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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1926-06-01 · 5 (1.6.1926) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
III (1926-1927)
Issue
5 (1.6.1926)
Date
1926-06-01
Page
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fasser nicht den gesamten Stoff aus den Kirchenvätern und Scholastikern für seine Skizze zu Rate gezogen hat. Hier bleibt einem Nachfolger noch eine bedeutsame Nachlese, die für die Beurteilung der Frage nicht gleichgültig ist. Murawskis Buch verdient aber ganz abgesehen von seinem wertvollen Inhalt, schon wegen seiner menschenfreundlichen Absicht die weiteste Verbreitung. Es wird vor allen Dingen in den Händen christlicher Leser erziehlich wirken. Es stände anders im deutsche» Vaterlande, wenn sich alle christlichen Theologen die Worte des katholischen Moraltheologen Göpfcrl mit Murawskis Zusatz zu eigen machen wollten: „Was den Antisemitismus unserer Tage angeht, so ist er gewiß Sünde, insofern er im Haß gegen die Juden wegen ihrer Religion oder Nationalität besteht; er ist erlaubt, insofern er die christlichen Lehren und Gebräuche oder die Abwehr betrügerischer Ausbeutung zum Zwecke hat" obwohl es zu letzteren Aufgaben keines besonderen Antisemitismus bedarf, da Angriffe gegen das Christentum und betrügerische Ausbeutung ebenso sehr oder noch vielmehr von anderen Seiten ausgehen." Das Buch ist eine unzweideutige Antwort aus die Frage, ob ein Christ Antisemit sein darf. Mu rawskis Schlußfolgerungen gelten für den protestantischen Christen ebenso wie für den katholischen. Gedenke des Sabbattages, daß du ihn heiligest! Unter dem Titel „Zweierlei Ruhetag" schreibt A. Koch aus Tokio in der christlichen Zeitschrift ,LeroÜ> der Wahrheit" (Jahrg. 43, Nr. 2): Sonntag oder Sabbath? Stellen wir uns zur Untersuchung dieser Frage auf die Grund läge alles Glaubens, die Heilige Schrift. Fragen wir uns zunächst: Kennt die Bibel die Sonntags feier? — Das Wort Sonntag kommt in der Bibel überhaupt nicht vor. Schon die Bezeichnung „Sonntag" für den christlichen Ruhetag ist recht auffallend. Ms erhabenes, Bewunderung erheischen des Werk Gottes findet die Sonne des öfteren in der Bibel Erwähnung (Nicht. 5, 31; Ps. 19, 5). Aber es wurde den Kindern Israel und somit allen Menschen bei Todesstrafe verboten, ihr a» betende Verehrung zu erweisen (5. Mose 4, 15 bis 19; 17, 2—5). Unter den heidnischen Greueln im jüdischen Tempel, die der Prophet Ezechiel vom Herrn im Gesicht gezeigt bekam, befand sich auch dieser,' daß 25 Männer, die Aeltesten und der Hohepriester, vor der Tür des Tempels zwischen der Halle und dem Altar die Sonne anbelcten (Ez. 8, 16). Für die Sonnenverehrung verwandten die öct-- den schließlich einen bestimmten Tag in der Woche. Der Sonne brachten sie vor allen andern Gestir nen die größte Huldigung dar, weil sie der Erde den größten Segen spendet. Bekannllich weih» tcn sie jeden Tag einem Planeten (Wandelstern) und benannten ihn auch danach. Sic verfolgten dabei diese Reihenfolge: Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter, Venus, Saturn. Noch heute stimmen die Bezeichnungen mancher Völker für die Wochentage damit überein. Konstantin der Große, „der Verderber des Christentums", war es, der im 4. Jahrhundert nach Christo den „ehrwürdigen Tag der Sonne" zum Reichsfeiertag für Heiden und Christen erhob. Er erließ am 7. März 321 folgendes Gesetz: „Alle Richter und Einwohner der Städte, auch die Arbeiter aller Künste, sollen am ehrwürdigen Tage der Sonne ruhen. Doch können sich die Landleute mit aller Freiheit aus den Ackerbau verlegen. Tenn es trägt sich oft zu, daß an keinem andern Tage Aeckcr und Weinberge so bequem bestellt werden können als an diesem. Es soll also dieser Vorteil, den die himmlische Vorsehung selbst darbietet, nicht bei Gelegenheit einer so kurzen Zeit verloren gehen. Gegeben am Tage des siebten Märzes. Krispus und Konstantin, zum zweiten Male Konsuln." Eine biblische Begründung für die Sonntagsfcicr läßt sich überhaupt nicht geben. Prof. H. Meinhold bekennt in „Sabbath und Sonntag", S. 101, ganz offen: „Tatsächlich hat der Sonntag an sich mit der Religion nichts zu tun." Derselbe protestantische Theologe gcht in der gleichen Schrift auf Seite 106 auch zu, daß „eine Verlegung des Sabbaths auf den Sonntag weder durch Jesus noch seine Apostel bewirkt worden ist." Welche Macht sich aber dieser so ungeheuer solgenschwe ren Verlegung als eines besonderen Zeichens ihrer Allgewalt rühmt, sprach der katholische Priester Vater Enright am 15. Dezember 1889 in seinem Vortrag zu Harlan, Iowa, aus. Er erklärte: „Es war die heilige katholische Kirche, welche den Ruhetag vom Samstag auf den Sonntag, den ersten Tag der Woche, verlegte. Und sie zwang nicht allein jedermann, den Sonntag zu beobachten, sondern auf dem Konzil zu Laodicäa, im Jahre 361 n. Ehr., sprach sieden Bannfluch über alle diejenigen aus, welche an der Beobachtung des Sabbaths des Herrn festhieltcn, und nötigte alle, unter Strafe des Versluchtwerdens, am siebent e n Tage alltägliche Arbeit zu verrichten." Tesungeachtet hat es zu allen Zeiten, wie auch heute, treue Gläubige gegeben, die gemäß der Heiligen Schrift den siebenten Tag, unfern Sonnabend, als den gottgewollten Ruhetag feierten. Das unveränderte Gebot im göttlichen Gesetz lautet: „Gedenke des Sabbathtags, daß du ihn heiligest. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Dinge beschicken; aber am siebenten Tage ist der Sabbath des Herrn, deines Gottes. Ta sollst du kein Werk tun, noch dein Sohn noch deine Tochter noch dein Knecht noch deine Magd noch dein Vieh noch dein Fremdling, der in deinen Toren ist. Denn in sechs Tagen hat der Herr

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