Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- III (1926-1927)
- Issue
- 4 (16.5.1926)
- Date
- 1926-05-16
- Page
- [Seite] (sequence 4)
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heiliger die Beweggründe, je reiner die Mittel, desto eher kommt die Verständigung, kommt der Fricke, desto eher erzeugt der Kampf Gutes und Nützliches. Traditionsgläubiges, freies und nationales Denken ringen heute um die Palme im deutschen Judentum. Tie Geister entfremden sich immer mehr, die Zerrissenheit wirtr immer größer. Sollte die Erklärung hierfür nicht darin liegen, daß die.Beweggründe des Kampfes nicht mehr den Charakter des Edlen und Heiligen tragen und daß er mit unzulänglichen und untauglichen Mitteln geführt wick? Wenn ich sage, daß auch hier die Jugend helfend, sühnend eingreifen muß, so wird man leicht verstehen, was ich meine. Wirk liche Liebe zum Judentum muß der Beweggrund des Kampfes sein, und die Kenntnis des Juden tums das Mtttel, mit dem er geführt wird. Mit der Kenntnis des Judentums kommt auch die Licke zum Judentum. Und darum muß die jüdische Jugend vor allem das Judentum erlernen, um später einmal im Judentum und für das Judentum besser und gewissenhafter zu kämpfen, als es in dem unfruchtbaren und unheilvollen Kampfe der Gegenwart geschieht. Später einmal! Nicht im Kindesalter, nicht in der Zeit, wo der Mensch noch unreif und in der Entwicklung begriffen und der Kampf infolgckessen von vorherein nicht am Platze und unsinnig'ist. Nicht die politisierten Jugendbünde, die — bedauerlich genug — von den Erwachsenen als Vortruppen für ihre eigenen Anschauungen benutzt werden, nur die allgemeinen (besser diese Bezeichnung als die Bezeichnung „neutraler jüd. Jugendbund") können der Aufgabe gerecht werden, ein besseres Kampfgefchlecht für den Geisteskampf Israels heranzubilden. Kenntnis des Judentums und Achtung vor ,eder aus ehrlicher Arbeit erwachsenen Anschauung sei der Wegweiser für ihre Arbeiten. Groß und schwer sind die Aufgaben, die heute auf unsrer Jugend lasten. Sie hat vieles zu sühnen, was andere schlecht machen. Möge sie auf rechtem Wege geleitet wecken, damit das Juden tum seiner Bestimmung dienen kann, ein Reich von Priestern und ein heiliges Volk zu sein. Beiträge zur Geschichte der Juden in Württemberg 2) Tie israelitische Gemeinde Nordstetten. Bon Rabbiner Dr. Schweizer, Horb. Tie isr. Schule in Nordstetten, die nach Frank furter noch tüchttge anerkannte Pädagogen, wie Schmal, der spätere Lehrer in Ludwigsburg und langjähr. Vorsitzende des Isr. Lehrervereins, Strauß usw. leiteten, ist im vorigen Jahrhundert noch eingegangen. Wohl waren noch die Lehrer Erlckacher, Heß, Grünfeld, Wochenmark, Ottcn soser in der Gemeinde tätig, aber nur als Reli gionslehrer und Vorbeter. Aus dem Schoße der Gemeinde selbst sind zwei 70 — hervorragende Lchrer hervorgegangen, die aber auswärts ihre Anstellung gefunden haben: 1. Karl Kahn, Schullchrer zuerst in Mühlen, dann in Baisingen, dessen Name heute noch im Schwarzwald einen guten Klang hat, der Vater der durch ihren tief ausgeprägten Wohltätigkeitssinn weit über die schwarzroten Grenzpfähle hinaus bekannten Brüder Seligmann und Sigsrick Kahn (sei. Oberkirchenvorsteher) in Stuttgart; Und 2. Emanuel Rothschild, zuerst Schullehrer in Freudenthal, dann Sekretär der König!. Israelit. Oberkirchenbehörde in Stuttgart, als welcher er heute noch in allen jüd. Kreisen in gesegnetem Andenken steht. Zum Rabbiner hat es kein Nordstetter Gemeindekind gebracht. Einmal nur war der Ansatz gemacht worden, aber er ist nicht geglückt. Kein geringerer als B e r t h o l d A u e r b a ch ist es gewesen, der zu diesem heiligen Berufe bestimmt war. 1525 bezog Auerbach die nächstgelegene Talmudschule des Rabbi Nathan Reichenberger, das 1803 gegründete Lehrhaus in Hechingen, eine fromme Stiftung des als Hofbankier angesehenen RaphaelJakob Kautla und seiner Schwester Kaulla, der Frau des Akiba Auerbacher, dessen Wiege in Nordstetten stand. Nicht lange blieb Aueckach in Hechingen. Zur Aneignung der erforderlichen akademischen Bildung begab er sich nach Karlsruhe. Dort konnte er seine theologischen Studien fortsetzen und zugleich als Hospitant das Lyreum 'besuchen. Beinl Rabbiner Willstädter, einem akademisch gebildeten frommen Gelehrten, lernte er im Jahre 1827 Später begab er sich nach Stuttgart und Tübingen. Tort, in Tübingen, war es, wo seine Absicht, Rabbiner werden zu wollen, jäh vereitelt wucke. Er hatte den Frevel begangen, das Burschenleben in der Tübinger „Germania" harmlosmitzumachen. Im März 1833 ließ sich stud. theol. Berthold Auerbach vom Tübinger Stadtdirektor den Reisepaß nqch München ausfertigen. In der daher. Hauptstadt wurde er aus Befehl des hohen Bundestages als Burschenschafter Vereinsanzeigen. Israel. Waise«, und Erziehungsanstalt „Wilhelmspflege" Eßlingen. Die Mitgliederversammlung findet am Sonntag, 20. Juni vorm. 11 Uhr im Gemeindehaus Stuttgart, Hospitalstraße Nr. 36part. statt. Tagesordnung: 1. Vorlegung des Rechenschaftsberichts und Entlastung des Kassiers.^ 2. Neuwahlen für die im Turnus ausscheidenden Mitglieder. 3. Verschiedenes. Der Vorstand.