Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- III (1926-1927)
- Issue
- 5 (1.6.1926)
- Date
- 1926-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
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verübt rootben. Der Freyherrl. von Schleitheimischen Beamtung wir) daher hiemit kreisamtlich aufgetragen, der dortigen Gemeinde ernstgemessenst einzuschärfen, daß sich kürtftig Niemand mehr erfrechen solle, dem Judenfricdhof auf was immer fürj eine Art zu mißhandeln, widrigenfalls derjenige, welcher ein solches zu thun sich unterfangen sollte, zur schärfesten Strafe ohne Weiteres gezogen werden wird." Bemerkenswert ist bei dieser Gelegenheit das herzliche Verhältnis zwischen dem Vorsteher Mayer Auerbacher und dem kaiserl. Kanzleirat von Bohusch in Rottenburg. In der Anrede des amtlichen Schreibenbeginnt letzterer mit den Worten: .Lieber Herr Auerbacher"' und schließt dasselbe mit der Unterschrift ,Llhr bereitwilliger Diener Kanzl. Von Bohusch." Nur noch einmal, in der Mitte des vorigen Jahrhunderts ereignete sich ein unangenehmer Vorfall, ein« kleine Störung des Gottesdienstes am Vorabend des Bersöhnungstages. Ohne daß deshalb eine Anzeige erfolgt wäre, hat von sich aus der kach. Ortsgeistliche Ginter ein schöne- Entschuldigungsschreiben an den Gemeindevorstand gerichtet, womit die Sache aus der Welt geschasst war. Die Vorstcher der Gemeinde richteten zu allen Zeiten ihr Augenmerk auf die gewissenhafte Erhaltung der religiösen Traditionen. Religiöse Vereinigungen zur Krankenpflege, zur Versorgung der Armen, zur gegensestigen Hilfeleistung waren 95 - vorhanden. Der Gottesdienst war' würdig und durch genaue Bestimmungen geordnet. Ursprünglich waren auch Rabbiner in Nochstetten angestellt gewesen. So wich zu Beginn des vorigen Jahrhunderts ein Rabbiner Gugenheimer genannt, der von Nochstetten nach Kriegshaber bei Augsburg übersichelte, 1803 Rabbiner Abraham Rafael, und 1780 schon Rabbiner Jakob ben Samuel aus Gailingen. Um diese Zeit lebte auch Rabbi Jehuda, ein großer Gelehrter, in Nochstetten, in dessen Hause die Mutter Berthold Auerbachs, Edel Frank, in ihrer Jugendzeit viel verkehrt hat. Er wohnte neben chrem Elternhause, dem Gasthof zum Ochsen. RabbiMoses Baruch Auerbacher (1726—1802), der Großvater des Dichters, versah die Rabbinatsge» schäfte ohne Entgelt und war bei den österreichischen Behöchen so angesehen, daß er als Vorsteher und Sprecher der Juden von Horb bis Freiburg betrachtet wuche. Er stiftete reiche Schmuckstücke für die Thorarollen in die Synagoge, seine Frau Rees (1731—1804)! einen Vorhang vor die heilige Lade, ein Prachtstück aus rotem, goldgesticktem Samt. In späterer Zeit haben die Rabbiner von Mühringen, Rabbine r Gabriel Adler und besonders Dr. Moses Wassermann, der nachmalige Kirchenrat in Stuttgart, viel Gutes für die Gemeinde Nockstetten getan unb oftmals dort geweilt. Ja, eine Zeitlang schien seines leidenden Zustande« um die Bestellung bemühte, und im Fahrstuhl die Arbeiten beaufsichtigte. Die Ernte an Steinobst war gut, an Gemüsen aller Art reichlich, und wurde, soweit fie nicht in frischem Zustande verbraucht worden ist, sorglich für den Winter konserviert und eingelegt. - Die neu angeschaffte Waschmaschine entspricht vollständig den erwarteten Voraussetzungen. Sie ist nicht allein eine große Erleichterung der Arbeit, sondern auch eine erhebliche Ersparnis an Zeit, Material und Arbeitskräften. Seitdem fie im Betrieb ist, wurde für die Wäsche de« großen Haushalts keine fremde Hilfe mehr genommen. In dem ruhigen Gleichmaß chrer Tage, haben die alten Leute auch manche Abwechslung. Gleich wie die Mitgliederversammlung des Asylvereins im vorhergegangenen Jahre, war ihnen der Besuch des israel. Lehreroereins im letzten Sommer ein Erlebnis. Sie hörten manch gütiges Wort von den Herren, welchen die Anstalt sehr gut gefallen hat. Seit langer Zeit betrachten wir es als ein besonderes Vorrecht, unseren Schützlingen auf Chanukka eine kleine Feier zu veranstalten. Auch im letzten Jahr war dieselbe ein Fest für fie. Nach der üblichen Bewirwng mit Kaffee und Kuchen, bot ein reiches Programm ernster und heiterer Vorträge, um besten Zusammenstellung fich wieder Lehrer Krämer von Heilbronn erfolgreich bemüht hatte, angenehme Unterhaltung. Gütige Spender, zu welchen auch der isr. Frauenveretn Heilbronn gehörte, ermöglichten eS uns, jede« einzelne zu beschenken. Ein weihevoller Abschluß war die Abendandacht mit Entzünden, Gesang und nachfolgender Festpredigt von 0r. Beermann. Aus dem Kreise unserer Pfleglinge ist Herr Ferd. Edelschild in hohem Alter abberufen worden. Er wurde gut gepflegt und hatte eine ehrenvolle Begleitung zu seiner letzten Ruhestätte. Zu unseren Aufgaben gehört auch die Revision des Hausinventars, die wir vor kurzem vorgenommen haben. Da« Asyl besitzt 32 vollständig ausgerüstete Betten und 2 Holzbettstellen mit Rost und Matratzen, außerdem als Sttftung von Herrn und Frau Jsak Israel eine komplette Echlafzimmerrinrichtung mit 2 Betten, die in sehr guter Beschaffenheit sind. In Bett-, Tisch- und Küchenwäsche sind im letzten Jahre erhebliche Neuanschaffungen gemacht worden. Dazu kommt eine hochherzige Sttftung des Herrn Kommerzienrat« Moritz Wolf von 1 Stück weißem Baumwolltuch und 1 Stück weißem Bettdamast, die auf unsere Anordnung sogleich zu 10 Deckbettbezügen und 24 Kopfkiffen verarbeitet worden find. Um wieder für mehrere Jahre eine Grundlage zu schaffen, haben wir bei der neuen Aufnahme nur die ganz guten vorhanden gewesenen Bestände mitgezählt. Das gleiche gilt für da« Speisefilber für Milch- und Fleischspeisen, das auf je 36 Löffel, Gabeln, Messer und Kaffeelöffel ergänzt worden ist. Auch dazu kommt eine Sttftung von ungenannt sein wollender Seite mit 48 sehr gut erhaltenen versilberten Einzelstücken, so daß auch dafür in langer Zeit keine Ausgaben zu niachen sein werden. Wir schließen unseren heutigen Bericht wicker mit der Versicherung, daß wir alle, dir wir berufen sind, für unser liebes Altersheim tättg zu sein, auch ferner bemüht sein wollen, dieser schönen Aufgabe gerecht zu werden."