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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1924-11-15 · 8 (15.11.1924) · p. Seite 119

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
I (1924-1925)
Issue
8 (15.11.1924)
Date
1924-11-15
Page
Seite 119 (sequence 3)
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siedelte, wo man 1809 76 Juden zählte, die im Distrikt v. die Judengaffe Nr.271-296 bewohnten. Seit 1830 mußtendie Hechinger Juden Militärdienste leisten. Sie glaubten daher berechtigt zu sein, auch Untertanenrechte zu erhalten. Dle Gemeinde überreichte deshalb am 17. Dezember 1835 dem Fürsten Friedrich HermannOtto (1820— 1838) eine Bittschrift um eine zeitgemäße Regelung ihrer staatsbürgerlichen Lage. Bereits am 1. Februar 1836 beschloß die Deputation in der Laudtagssitzung die Regierung um die Vorlage eines Gesetzentwurfs für die Verfassung der Juden zu ersuchen. Nach Analogie des für die Juden im Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen am 6.April 1837 erlaffenen Gesetzes und in Anlehnung an das württembergische Gesetz vom 25. April 1838 legte Rabbiner Dr. Mayer der Regierung und der Landesdeputation den Entwurf eines Judengesetzes vor. Sein Antrag wurde aber am 3. März 1842 von der Landesdeputation zurückgewiesen. Dafür verfügte jedoch Fürst Friedrich Wilhelm Konstantin auf ein Gesuch der Juden eine Reihe Erleichterungen, so daß die Lage der Juden durchaus erträglich wurde. Ihre Zahl war inzwischen so angewachsen, daß man 1842 809 israelitische Einwohner in 150 Familien zählte. Besondere Erwähnung verdienen die Hechinger Rabbiner. 1745 wurde der Prager Natanael Weil zum Rabbiner des Schwarzwaldkreises erwählt. Er hatte seinen Wohnsitz in Mühringen, verließ aber schon 1751 diesen Ort, um als Rabbiner nach Baden-Durlach überzusiedeln. Sein Nachfolger wurde Rabbi Simon Flehingen, der sich selbst Flegenheim Unterzeichnete. Er wurde schon nach wenigen Jahren nach Darmstadt berufen. Ihm folgte 1770 Rabbi David Dispeck (Dorf bei Neustadt a. d. Aisch), der bis dahin Rabbinatsbeisitzer in Fürth gewesen war. Tr ist der Schöpfer der Hechinger Talmudschule. Sein Scheiden — er ging um 1780 als Klausrabbiner nach Metz — verursachte große Unzufriedenheit. Die Gemeinde Mühringen wollte seinen von ihm als Nachfolger empfohlenen Schwiegersohn Rabbi Jakob Samuel aus Fürth nicht anerkennen, der darum nur in Nordstetten amtieren durfte. In Mühringen wurde Abraham Weil, der Enkel des Rabbi Natanael Weil, der Sohn des Karlsruher Rabbiners Tiah Weil, zum Rabbiner gewählt. In Buttenhausen versah von da an der Vorsänger den Dienst des Rabbiner-. In Hechingen selbst, wo in der Zwischenzeit der Privatmann Rabbi Abraham Epstein die rabbinischen Funktiotten auSgeübt, wurde der gelehrte Rabbi Löb Aach, scheinbar gegen den Willen der Gemeinde, auf Wunsch der Fürsten Joseph Wilhelm 1784/85 gewählt. Er war ein Schüler Ezechiel Landaus, mit dem er auch weiter in Zusammenhang blieb. Vorerst wurde er als Kaulla'scher Hauslehrer berufen, sammelte aber bald einen größeren Kreis begeisterter Jünglinge um sich, unter ihnen Wolf Mayer, den Vater de- Rabbiners Dr. Mayer, und den späteren österreichischen Hoffaktor Aron Liebmann. Später wurde er auch Rabbiner derSigmaringer Gemeinden Haiderloch und Dettensee und Lener des von der Familie Kaulla 1803 in Hechingen begründeten LehrinstitutS (Beth ha,Midrasch.) An dieser Thalmudschule sollten drei Stiftsrabbiner als Lehrer und der jeweilige Gemeinderabbiner als Rektor wirken. Die Stifter hatten das s. Z. von Raphael Isaak 1759 gekaufte Gebäude („die Münz") für das neue LehrhauS bestimmt, in dem außer einer Synagoge auch die Wohnungen der > Sttstsrabbiner waren. Auf ihre Dreizahl wies das! Chronogramm hin, das in einem Steine über der j Eingangstür zu lesen war: „Am Weinstock waren drei Trauben (1. Mose 40*°)" 1803. Mt Löb Aach > waren an dieser Schule Seligmann Gottschalk auS j Pfalzburg (später Rabbiner in Kolmar), Chajim Dispecker aus Fürth (gestorben Februar 1832), der Pole Joseph Glogau (gestorben 1814) und seit 1816 der auch wissen tschaftlich sehr tätige Rabbi Nathan Reichenberger (Reb Nade) aus Schwabach tätig. Die Vorschule des Beth Ha-Mdrasch war die Thalmud Thora, deren bedeutendster Lehrer der 1820 verstorbene Rabbi Wolf Jakob gewesen ist. Am 15. Mai 1825 wurde sie durch die auf Anordnung des Fürsten geschaffene Gemeindeschule ersetzt, für die 1830 neben der Synagoge ein neues Schul- und Gemeindehaus erbaut wurde. Nach dem Tode Löb Aachs (1820) übernahm Chajim DiSpecker das Rabbinat ohne sich recht durchsetzen zu können. ES kam wieder zu unliebsamenZwistigkeiten, indem Haigerloch Raphael Zivi zum Rabbmer machte, dem 1836 M. Hilb im Rabbinat folgte, und Dettensee Marx Hirsch zum Rabbiner wählte, der aber bald als Hausrabbiner der Familie Kaulla nach Stuttgart > übersiedelte. Im November 1829 bewarb sich Dr. Samuel Mayer um das Hechinger Rabbinat. Fürst Friedrich Herman empfahl ihn durch eine Verordnung vom 17. März 1830 für dieses Amt. Die Stelle wurde ihm aber erst 1834 übertragen. Samuel 1 Mayer war am 3. Januar 1807 in Hechingen geboren, hatte zuerst die Thalmud Thora seiner Heimat besucht und seine Studien in Mannheim (1823) und in Würzburg (1826) bei Oberrabbiner Abraham Bing fortgesetzt. Kr beendete seine Ausbildung durch die Erlangung de- Doktorgrades in Tübingen (1829). Während seiner Tätigkett als Rabbiner begann er sich mit der RechtSgelehrsamkeit zu beschäftigen und wurde 1849 praktischer RechtSanwalt. Er war der einzige deutsche Rabbiner, der die Wirksamkeit eine- Rabbiners mit der eines Rechtsanwaltes verband. Die literarische Frucht dieser Doppel- < tätigkeit war sein dreibändige- Werk „Die Rechte der Israeliten, Athener und Römer, mtt Rück-

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