Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- III (1926-1927)
- Issue
- 7 (1.7.1926)
- Date
- 1926-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
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ist. Mit Ausnahme der dichter besiedelten Küstenstrich« des Libanongebietes und einiger Teile im Innern gibt es im ganzen Lande zahllose solcher „Oedländereien", die aber trotzdem dem arabischen oder dem drusischen Siedlungsgebiet zugerechnet werden müssen; ihre Kolonisierung durch ein fremdes Volk, welches sich mit den politischen Notwendigkeiten der Gesamtbevölkerung Syriens nicht identifizieren kann und will, wird von ihr als ein Eingriff empfunden werden, — besonders wenn dies den „Pazifizierungsbestrebungen" der in Syrien verhaßten französischen Mandatsmacht dienen soll. Daß die maßgebenden zionistischen Kreise zu dem französischen Vorschlag bereits endgültig Stellung genommen hätten, haben auch wir nicht behauptet; da es aber innerhalb des Zionismus Kreise gibt, die die Hauran-Jdee mit Genugtuung aufgegriffen haben, ging es darum, die öffentliche Aufmerksamkeit rechtzeitig auf diese Pläne zu lenken, die — wenn sie realisiert würden — als eine unsaubere politische Machination zu qualifizieren wären. Im übrigen — die Zionisten sind ein bischen verwöhnt; sie verfügen im Abendland über eine verbreitete Nachrichtenorganisafion, der die Araber nichts ähnliches entgegenzustellen vermögen. Sie können sich deshalb an sachkundige Kritik nur schwer gewöhnen. Ten Borwurf des Imperialismus aber werden sie sich schon gefallen lassen müssen. Ihr Ziel ist, unter Berufung auf histofische Rechtsansprüche, die immerhin 2000 Jahre zurückdatieren, gegen den ausdrücklichen Willen der überwältigenden arabischen Majorität ein ,^Jewish Home" zu erfichten. Daß sie dies mit Hilfe Großbfitanniens tun, welches mit der Besetzung Palästinas seine besonderen kolonialpolifischen Ziele verfolgt, verurteilt sie naturgemäß in den Augen der Araber — und in den Augen derjenige^- Abendländer, denen das „Selbstbesfimmungsrecht der Völker" nicht bloß ein Spiel bedeutet. Da die Syrier das palästinensische Experiment aus nächster NLhe zu betrachten Gelegenheit haben, werden sie für eine Erweiterung der zionistischen Aktivität auf den Hauran zweifellos danken. Das neue jüdische Kinderheim in Aufhausen. So haben wir denn in Württemberg ein neues jüdisches Kinderheim! Es war ein glücklicher Gedanke der beiden Damen Lina Nager und Laura Wassermann aus Nördlingen, das nahegelegene Aufhausen mit seiner frischen, unverbrauchten Natur, mit seiner stillen und friedlichen Zurückgezogenheit, seinen den Ort ganz umsäumenden und weit sich hindehnenden Wäldern als Aufenthalts- und Erholungsplatz für jüdische Kinder sich zu ersehen. Hier können die Kleinen den ganzen Tag im Freien sfin; sie können entweder in dem reizenden Gärtchen am Kinderheime spielen oder den schattigen Wald 138 — ausiuchen. Es liegt auch das Häuschen des Kinderheimes so nett eingebettet in die Garten- und Waldkultur! Im Innern schöne, lufttge Räume mit dem Ausblick auf den Wald, sauber und appefitlich gehalten. In den beiden Schlafräumen die Betten in blühendem Weiß, an jedem ein blinkendes Waschgestell. Niedlich und puppig mutet alles an, einladend zu erfrischendem Aufenthalt. Ueberall strömt Waldesluft durch die geöffneten Fenster. Badeeinrichtung und Jsolierraum sind vorhanden und bezeugen, daß die moderne Hygiene volle Berücksichfigung erfährt. Tie Verpflegung ist sehr gut. Wir sahen bei unserem Besuche ein Kind, das in 2 Wochen 4 Pfund zugenommen hatte. Tie Damen leiten das Heim in echt jüdischem, fiadifionelle.n Geiste. Am Sabbath ist es bereits ein Anziehungspunkt für die Oberdörfer jüdische Schuljugend geworden. Tie Damen verstehen sich auf das Kindergemüt und den Kindergeist ganz ausgezeichnet. Sie lesen den versammelten Kindern aus Biene Maja vor, und gespannt lauschen die Kleinen und freuen sich mit den klugen und lieben Menschen, die ihnen neben der Lektüre auch noch etwas Süßes zum Naschen reichen. Eine neue Welt hat sich in dem schon schier vergessenen kleinen Aufhausen aufgetan, die alte Vergangenheit einer einstmaligen jüdischen Kehilla scheint sich wieder etwas zu beleben. Wünschen wir dem jungen Unternehmen, das so mutig und jugendsrisch begonnen, eine recht starke Anziehungskraft. Ein Jeder, der sein Kind in guter Hand, in umsichtiger und liebevoller Pflege, in reiner und stärkender Lust für den Sommer untergebracht haben möchte, sollte es dem freundlichen Kinderheime und seinen freundlichen Verwaltefinnen in Aufhausen getrost zuführen. Tr. K r o n e r, Oberdorf-Bopfingen. Aus den Gemeinden Württembergs. Stuttgart. Am Sonntag, 20. Juni, fand die alljährliche Hauptversammlung! des Vereins Israelitische Waisen- und Erziehungsanstalt Wilhelmspflege in Eßlingen unter dem Vorsitz de« Landgerichtsdtrektors Stern statt. Nach einer kurzen Begrüßung der efichienenen Freunde der Anstalt wurde Kassier Herz Entlastung efieilt. Der Vorsitzende erinnerte noch einmal an den Verlust der Anstalt durch das Hinscheiden der Frau Oberlehrer Rotschild und berichtete, daß deren beide Töchter von jetzt an im Betrieb des Waisenhauses tättg sein werden. Er machte dann Mitteilung von der neueingefichteten Kleinkinder- Abteilung und dem Versuch, Fefienkinder in die Anstalt aufzunehmen. Die ausscheidenden Ausschußmitglieder wurden hierauf sämtlich durch Zuruf wiedergewählt. Kommerzienrat Adolf Wolf nahm Gelegenheit, der Verwaltung und LeiMng des Waisenhauses den Dank der Mitglieder auszusprechen. Die anwesenden Mitglieder nahmen dann mit lebhaftem Interesse an der folgenden Ausschutzsitzung tell. — Der Kassenbericht. der ein anregende« Bild von der Tättgkfit und den Erfolgen des Waisenhauses bietet, liegt gedruckt /