Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- III (1926-1927)
- Issue
- 7 (1.7.1926)
- Date
- 1926-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
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— 137 — Eine bedeutungsvolle Rede des Führers der zionistischen Bewegung in Berlin und ihre Beurteilung in der Frankfurter Zeitung. Einer Enladung der Zionistischen Vereinigung für Teutschland und des Keren Kajemeth folgend, hatten sich am 16. 6. abends im großen Saale der Philharmonie mehrere hundert Mitglieder der jüdischen Gesellschaft in Berlin eingefunden, um den Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation Prof. Dr. Chaim Weizmann zu begrüßen. Tr. Weizmann führte bei dieser Begrüßung das folgende aus: Vor 8 Jahren erst begann die Arbeit in Palästina in dem jetzigen Ausmaß. Tie Erschütterungen des Krieges sind vergessen, alle Einwohner arbeiten für ein gemeinsames Palästina. Die Administration, die noch vor 4 Jahren auf Zuschüsse aus der britischen Staatskasse angewiesen war, weist jetzt einen Jahresüberschuß von 1200 000 Pfund auf und ist die reichste Administration nach Aegypten. Das ist zum großen Teil unser Geld. Palästina ist auch das einzige Land, das seinen Teil an der Ottomanischen Staatsschuld zahlt. Ein so solventes Land wird natürlich auf dem internationalen Geldmarkt Vertrauen wecken. Das Gesetz über die Palästina-Anleihe wird wohl noch in dieser Session vom britischen Parlament verabschiedet werden. In ganz Palästina, das zwischen zwei Ga rungszentren liegt — im Norden Syrien, im Süden Aegypten - sind 600 Soldaten und 2 Aeroplane stationiert. Die Sicherheit ist auf das Maximum gebracht. Palästina bestreitet die Kosten der Eisenbahn von Kairo nach Jaffa. Seitdem im Jahre 1919 die Grenzen geöffnet wurden, wächst der. Einwandererstrom und er reicht heute eine monatliche Durchschnittshöhe von 2500 bis 3000. Vor drei Jahren noch mußten die mit den Schiffen in Jaffa eintreffenden Immigranten bei Nacht ausgeschifft werden, uns die Bevölkerung nicht aufzuregen. Jetzt bringen ^roße Dampfer täglich Massen von Einwanderern, die in aller Oeffentlichkeit das Land betreten. Die Juden bilden heute schon 18 Prozent der Gesamtbevölkerung. Es ist aber für uns nicht möglich, nur eine Politik der materiellen Tatsachen zu führen, wir müssen die Welt von der Gerechtigkeit unserer Forderung überzeugen. Ich will nicht die Schwierigkeiten verschweigen, aber sie ins richtige Licht setzen. Eine Hauptschwierigkeit ist die Kleinheit des Landes, das nur aus einigen fruchtbaren Tälern und unfruchtbaren Höhen besteht. Unsere Siedlung in den Tälern war über alles Erwarten erfolgreich. Unsere landwirtschaftliche Siedlung kann für alle Länder als Muster gelten. Wenn wir noch zehn Jahre kolonisieren, so wird kein Boden mehr verfügbar sein. Bon der Regierung hätten wir zwei Gebiets teile im Norden und im Süden zu erlangen. Wir könnten vielleicht nur noch 20000 bis 30 000 Familien auf dem Lande ansiedcln. Der politische Schluß wäre: Nach den physi kalischen Gesetzen müsse sich der Arbeitsdruck in Palästina auf Transjordanien und die anderen Nachbarländer auswirken. Transjordanien in zweimal so groß wie Palästina und überaus fruchtbar. Wichtig ist nun die Fortsetzung sried lichen Zusammenlebens mit den Arabern im Lande und der Bevölkerung in den Nachbarlän dern. Die Betonung friedlichen Arbeitswillens seitens unserer Siedler hat dieser Lösung gut vor gearbeitet. Wir müssen nun weiter auf friedlichste Beziehungen zwischen uns und den Arabern in Palästina, Transjordanien und Syriey bedacht sein. Jede Uebertriebenheit, jede taktlos ausgespro chene Forderung, kann die Arbeit auf Jahre vcr zögern. Eine Einwanderung von 40000 Menschen nn Jahre iü für den gegenwärtigen Wirtschastsktzrper des Landes kaum tragbar. Das ist eine bittere Wahrheit, aber sie muß ausgesprochen werden. Die Einwanderung richtet sich nach den Mitteln: wenig Mittel, kleine Immigration. UeVerschwemmung mit Menschen kann Rückschlag und Paralyse zur Folge haben. Unsere Beziehungen zu den Arabern sind geebnet und haben keinerlei Schärfe. Diese Beziehung ist ein Gut, das gehütet werden muß. Alles muß langsam und mit Geduld getan werden. Wir machen den Fehler, daß wir den Engländern unser Temperament aufzwingen wollen, statt von ihnen Geduld zu lernen. Die Engländer haben immer gesiegt durch Warten. Bei unseren jetzigen Mitteln, bei dem jetzigen Stand des öffentlichen Gewissens in der Welch kann durch Ungeduld nichts gewonnen, aber viel verloren gehen. Wir sind in der Welt ein Stück vorwärts gekommen. Jetzt muß man für die Konsolidierung des Erreichten sorgen, bis sich wieder einmal eine Gelegenheit ergibt, einen mächtigen Sprung zu tun. Vielleicht werde ich dieses Neue nicht mehr erleben. Ueber das Kolonisationsprojekt im Hauran äußdrt sich die Frankfurter Zeitung in Nr. 449 vom 19. Juni: Unsere Bemerkung über de Jouvenels Angebot an die Z i o n i st e n, jüdische Kolonien im Hast ran zu begründen, hat der „Jüdische Rundschau", dem Berliner zionistischen Organ Veranlassung gegeben, zu behaupten, de Jouvenels Vorschlag beziehe sich nicht auf das Siedlungsgebiet der Drusen, sondern auf Oedländereien, die fast menschenleer sind. Wenn jemand die Geographie Syriens aus eigener Anschauung kennt, so weiß er, daß angesichts der dünnen Besiedlung des Landes der Begriff „OÄländereien" sehr dehnbar