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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1926-06-01 · 5 (1.6.1926) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
III (1926-1927)
Issue
5 (1.6.1926)
Date
1926-06-01
Page
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Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhete am siebenten Tage. Darum segnete der Herr den Sabbathtag und heiligte ihn" (2. Mose 20, 8—11). Dies Gebot wird in der ganzen Heiligen Schrift als für alle Menschen gültig ausrechterhalten. Jesus, als ,^>er Herr dcks Sabbaths", hat es auf genaueste beachtet (Mark. 2, 28). Ebenso haben die Apostel auch in diesem Stück Gott geehrt. Es ist vor Gott durchaus nicht gleichgültig, wel chen Tag man feiert. Welchen Wert der Herr auf das genaueste Ausleben eines jeden seiner Gebote legt, möge nur eine Stelle besagen: „So jemand das ganze Gesetz hält und sündigt an einem, der ist ganz schuldig". Auf die Jnnehaltung des Sabbaths legt der Herr besonderen Wert, weil er ihn zum „ewigen Zeichen" zwischen sich und seinen Kindern gestiftet hat (2. Mose 31, 16. 17; Ez. 20, 20). Wer immer zum Sabbath Stellung nimmt, muß sich entscheiden, entweder für die Maßgeblichkeit des Wortes Gottes oder die mensch licher Satzungen. Er wird entweder dem Schöpfer die chm gebührende Ehre erweisen oder wird die Machtbefugnis des Geschöpfes über den Schöpfer erheben. Lasse sich darum ein jeder durch den Herrn des Sabbaths mahnen: „Willst du zum Leben eingehen, so halte die, Gebote." Fünfundzwanzigjahrfeier des Hilfsvereins der deutschen Juden. Das 25jährige Bestehen des Hilfsvereins der deutschen Juden, der am 28. Mai 1901 gegründet worden ist, wurde am 16. Mai mittags im Logenhaus,' Kleiststr. 10, durch eine Festversammlung begangen. Der Vorsitzende des Hilfsvereins, Dr. James Simon, begrüßte die Erschienenen und sagte, der heutige Tag bilde einen Markstein in der Geschichte der großen Arbeit des Hilfsvereins. Man wirft den Juden vor, sie betätigen sich international; wir betrachten diesen Vorwurf als Lob. Die deutschen Juden haben die Ehrenpflicht, ihren Glaubensgenossen in anderen Ländern beizustehen, genau wie es Katholiken und Protestanten auf humanitärem Gebiet tun, erfüllt. Das war ihre Kulturmission. Dieses unzerreißbare Band der Wohlfahrtspflege ist unsere Jnternationalltät, ist unser Stolz. Der Vizepräsident des Hilfsvereins, Dr. Paul Nathan, erstattete den Bericht über die Arbeit des Hilfsvereins in den 25 Jahren seines Bestehens. Er sprach zunächst den Dank allen Organisationen, insbesondere der Jca aus, die dem Hilfsverein auf seinem Wege Gefolgschaft geleistet. Die Zukunft liegt im Dunkel. Man muß sich für weitere Schwierigkeiten bereit halten. Darum spreche er die Bitte aus, diese wertvolle Mitarbeit auch in Zukunft dem Hilfsverein nicht zu versagen. Der Redner skizzierte die 25jährige Tätigkeit des Hilfsvereins im Occident und im Orient. In den drei großen Pogromperioden in Rußland trat der Hilfsverein helfend auf den Plan. Er entsandte eine eigene Abordnung, die inmitten der Straßenkämpfe und Schießereien die Hilfe organisierte. Für Pogromverletzte in Rußland und Rumänien wurden 40381000 Mark ausgegeben. Dr. Nathan schilderte seine Erlebnisse auf den Rußland-Fahrten und seine Bcsprcchun gen mit russischen Staatsmännern, insbesondere mit Witte. Das Bild wäre unvollständig, wenn man sagen würde, daß grundsätzlich nur Juden geholfen wurde. Humanität und Klugheit geboten es, daß auch in Not geratenen würdigen Nichtluden Hilfe geleistet wurde. Der Hilssverein sorgte nicht nur für die Gegenwart, sondern arbeitete auch für die Zukunft der Juden im europäischen Osten und' im Orient durch Schaffung von Schulen, in denen die Jugend für den Lebenskampf ausgestattet wurde. Im Orient, insbesondere in Palästina begründete der Hilfsverein rund 50 Schulen und Bildungsanstalten, in die jährlich 7 000 Schüler neu eintraten. In der etwa lOjährigen Schularbeit des Hilssvereins wurden, demnach 70 000 junge Leute ausgebildet. Eine große Reihe Männer hat im Schulwerk des Hilfsvereips Vorbildliches geleistet, in erster Reihe Dir. Ephraim Cohn-Reis. Dieses Schulwerk hatte eine vorbildliche Bedeutung für den gesamten Orient. Der Hilfsverein setzte sich für die deutsche Sprache, einer Weltsprache, «in, während die Zionisten Hebräisch als Unterrichtssprache forderten. Dieser schmerzliche Zusammenstoß ist überwunden. Das Schulwerk des Hllfsvereins ist erhalten geblieben. Die Ereignisse des Krieges und seine Folgen stellten den Hilfsverein vor die Frage, ob es noch möglich ist, im Orient deutsche Schulen zu erhalten. Nüchterne Erwägung gebot es, das Schulwerk in Palästina samt dem Technikum in Haifa den Zionisten zu Übergaben. Wir wünschen chnen, daß sie ihr Schulwerk entwickeln und es den Erfordernissen des Orients anpassen. Mit schwerem Herzen hat der Hilfsverein von seinen Schulen, von dem Haifaer Technikum, für das er ein im Orient einzigartiges Gebäude aufführen ließ, Abschied genommen, aber mit dem Wunsche, daß auch unter dem neuen Regime diese Jnsti-, tute zum Segen der Juden und der Kultur des Orients blühen mögen. Der Redner wandte sich der Hilfstätigkeit auf dem Gebiet der jüdischen Wanderungen zu. Neue jüdische Retter waren in den Vereinigten Staaten erstanden, die den Ruhm für sich in Anspruch nehmen können, auch auf dem Gebiete der Wohlfahrt vorbildlich zu wirken. Ein ungeheures Verdienst um die Ermöglichung der Auswanderung von Juden aus Osteuropa und chrer Ansicklung in neuen Ländern hat sich die Jca erworben. Eine große Belastung erwuchs dem Hilfsverein bei plötzlichen Umwälzungen und Pogromen im Osten, wo auf einmal ostjüdische Flüchtlinge zu

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