Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- III (1926-1927)
- Issue
- 2 (16.4.1926)
- Date
- 1926-04-16
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4904101-5441798-5442906--0441-4904479- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Anzeige mit einem gemeinschaftlich von den Kreisdepukirten, und dem Kreis- oder Oberrabbiner unterfertigen, jedoch ungestempelten Zeugnißzettel zu erproben haben: daß der den bestimmten Familiennamen mit dem besonderen Vornamen angenommen, jedoch von dem bestimmten Geschlecht herstamme. Mit dem 1. Jänner 1788 müssen die Beschneidungs- und Geburtsbücher ohne Ausnahme in teutscher Sprache geführt werden — dann alle Geborene, Gestorbene und Getraute eben nicht anderst als mit den teutschen Vor- und ihren auf immer bestimmt angenommenen Geschlechtsnamen eingetragen werden." Dieser Kaiser!. Verordnung gemäß haben die Juden von Nordstetten nun ihre festen Familiennamen angenommen und sich mit diesen in die Standesregister eintragen lassen. Ein Verzeichnis von dem Ober- und Kameralamt Horb (Landvogtey am mittleren Neckar) über die in Nordstetten befindlichen Judenfamilien, die das ganze Schutzgeld zu bezahlen hatten, aus dem Jahre 1812 enthält folgende Namen: 1. Mayer Auerbacher Barnas(-Borsteher), 2. Mayses Juda Ochs, 3. Moyses Frank, 4. Abraham Frank, 5. Herz Rothschilt, 6. Moyses Rochschilt, 7. Mayer Rothschilt, 8. Moyses Jsak Rothschilt, 9. Elias Levi, 10. Emanuel Frank, 11. Löw Auerbacher, 12. Markus Auerbacher, 13. Herz Ottenhcimer, it. Samuel Auerbacher, 15. Emanuel Auerbacher, 16. Samuel Frank, 17. Leopold Jsak Kuhn, 18. Tobias Weil, 19. Hirsch Gideon, 20. David Gideon, 21. Moyses Ochs, 22. Jakob Auerbacher (Vater des Dichters), 23. Jakob Roth schilt, 24. Mayer Ottenhrimer, 25. Leopold Ottenheimer, 26. Emanuel Rochschilt, 27. Abraham Rothschilt, 28. Emanuel Mayer Rochschilt, 29. Mayer Emanuel Rochschilt, 30. Herz Abraham Ottenheimer, 31. Emanuel Levi, 52. Jsak Leopold Kuhn, 33. Abraham Ochs, 34. Seeligman Kahn. Das Schutzgeld hatten nur zur Hälfte zu zahlen: 1. Moyses Gideon, Vorsinger, 2. Mayer Weil Schulenklopfer, 3. Maria Weil Witwe. Vom Schutzgeld befreit waren: 1. Abraham Ottenheimer, 2. die Witwen, die keine eigene Haushaltung führen und teils von ihren Verwandten, teils von' der Judenschaft unterhalten werden: Salomon Kahn Witwe, Sara Seeligman Witwe, Rebekka Beit Witwe, Monika Frank Witwe, Eva Simon Levi Witwe, Friderika Johan Levi Witwe, Helena Juda Ochs Witwe, Veronika Jsak Rothschilt Witwe. Die israelit. Gemeinde Nordstetten erbaute im Jahre 1767 chre noch jetzt erhaltene, 1839 vergrößerte Synagoge. Der Verkauf der Synagogenplätze war eine lukrative Einnahme für die Gemeinde. Mit Erlaß vom 11. Juli 1767 gab das Oberamt Horb -der Gemeinde die Erlaubnis mit dein» Bau fortzufichren und chn zu vollenden. 1780 erwarb, die Gemeinde einen eigenen, eine halbe Viertelstunde südlich vom Dorf gelegenen 27 - Friedhof. Bocher hatten die Nochstetter Juden ihre Toten auf dem idyllisch m Walde gelegenen Mühringer Friedhof begrabe», der ältesten jüdi schen Begräbnisstätte des Schwarzwaldkreises, auf der nach unanfechtbaren Zeug» issen im Archiv der Frecherrn von Münch die Juden der Umgegend ihre Toten schon seit der Mitte des 16. Jahrhunderts begraben durften. Von großem Interesse ist die Gründung der israelit. Volksschule in Nordstetten, der ersten im ganzen Württemberger Landen Durch den Preßburger Frieden 1805 war Nordstetten württembergisch geworden. Die württembergische Regierung führte zunächst den bisherigen Zustand des Schutzverbandes der Jüdin fort, suchte aber doch allmählich die J»»den vom Handel abzu bringen und erzieherisch auf »ie jüdische Jugend einzuwirken. Den Unterricht hatte bisher der Bor beter und Beglaubigte der Gemeinde, Moses Gi deon gegeben, ein Elsäßer, der in Nordstetten al» Vorsänger und Schächter angmellt war. Als er gestorben war, wurde das Schulwesen neu geordnet. Es war das Verdienst des damaligen G e meindevorstehers Rothschild, daß er Ernst machte mit der Erziehrmg der Kinder im deutschen Geiste u»»d nicht ruh te, bis die israelit. Kinder desselben Bildungsganges teilhaftig wurden wie die Kinder der christlichen Schulen. Am 28. März 1822 besprach er de» so wenig besnedi genden Zustand der Unterrichtsanstalten in der Gemeiitde und stellte den An rag, zu den Melaindim (Lehrer des Hebräische») noch einen Bachur, einen jungen lckigen Leh er, zu dingen und das Gemeindezimmer als Lehrz mmer zu benutzen. Im Schwäbischen Merk» r Nr. 144 v. 16. Juni 1822 wurde nun — j um erstenmal in Württemberg — die Stelle ei »es geprüften isr. Lehrers mit einem Gchalt von 50 Gulden, freier Kost, Logis und Wäsche, ausgeschrieben. Es mel deten sich 5 Kandidaten: H. Erl enger von Schluch tern, Michael Hirsch von Eppi igen (aus Niederstetten stammend), D. Schweizer von Weikersheim, Meier Bonum Fröhlich von St »ttgart und Bernhard Frankfurter von Ktlshau er». Letzterer, ein Sohn des Rabbiners Frankfurter in Oberdorf bei Bopsingen, ein feinsinnig gebildeter Herr, hat den Sieg davoirgetragen. 'Er ist stolz darauf, daß die Gemeinde ihm „chre gröften Schätze, ihre Jugend" anvertraut. Scin jüd.< talmudisches Wissen hat er sich bei dem Rabbin<r Moses Hochheimer in Ansbach angeeignet, se ne deutsche Prüfung hat er bei dem Kgl. Evc ng. Konsistorium in Stuttgart abgelegt. Der Lehrer war noch ein Jüngling von 21 Jahren und hatte bisher in drückender Not gelebt. Bon seinm 13. Jahre an mußte er als Talmudschüler in Ansbach das harte Brot der Freifische essen. Im Hungerjahre 1817 versagten selbst die Freittß se, und der arme Talmudist schlug sich als Haussehrer in Kriegshaber bei Augsburg, später in Aufhausen durch.