Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- I (1924-1925)
- Issue
- 12 (15.3.1925)
- Date
- 1925-03-15
- Page
- Seite 273 (sequence 3)
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abzuhelfen und den Wunsch des Leserkreises zu erfüllen, daß die Zeitung in kürzeren Zwischenräumen zur Ausgabe gelangt. Die «emetndezettuuerscheint vom 1. April an allmonatlich zweimal am ».«♦ IS. jede« Monats. ohne daß trotz der erhebliche» Mehrkosten der bisherige Bezugspreis erhöht wird. Damit wird eS möglich, die Berichterstattung der Ereignisse wesentlich zu beschleunigen und vor allem Vereins- und Familienanzeigen rechtzeitig zur Kenntnis der Leser zu bringen. ES ist Verlag und Schriftleitung der Gemeindezeitung Bedürfnis, ihren Lesern und Mitarbeitern für ihre Treue zu danken. Sie wiederholen dabei ihre Bitte, daß sich alle im Lande vorhandenen Kräfte zur Förderung des jüdischen Lebens in Gottesdienst, Schule und HauS in den Dienst der idealen Aufgaben der Gemeindezeitung stellen. Die Mitarbeit aster bewußten und bekenntnistreuen Juden ist dazu unentbehrlich. Mögen sie alle diesem Mahnrufe entsprechen! Berlag und Schristlritung der Ge«ri»dezrit»«z für die israelitische« Gemeinden WürtiemdrrgS. Aus dem Schriftfchatze Israels. Psalm 42. Ich schreie bittend auf zu Dir, mein Gott, Und stöhne betend vor Dir auf, mein Herr, Der Seele Jammer offenbare ich Und künde Dir die Größe meine- Wehs. Wenn-meine Seele fast verzweifeln will. Du weißt den Grund, Du kennst ja mein Geschick: Allüberall sind Schlingen mir gelegt — Schau hierhin, dorthin, keiner kennt mich mehr. Es ist kein Ort dem Flüchtigen zur Rast KeinMensch gewährt mir Schutz an seinem Herd. Du bist mein einziger Freund, der letzte, der mir lebt. Mein Angstschrei sucht Dich, ich bin sterbensmatt. Und der Verfolger ist mir auf der Spur — Herr, sprenge meine Ketten, nimm die Last von mir, - Ich dank es Dir. Hilf, Herrgott, mir zum Sieg, Und siegreich trägt das Recht den Ehrenkranz! Beiträge zur Geschichte der Juden in Württemberg und Hohenzollern. Die Sude« i« Haigerloch. Schon im 16. Jahrhundert haben sich Juden in Haigerloch niedergelaffen. 1546 wurde der Junker Jakob von Freiburg mit einer Geldstrafe belegt, weil er mit „gewertet Hand" vor das Haus des Juden Maier zu Haigerloch gekommen und ihn in der Nacht herausgerufen. 1548 wird nach einer erhaltenen Renteirechnung der Judentribut verrechnet. 1566 wird der Jude Irin Schmei (Schemajah) zu Haigerloch genannt. 1572 werden drei Juden zu Gruol (Schmai, Mendle '«^»»WWWWWWW»»WWWWWWWW 273 — und Abraham) und ein Jude (David) zu Zimmern erwähnt. Aus derselben Zeit stammt ein Grabstein auf dem alten Friedhof zu Haigerloch, der die Jahreszahl 1576/7 trägt. (Johann Pfeiffer in Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde in Hohenzollern XX. 103 f). Dann schweigen die Nachrichten über die dortigen Juden bis 1653. Damals beschloß der Rat zu Rottweilden in Offenburg, Sttelingen (Schweiz), Hechingen und Haigerloch wohnenden Juden den Handel in der Stadt zu erlauben. (H. Robert Klein, Beiträge zur Geschichte der Juden in Rottweil S. 36). Ein Schutzbrief für die Juden zu Haigerloch aus dem Jahre 1701 ist die älteste erhaltene Urkunde. Die Haigerlocher Bürger fürchteten aber die jüdische Konkurrenz und baten 1717 und 1720 die fürstlichen Behörden, den Juden den tausierhandel zu verbieten. Ein vom Fürsten nedrich Ludwig' im Jahre 1735 gewährter Schutzbrief erteilt ihnen trotzdem weitgehende { HandA-erlaubniS, von der allerding^der Handel mit Stahl, Eisen, Leder, Tabak, Salz und Salpeter ausgenommen war. Es wird ihnen freie Religionsübung zugrsagt. Als Sckmtzgeld wird ihnen für jeden Haushalt eine Jahressteuer von zehn Gulden auferlegt. Der Schutzbrief sollte immer nach Ablauf von zehn Jahren erneut und für die Erneuerung eine Abgabe von 150 Gulden gezahlt merden. Im Schutzbrsef des Jahre- 1745 wird ermähnt, daß die Juden neben den Abgaben der übrigen Untertanen ihre Juden steuern zu entrichten haben. Al» Freund der Juden wird Fürst Joseph Friedrich nach alter Überlieferung gerühmt. Sein Hofjude Samuel Hochstetter, den ferne Glaubensgenoffen „Haagfchmul" nannten, soll bei ihm ,n hoher Gunst gestanden und mancherlei Vergünstigungen für die Haigerlocher Juden erwirkt haben. Eine von Fürst Joseph erlaffene Verfügung au» dem Jahre 1748 gibt den Haigerlocher Bürgern daS Recht, von Juden gekaufte Häuser wieder auszulösen. Eine Verfügung von 1767 verbietet sogar den Verkauf von Häusern an Juden. Eine Aufzeichnung deS Stadtschultheißen aus den Jahren 1764 und 65 nennt Jakob Weill, Veith Hilb, Hirsch Weil, Seligmann Jsacg. Jtzig und Herschel Hilb, Schlaume Hilb, Drtt Joseph Hilb, Söligmann, Jsag Hirsch, Mayer, Hagmann, Borich und Salomon Weill (?) und den „Vorsinger". Erst der Schutzbrief des Fürsten Karl Friedrich von 1780 führt zur Gründung des Judenviertels im Haag. In der Absicht, die Juden „vonder Bürgerschaft abzusondern", wirdbestimmt, daß der Fürst im Haag Wohnungen für zehn jüdische Familien errichtet. Das Geld zum Bau wird von der Judenschaft aufgebracht und zwar al» ein Teil der für die Gewährung des SchutzbriefS zu zahlenden „Recognition". Sobald ^der