Mannheim
Compact Memory

Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1926-06-01 · 5 (1.6.1926) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
III (1926-1927)
Issue
5 (1.6.1926)
Date
1926-06-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/4904101-5441798-5442912--0511-4904546
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Tausenden, ja zu Zehntausenden befördert werden sollten. Um die Organisierung der Durchwände rung dieser Unglücklichen hat sich insbesondere Dr. Bernhard Kahn große Verdienste erworben. Die Zusammenarbeit mit der Jca auf diesem Gebiete wurde zum Segen für Hunderttausende. Unbemerkt von der Welt wandertcn in den Jah- bis bis 1913 199 771 jüdische Auswanderer dizrch Deutschland nach Uebersee. Nun hat das Wanderproblem eine Verschärfung dadurch erfahren, daß die Vereinigten Staaten und andere Ueberseeländer ihre Tore gegen neue Einwanderer versperrt oder nahezu versperrt haben. Eine Aufgabe harrt jetzt der Lösung: Wie ist es möglich, die auf einem verhältnismäßig engen Gebiet in Westrußland und Polen zusammengedrängten 5 bis 7 Millionen Juden zu befreien. Wir müssen dies große Problem im Auge behalten. Das ist die Aufgabe v»n morgen und übermorgen. Der Redner schloß mit dem Mahnruf, dem Hilfsverein die werktätig« Treue auch für die Zukunft zu bewahren, damit man auch gegen künftige Gefahren, die ihre stärkste Rückwirkung auch auf die deutsche Judenheit haben können, gewappnet sei. Das Schlußwort sprach der Vorsitzende Tr. James Simon, der nochmals aussprach, daß die Zukunft undurchsichtig sei, da die Judenheit in Polerl und Rumänien noch immer Objekt der Po- 94 — litik sei. In Rußland versuchen Joint und Jca die Judenfrage durch Aufbauarbeit an Ort und Stelle zu lösen, wobei seitens der russischen Regierung alle Unterstützung gewährt wird. Helfen Sie uns durch Beeinflussung der deutschen Judenheit, daß der Hilfsverein der Deutschen Juden seinen Zukunftsaufgaben gewachsen sei. (ITA.) Beiträge zur Geschichte der Juden in Württemberg 3) Die israelitisch« Gemeinde Nordstetten. Von Rabbiner Tr. Schweizer, Horb. (Llblutz.) , Das Verhältnis zwischen Juden und Nicht- Juden war in Nordstetten bis auf den heutigen Tag ein gutes. Nur zweimal während des langen Bestandes der israelit. Gemeinde läßt sich aktenmäßig eine kleine, vorübergehende Störung des Dorffrickens Nachweisen: Einmal, aus dem Jahre 1797, eine Friedhof-Schändung. Auf eine diesbezügliche Beschwerde des Gemeinde - Vorstehers Mayer Auerbacher bei dem österreichischen Landvogt in Rottenburg wurde von dort aus unterm 16. August 1797 mit aller Schärfe vorgegangen. „Es ist uns die beschwersame Anzeige gemacht worden, daß auf dem dortigen Judenfriedhof seit einiger Zeit mehrere muthwillige Exzesse und Gewaltthätigkeiten von einigen Bürgern daselbst Israelitisches Landesasyl. Sonntag, den 6. Juni 1926, vorm. 10* » Uhr, findet im Altersheim in Sontheim die ordentliche Mitglieder- Versammlung des Israelitischen Landes-Asyl- und Unterstützungs-Vereins für Württemberg statt. Um den Mitgliedern des Vereins Gelegenheit zur Befichtigung des Altersheims zu geben, hat der Ausschuß die Versammlung in die Anstalt nach Sontheim einberufen. Der Jahresbericht für die Jahre 1922—1925 gelangt dieser Tage zur Versendung. Es ist aus demselben er- ' sichtlich,, wie sehr auch dieser Verein, der im Jahre 1914 außer dem Anstaltsgebäude noch ein Betriebsvermögen von rund Mk. 180000 hatte, unter den während und nach der Inflationszeit cingetretenen Verhälmissen zu leiden hatte. Einen interessanten und erfreulichen Einblick in den inneren Zustand der Anstalt gibt der nachstehende an den Vereinsvorsrand in Stuttgart gerichtete Bericht für 1925 des zur Beaufsichtigung des Heims in Sontheim waltenden aus Heilbronner und Sontheimer Damen bestehenden Komitees: „Der übliche alljährliche Bericht über unsere Tätigkeit in dem unserer Aufsicht unterstellten isr. Altersheim . in Sontheim steht erfreulicherweise nicht, wie manches frühere Jahr, im Schatten unliebsamer Eindrücke und Erfahrungen, und wir können gleich eingangs desselben versichern, daß wir von unseren Besuchen, mit wenigen Ausnahmen, stets befriedigt gewesen sind. Daß das Haus sauber ist, vom Keller bis zum Dachstock, ist eine Wahrnehmung, die wir machen dürfen, ob wir angemeldet sind, oder überraschend kommen; jederzeit ist auch die überall herrschende Ordnung mu-. sterhaft. Gleiches Lob verdient dir Beköstigung der alten Leute. | Das Essen ist gut, reichlich und mit Sorgfalt zubereitet. Wir kontrollieren unauffällig die täglich geführten Speisezettel, welche allmonatlich auch in Ihre Hände kommen, auf ihre Richtigkeit, lassen uns auch ab und zu Überreste der einzelnen Mahlzeiten zeigen; wenn je einmal darüber Beschwerde geführt worden ist, konnten wir immer feststellen, daß keine Berechtigung dazu Vorgelegen hat. Der gute Gesundheitszustand unserer alten Schützlinge ist der beste Beweis dafür, daß die Ernährung derselben nichts zu wünschen übrig läßt. Eine überaus wohltuende Erscheinung ist das sichtlich bester gewordene Einvernehmen zwischen den Asylanten und der Verwaltung. Wir hören vor allem nicht mehr über verschiedenartige Behandlung klagen. Es liegt wohl auch an der Einsicht der im Hause vorherrschenden befferen Elemente, daß die Kontaktflächen zur Aufnahme von Unzufriedenheit kleiner geworden sind, und wir wollen hoffen, daß sie unter diesem guten Einfluß bald ganz verschwinden werden. Außerdem find alle, welche in pnserem schönen Heim; Zuflucht und Unterkunft gefunden haben, nicht so weltfremd, daß sie nicht wüßten, wie schwierig die allgemeinen Wirtschasts- und Lebensverhältnisse geworden sind, und wie gut und sorgenlos sie es im Vergleich mit vielen Anderen haben, die früher ihren Neid erweckt hatten. Offensichtlich geben auch der Verwalter, wie seine Frau, mit der nötigen Freudigkeit ihrer nicht leichten Arbeit nach. Ebensogut wie die Wirtschaft im Hause geführt ist, wird auch der schöne Garten gepflegt. Es darf besonders hervorgehoben werden, daß der Verwalter, der etwas vom Gartenbau versteht, sich trotz

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.