Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- III (1926-1927)
- Issue
- 4 (16.5.1926)
- Date
- 1926-05-16
- Page
- [Seite] (sequence 3)
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Aufhebens davon zu Tragik ihres Elends, schreibe, diese Dinge leiden, bluten, ohne viÄ machen. Das ist die große Wozu ich diese Zeilen erzähle, die doch jeder weiß und keiner wissen will? In der Hoffnung, daß sich doch ein paar hundert Menschen oder nur zehn oder auch nur einer bekehren wird und zurr Retter werden will an den Gequälten? Ich Hube wenig Hoffnung, daß dies geschehen wird. Al er ich mußte einmal von diesen Dingen sprechen, die heute die größte und marternde Qual des sozialen Arbeiters sind, den sie zur Hilflosigkeit verdammen und vielleicht darum, weil die Bitterkeit, welche diese stets Tage und Nächte währende Qua erzeugt, eben auch einmal nach Worten ringt. Und vielleicht, weil ich )och ein wenig, ein ganz klein wenig Hoffnung h, be, die Menschen von heute aufzurütteln und ihnen das Elend zu weisen, an dem sie vorübergehen, weil es lächelt." Vielleicht, vielleicht! Zurzeit muß Jsr das Stuttgarter sorgeamt für 37 Einzelpersonen, zuso Menschen sorgen. Die sorgeamtes ist leer! Armen sterben und ve aelitische Für- Familien und 10 mmenfür 167 Kasse des Für- Sollen unsere derben? Am Mittwoch wird im Gl tteshaus die Gottes verkündet werden: hier aber den Armen und wer den Armen cht stille stehen beim Mahnung zur Nächstenliebe Du sollst nicht morden — , beschämt, vergießt sein Blut"' hungern läßt — ,chu sollst n Blute deines Bruders!" „Ein jcker gebe nach Maßgabe seiner Kraft, nach dem Segen, den der gegeben hat (S. Mose 16, 17)!" Das wäre eine Festfeier, an der Gott sein Wohlgefallen hat. Die Aufgaben der jüd^ischen Zugend. Bon Rabbiner Dr. I. C p h n, Stuttgart Der Tod der Frommen hat eine sühnende Kraft, so sagt ein alter Lehrer in Israel. Darum schließt sich an die Schilderung des Todes der Söhne Arons die Beschreibung des GotteÄ»ienstes am Versöhnungstage an. Wir finden sie in dem Thoraabschnitt Achare moth, der zusammen mit dem Abschnitt Kedoschim in: den Gotteshäusern Israels zur Verlesung gelangt; Am Bersöhnungstage vollzog der Hohepriester! selber alle Funktionen. Er hatte eine dreifache Sühne zu bewirken: für seine eigene Person, für! fein Haus und die ganze Gemeinde Israels. A^s dem Geiste vergangener Bräuche dringen ernste Mahnungen für die Gegenwart an unser Ohr. Sie geben auch den Bestrebungen unserer neu erwachenden Jugend Richtung und Ziel. „Er sühne sich selbst." Wie ij t es mit unserer Ju gend? Von den einen wird andern getadelt, von den einen ie gelobt, von den für besser, von den andern für schlechter erklärt als die Jugend ver gangener Tage. Man darf wohl sagen, im wesentlichen ist sich die Jugend glqich geblieben, ist die heutige Jugend nicht anders als die frühere. Die Natur des Menschen ändert sich nicht, wohl aber unter dem Einflüsse äußerer! Erlebnisse seine Art. Auf unsre Jugend haben > die Leiden des Weltkrieges eingewirkt. Unter ihran Einflüsse sind die einen ernster und besser gewo gen, di« andern leichtfertiger und schlechter, wenn nicht gar verwahrlost. Es ist sicherlich der erniere und bessere Teil unserer Jugend, der sich arf der Bahn der Selbsthilfe gegenüber den Fäuli liserscheinungen der Gegenwart bewegt. Möge er in seinem Eifer und in seinen Anstrengungen nicht Nachlassen, um die Taten der andern zu führ en, um auch sie für ein reineres und höheres Lben zurückzugewinnen. | „Er sühne sein Haus." In diesen Worten liegt ein Hinweis auf den zweiten Ar sgabenkreis unserer Jugend. Das jüdische Haut hat seine Bedeutung als PslanzsÜtte religiöse r und sittlichen Empfindens immer mehr verloren. Auf dem Fortbildungskursus für die Rabbiner und Religionslehrer Württembergs, der seinen Abschluß gefunden hat, wurde der Sorge lierüber wiederholt Ausdruck gegeben und 'auf die Gefahren hingewiesen, die sich aus dieser beklagenswerten Erscheinung für das Leben des einzelnen Juden und der jüdischen Gesamtheit ergeben. Das ältere jüdische Geschlecht in Deutschland ist kaum noch willens und fähig, der alten Forderung gerecht 'zu werden: wehigadta lebincha: Dp sollst deinem Kinde von der Bedeutung, des Judentums in der Vergangenheit und von den Pflichten für Gegenwart und Zukunft erzählen. Nun Herrn: so möge umgekehrt von den Jungen auf die Alten eingewirkt werden; möge von unsrer Jugend der Geist des Judentums in das Elternhaus zurückgetragen werden, aber in der Weise, wie sie dem jüdischen jungen Menschen besonders ansteht, ohne die Untugenden, die man so oft dem heutigen jungen Geschlecht zum Borwurf macht und als eine unangenehme Begleiterscheinung der Jugendbewegung anzusehen geneigt ist, ohne Selbstüberhebung, in sorgsamer Beobachtung der nie erlöschenden Pflicht kindlicher Bescheidenheit und Ehrerbietung. _ „Er sühne die ganze Gemeinde Israels." Die Gesamtheit des jüdischen Lebens in Deutschland ist gekennzeichnet durch den Kampf her Parteien. Wäre es lediglich ein Kampf um geistige Werte und in gebührender Weise geführt so brauchte er nicht beklagt zu werden. Auch >ie Schriftgelehrten in Israel haben um die wah ce Erkenntnis miteinander gerungen und gekämpft Aber es ist ein andres um den Kampf zwischea Hillel und Schammai und um den Kampf, der Korach und seine Genossen gegen Mose führt in. Auf die Beweggründe des Kampfes kommt es an, auf die Mittel, mit denen er geführt wird. « Je edler, je