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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1925-03-15 · 12 (15.3.1925) · p. Seite 274

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
I (1924-1925)
Issue
12 (15.3.1925)
Date
1925-03-15
Page
Seite 274 (sequence 4)
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VW Bau vollendet ist, müssen die Juden, die bisher bei Bürgern zur Miete gewohnt haben, in den Haag ziehen. Ausgenommen find die Juden, die eigene Häuser „in der Stadt" besitzen. Sollte ein Jude ein Haus in der Stadt kaufen, so hat jeder Bürger das Recht, dieses Haus gegen Erstattung der Kaufsumme an fich zu reißen. Der Fürst verspricht, einem Sohne aus jeder jüdischen Familie den Schutz zu gewähren, mit der Einschränkung, daß die Zahl der jüdischen Familien zwanzig nicht übersteigen darf. Als Miete hat jede Familie acht Gulden, als Schutzgeld sechzehn Gulden zu zahlen. Juden, die mit der Zahlung im Rückstand find, sollen vor das Oberamt geladen und, wenn sie auch dann nicht zahlen, innerhalb 24 Stunden über die Grenze verwiesen werden mit der Verwarnung, das Fürstentum nie wieder zu betteten. Der Judenschast wird gegen eine jährliche Abgabe von dreißig Gulden die Errichtung einer eigenen„Metzg" erlaubt. Auch soll ihnen später ein Bauplatz zu einer Synagoge und ein Begräbnisplatz angewiesen werden. Im Interesse der christlichen Metzger nnd der Gerbe^unst wird bestimmt, daß jeder Schutzjude jährlich höchstens zwei Stück Großvieh und zwei Stück Kleinvieh für dm eigenen Haushalt schächten darf. Das Fleisch der Hinterviertel muß den Haigerlocher Metzgernzum Kauf angebotenwerdm. Erst wmn diese auf das Fleisch vernichten, dürfen es die Judm im Kleinverkauf absetzm. Dieselbe Bestimmung gilt für die Häute der geschächteten Stiere. Diese Bestimmungen klingen weniger romantisch als die noch heute in Haigerloch lebendige Sage über die Entstehung des Judenviertels im Haag. Nach dieser soll sich ein Fürst von Sigmaringen in eine Jüdin verliebt und fie zur Frau genommen haben. Die junge Fürstin fühlte sich aber in ihrem Schlosse nicht glücklich. Sie sehnte sich nach ihren Glaubensgenossen so sehr, daß sie erkrankte. Nach langem Fragen erfuhr der Fürst von ihrer Sehnsucht und beschloß, sie zu stillen. Er errichtete in Haigerloch auf dem Hügel, den man den Haag nannte, ein Schloß, in dem er mit seiner Gemahlin fortan wohnte. Rings um das Schloß aber fiedelte er Juden an, so daß die Fürstin inmitten ihrer Brüder wohnte. So sei die Äudengemeinde in Haigerloch und das Judenoiertel im Haag entstanden. Die Stimmung der Haigerlocher Bürger bleibt auch in der Folgezeit den Juden wenig günstig. Sie bitten allerdings erfolglos 1792, die Zahl der. jüdischen Familien und ihre Handelserlaubnis zu beschränken. 1795 beschließt die Stadt den Juden kein Holz aus dm städtischen Waldungen abzugeben. Sie wird aber vom Oberamte angewiesen, diesen Beschluß aufzuheben. Auch die Eingabe „Verordnung zu tteffen, daß die Stadt mit Juden nicht allzusehr überhäuft und durch sie am Ende in das äußerste Elend und sichere Verderben gestürzet werde" wird abschlägig beschiedeu. Die Zahl der jüdischen Familien steigt auf 30 (oder 36), die eine eigene politische Gemeinde bilden. Der „Juden - Bamas" ist zugleich Schultheiß des Haag. In den beiden letzterwähnten Schriftstücken werden der Bamas Veit Hilb und Jakob Weill, 1836/37 der Schultheiß Levi genannt. Die Gemeinde hatte einen Betsaal im Hause eines Juden in der Oberstadt, bis sie eine eigene Synagoge, erbaut hat. Der neue Friedhof ist 1803 dicht bei der Siedelung angelegt worden. Die Gemeinde war dem Rabbinat Hechingen angeschloffen, bis sie 1820 Raphael Zivi als Rabbiner für Haigerloch und Dettensee anstellte. Ihm folgte 1836 der Freund und Studiengenoffe Berthold Auerbachs, Meier Hilb, der in der Stalmudschule zu Hechingen, im Lyzeum zu Karlsmhe und auf den Universitäten Heidelberg und Tübingen studiert hatte. Er hat sein Amt bis 1880 versehen. Währmd seiner Amtszeit wurde 1843 die Württembergische Synagogenordnung in Haigerloch und Dettensee eingeführt. Hilbs Nachfolger im Rabbinate waren Dr. Spitz und Dr. Woft. Nach dessen Weggang (1894) wurde das Haigerlocher Rabbinat nicht wieder besetzt. Der erste Volksschullehrer der Gemeinde war Salomon Neuburger. Er hatte auf Veranlaffung der fürstlichen Regiemng seine Prüfung 1822 Vereinsnachrichten. An die Mitglieder der Wohlfahrt-vereine! In einigm Tagen wird unser Einzieher die rückständigen Mitgliederbeiträge für das Jahr 1925 abholen. Wir bitten höflichst, die Quittungen prompt einzulösm oder bei Abwesmheit die Beittäge bereit zu legen. Israel. Fürsorgeamt P»stscheckt»»t» 18493 H»spit»lstr«ße 36 Israel. Krankenunttrstützungs-Berein (g Sonntag, den 29. März V* 11 Uhr im Gemeindehaus, Hospitalstr. 36 Generalversammlung | T.-O.: Jahresbericht, Rechenschaftsbericht, Ergänzungswahl. Der Ausschuß.

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