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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1924-11-15 · 8 (15.11.1924) · p. Seite 118

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
I (1924-1925)
Issue
8 (15.11.1924)
Date
1924-11-15
Page
Seite 118 (sequence 2)
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von Priestern uni» ein heiliges Volk wird und Gottes Tempel „ein Gebetshaus für alle Völker". Für das Alte Testament aber als Grundlage für daS Neue gilt der Satz, den der Berichterftatter der „Allgemeinen Evangelischen Lutherischen Kirchenzeitung" vor kurzem geprägt hat: „Wenn der Mantel fällt, muß der Herzog nach". Denn Jesus tritt im Kleide der alten jüdischen Bibel auf. Es ist eine alte ernste Erzählung, die von dem Könige berichtet, der nur einen Satz aus der Bibel streichen wollte: „Er stößt die Gewaltigen vom Stuhl und erhebt die Niedrigen". Aus dem Schriftsatz der Juden. Psalm 91. 1. In Gottes Schutz bin ich geborgen: Bist du bei mir — ich bin getrost — Ob auch das Leid mich wild umtost. Ich spotte aller Lebenssorgen. 2. Und stürzen tausend mir zur Rechten Und schleicht heran der schwane Tod Und droht mir bittre Todesnot — Ich bange nicht in Leidensnächten. 3. Das Leid bleibt ferne meinen Zelten, Denn Gott^ß Engel halten Wacht, . Sie führen mich durch Not und Nacht, Wie es gebeut der Herr der Welten. i. Die Hölle öffnet ihren Rachen, Es droht der beutegierige Leu — Ich gehe des Weges ohne Scheu Und fürchte nicht das Gift her Drachen. Nach Deiner Liebe ist mein Streben, ' Ich sehne mich nach Deinem Heil — O laffe sein mein Erdenteil Ein frommes ehrenvolles Leben. Die Juden in Hohenzollern - Hechingen. Im Jahre 1701 erteilte Fürst Friedrich Wilhelm von Hohenzollern-Hechingen (1671—1732) sechs jüdischen Familien einen Schutzbrief auf die Dauer von zehn Jahren. Sie durften aber nur einzeln in den umliegenden Dörfern wohnen Als der erste Todesfall unter ihnen eintrat, wurde ihnen auf ihre Bitte auf einem eine halbe Stunde von Hechinaen entfernten Hügel neben dem Galgen ein Stück Rasen als Begräbnisplatz angewiesen. Sein Nachfolger Fürst Friedrich Ludwig (1732- 1750) duldete die Juden in seinem Gebiete, ohne sich weiter um sie zu kümmern. Unter seinem Neffen Joseph Wilhelm (1750—1798) siedelte Raphael (Isaak) ben Benjamin aus Buchau von Haigerloch, wo er Landesvorsteher gewesen war, nach Hechingen über. Etwa gleichzeitig kauften sich Mayer und Herz, die Söhne des Samuel in Steinhofen am 3. Januar 1759 in Hechingen an. Auf Raphaels Bemühungen wurde den Juden unter dem 29. März 1754 ein Schutzbrief ausgestellt, der ihnen eine Kaserne in der außerhalb des Ortes gelegenen Friedrichstraße gegen eine feste JahreSmiete als Wohnhaus anwies. Zu ihren ersten Einwohnern gehörte Mayer, der Sohn des Lazarus aus Steinhofen, der Großvater der späteren Rabbiners Dr. Mayer. Diese Kaserne ist 1814 durch Kauf in den Besitz der Juden übergegangen. Die Ansiedler erbauten aber außerdem mehrere eigene Häuser und 1761 die große Synagoge. Außerdem kaufte Raphael Isaak als Hof- Faktor am 27. November 1759 das „ohnweit dem Schloß, die Müntz genannte" Anwesen. So entstand ein eigenes Judenviertel, in dem allerdings nur zehn Juden wohnen durften. 1775 wurde von den Juden ein neuer Schutzbrief für die Dauer von 25 Jahren gekauft und ■ die Synagoge in der Goldschmiedstraße erbaut, die von da an Judengaffe hieß. Die Wendung im Schicksal der Hechinger Gemeinde ist einer Frau zu verdanken. Durch einen unglücklichen Sturz war Raphael ben Benjamin in Sigmaringen plötzlich verstorben. Seine Tochter Kaulla, die mit Kiese Auerbacher verehelicht war, i verstand es durch ihre fympatische Persönlichkeit und ihre wirtschaftliche Tüchtigkeit die Vorurteile gegen die Juden zu beseitigen. Fürst Joseph Wilhelm wurde ein ausgesprochener Gönner der Juden, der von jetzt an an jedem Versöhnungstage die Synagoge aufsuchte. Auf Frau Kaullas Bitte wurde den Juden erlaubt, einen Bretterzaun um > ihren Gottesacker zu errichten, der allerdings Grundeigentum der Stadt blieb. Die Familie Kaullas nannte sich nach dem Namen dieser klugen Frau. Kaullas Bruder und Schwiegersohn Jakob Raphael Kaulla (geb. um 1750 in Buchau) war ein frommer Mann, der sich bei dem neuen Fürsten Hermann Friedrich Otto (1798- 1810) tatkräftig für seine Gemeinde einsetzte. Am 1.Januar 1800 wurde der neue Schutzbrief auf die Dauer von vierzig Jahren auf Jakob KaullaS Veranlassung, „gegen eine angemeffene Remuneration an die Hofkammer" ausgestellt. Im gleichen Jahre wurde auf sein Ersuchen gestattet, daß der Bretterzaun um den Friedhof durch eine Steinmauer ersetzt und daß das Hochgericht aus der Nähe des Friedhofs entfernt wurde. Die Juden wurden gegen eine Jahresabgabe vom Militärdienst befreit. Jakob Kaulla wurde durch Patente vom 9. Juli und 5. August 1801 in Anerkennung seiner großen Wohltätigkeit zum k. k. österreichischen Rat ernannt und am 27. Juni 1806 durch die Verleihung des württembergischen Bürgerrechtes im Hinblick auf seine dem Staate in kritischer Zeit geleisteten Dienste durch königliches Dekret geehrt. Frau Kaulla starb im März 1809, ihr Bruder Jakob am 1. Mai 1810. Schon vorher waren Mitglieder ihrer Familie nach Hanau, München, Augsburg, Straßburg und Stuttgart auSgewandert, bis die ganze Familie nach Stuttgart über-

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