), einer Wirt. Alle andern sind Händler. Als Handelsgegenstände nennen sie: Vieh, Pferde, Kupfer, Leder, Felle, Betten, Kurzwaren, Kessel, Pfannen, Kelsch(?) und „unterschiedliche Waren." Ter Handel wird ihnen sehr erschwert. Am 3. April 1761 wird den Juden vorgeschricben.

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