Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- I (1924-1925)
- Issue
- 11 (15.2.1925)
- Date
- 1925-02-15
- Page
- Seite 229 (sequence 3)
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— 229 — Wahlbezirk 1. Ost» und Westpreußen (Einheitsliste): 3 Liberale, 1 Konferv.-VolkSp.-Block. Wahlbezirk 2. Großberlin: 28 Liberale, 16 Volkrpart., 5 Viittelp., 3 Konsero. 1 Poale Zion. Wahlbezirk 3. Brandenburg-Pommern (Einheitsliste): 4 Liberale, 1 Konservativer-! VolkSpartei-Block. Wahlbezirk 4. Breslau: 6 Liberale, 2Konserv., 2 Volkspartei. Wahlbezirk 5. Schlesien: 2 Liberale, 2 Konsero., 1 Volksp., 1 C. V. Wahlbezirk 6. Sachsen: 1 Liberale, 1 Konsero.- VolkSp.-Block. Wahlbezirk 7 a. Hannover: 3 Liberale, 1 Konserv., 1 Ostjude. Wahlbezirk 7b. Schleswig-Holstein: 1 Liberale, 1 Volkspartei. Wahlbezirk 8. Westfalen: 4 Liberale, 1 Volksp. Wahlbezirk 9. Frankfurt a. M.: 6 Liberale, 2 Konservative, 1 Volkspartei, 1 Ostjuve. Wahlbezirk 10. Heffen-Naffau: 3 C. V.-Bertret., 1 Volksp. Wahlbezirk 11. Köln: 4 Liberale, 1 Konservative, 2 Volkspartei. Wahlbezirk 12. Rheinprovinz: 7 Liberal., 3Volkp. Das Gesamtergebnis der Wahlen ist demnach: 69 Mandate: Liberale, 31 Mandate: Jüdische Volkspartei, 11 Mandate: Konservative, 5 Mandate: Mittelpartei, 1 Mandat: Poale Zion. 3 C. V -Vertreter. Aus dem Schriftschatze Israels. Psalm »24. Wäre nicht der Herr mit dir gewesen. So mußt du bekennen, Israel, Wäre nicht der Herr mit dir gewesen. Als die Menschen gegen dich sich scharten.— - Ach, sie hätten lebend dich verschlungen Und die Wasserfluten ihrer Wut Hätten wehrlos dich hinweggeschwemmt; Wellen wären über dich geflutet Und du wärest in der Flut erstorben.— Sei gelobt, mein Gott, der mich errettet Aus dem Rachen meiner grimmen Feinde! Wie ein Vögelchen dem Vogelsteller, So entrann den Feinden meine Seele. ES zerriß die Schlinge—ich war frei— Sie zerriß—ich flatterte davon. So hat mir in meiner Not geholfen Treu der Gott des Himmels und der Erde. Beiträge zur Geschichte der Jude« in Württemberg. Die Jude» in RottweU a. 9t. Am oberen Neckar, nur wenige Stunden von seinem Ursprungsort entfernt, liegt dielehemalige Reichsstadt Rottweil. Als Gründer der Stadt ist Kaiser Friedrich II. anzusehen. Die ersten städttschen Urkunden stammen auS den Jahren 1230 und 1234. ES ist auSgeschloffen,'))aß sich vor dieser Zeit Juden in Rottweil niedergelassen haben. Im Reichssteuerverzeichnis von 1241 werden noch keine Juden in Rottweil genannt und noch in der Verpfändungsurkunde Kaiser Rudolfs von 1288, in der alle Gefälle und Einkünfte der Stadt an den Schwager des Kaisers, Graf Albert von Hohenberg verpfändet werden, sind die Juden nicht erwähnt. Ihre Niederlaffung wird aber nicht viel später erfolgt sein, da er im alten Rechtsbuche von Rottweil heißt, daß in der Osterwoche 1315 der Halbteil der Stadt, der damals in vier „Orte" zerfiel (Sprenger, St. Johann, Heiligkreuz und Judenort): Heiligkreuz und Judenort gen Frauenfeld zog. Er gab also bereits im Anfänge der 14. Jahrhunderts ein Judeyviertel, das Judenort (wie das „Judendorf" in Magdeburg) hieß. Dieser Stadtteil erhielt später den Namen St. Lorenz. Die älteste erhaltene Rottweiler Judenurkunde ist das am 1. April 1324 von Kaiser Ludwig dem Juden , Jaklin und seinen Kindern erteilte Privileg, durch das er auf acht Jahre vom 1. Mai 1324 an von allen Steuern und Abgaben befreit wurde (Günter, Urkundenbuch Nr. 128). Er wird am 5. Dezember 1330 als Jaekeli der Mumlin als Hausbesitzer und „Bürger" zu Rottweil erwähnt. Aber schon vorher am 21. Januar 1321 wird der Jude Havener in einem Rottweiler Testament genannt (Günter Nr. 1465). Allerdings hatten sich schon vor dieser Zeit in RottweilS Nähe in Oberndorf Juden niedergelaffen. Denn schon am 24. März 1316 beurkundeten die Brüder Herzog Ludwig und Luzmann von Teck, daß sie der Stadt Oberndorf zum Dank für die ihnen geleisteten Dienste unter anderem erlaubten, von den dort niedergelaffenen Juden jährlich zwanzig Pfund Pfennig als Abgabe zu'fordern (Glatz, Regesten). Auf den besonderen Wunsch Herzog» Friedrich von Teck verlieh Oberndorf den Juden Jacob, Samuels Sohn, deffen Sohn Samuel und seinen Schwiegersöhnen Nathan und Jsaac am 11. November 1337 auf zehn Jahre gegen eine jährliche Abgabe von einem Pfund Heller Wohnrecht (Günter Nr. 169). Ein Suzkint von Oberndorf, deffen Sohn Mannen zu Billingen wohnte,- wird am "9. Mai 1347 erwähnt (das. Nr. 211). Die dortigen Juden zahlen 1375 zwanzig Pfund guter Heller Jahressteuer an Graf Rudolf von Hohenburg (Glatz, Regesten). Dafür aber galten sie als „Bürger von Oberndorf." Als solcher