Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- I (1924-1925)
- Issue
- 7 (15.10.1924)
- Date
- 1924-10-15
- Page
- Seite 103 (sequence 3)
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Inzwischen haste sich in Buchau die Lage der Juden gebefferttWährend eS noch im Jahre 1822 nur unter dem Widerspruch der Bürgerschaft zwei Juden gestattet wurde, ihre „Gaste" zu verkästen und in der Hauptstraße Wohnung zu nehmen, erwarben bereits 4828 mit dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes 18 Buchauer Juden das' Bürgerrecht. Schon vorher, im Jahre 1825 wurde die Israelitische Elementarschule geschaffen, nachdem bis 1770 die jüdischen Kinder kostenfrei die Normalschule im Ssist und von da an die Stadtschule besucht hajtten. Ein Zeichen des neu erstarkten Gemeindelebens war der im Jahr 1838 unternommene Bau der neuen Synatzoge. Ihre Baukosten betrugen 23092 fl, die durch Verkauf der Synagogenstühle aufgebracht wurden. Das Gotteshaus wurde am 30.i August 1839 in Gegenwart Königs Wilhelm I. feierlich eingeweiht. Das Gotteshaus besaß ursprünglich in seinem Glockentürmchen ein Glockenspiel, das 1854 durch eine Glocke erseht würde, die in hebräischer Inschrift den ersten Vers des 122. Psalms trägt: „Ich freue mich, wenn man mir kündet: Wir wollen ins Gotteshaus gehen". Wenige Minuten vor jedem Gottesdienst läßt sie ihr Geläut ertönen und ruft die Bster zum Gotteshause. Seit 1866 besitzt die Synagoge eine Orgel, deren Einführung mit der Schaffung eines Synagogenchors verbunden war. Als Vorbeter waren seitdem Gerstel, Zwinger, ein Schüler Sulzers, und seit dem 1. Mai 1898 der in Hohebach geborene Max Marx tätig, der es verstanden hat die guten Überlieferungen des Kantorats festzuhalten und durch wertvolle Neueinführungen glücklich zu bereichern. Um die Hebung des Gottesdienstes hat sich besonders Rabbiner Jpnas Laupheimer verdient gemacht. Der Vorsänger- und Schächterdienst wurde erst 1808 nach dem Tode Maier Wolfs von Kleinnördlingen vom Rabbineramte getrennt. Seitdem waren Amschel Levi von Roßheim (1808-1818), Jakob Kaufmann von Archshofen (1818-1834), Moses Bloch aus Gailingen (1834-1841), Dr. Michael Güldenstem von Sontheim (1841-1861), Elkan Weimann aus Treuchtlingen (1862-18861, Jonas Laupheimer auS Lauphenn (1887-1914), und Dr. Ferdinand Straßburger von Buchau (1915-1916) hier als Rabbiner tätig. Der derzeitige Rabbiner Dr. Abraham Schlesinger aus Mergentheim ist seit 1916 im Amte. M. Bierfelder-Büchau. Das jüdische Schulwesen in Bucha«. Von 1770 — 1803 besuchten einzelne jüdische Kinder die Noxmalschule im Stift und von da an die Stadtschule. Während dieser Zeit wurde der hebräische Unterricht von den Privatlehrern Samuel Neubürger auK Kleinerdingen, R. Eisig Cohn aus Buchau, R. Süffel auS @aUingen und Moses Vierfelder aus Buchau erteilk^Jnzwischen war die Verordnung König» Wilhelm vom 18. Nov. 1817 erschienen, derzufolge die beiden Oberschulbehörden de» Landes Kommissionen für die Schaffung eines eigenen israelitischen Schulwesenaufstellten. Die Anregung hierzu war von dem Buchhändler Isaak Heß in Ellwangen ausgegangen. Am 9. Februar 1825 erschien ein erster Erlaß des Ministeriums des Inneren an die KreiSregierungen wegen des Schulbesuchs der israelitischen Kinder. Ein Erlaß des Katholischen Kirchenrats ordnete fast gleichzeitig an, daß „die Israeliten ihre Kinder entweder in die öffentliche Elementarschule des Orts schicken oder ihnen den Unterricht von der Regierung für fähig erkannter Lehrer zu geben haben". In demselben Sinne erklärte das Evangelische Konsistorium am 12. Juli 1825: „Wo die Israeliten keine besondere Schule für ihre Kinder errichten, haben letztere die öffentliche Ortsschule gleich den Christenkindern ohne Unterschied des Geschlechts vom 6.—14. Lebensjahr zu besuchen. Beim Lehrplan ist hauptsächlich auf richtige Erlernung der deutschen Sprache das Augenmerk zu richten und zwar die hebräische Sprache, sofern es die Israeliten verlangen, nicht gerade von den Unterrichtsfächern auszuschließen, aber doch mehr als Nebensache zu behandeln". Infolge dieser Verfügungen war auch unter den Israeliten in Buchau der Wunsch immer lebhafter hervorgetreten, eine eigene Schule zu schaffen. Die Vorsteher Benedikt Einstein und Israel Borger sowie der Gemeindedeputierte Marx Mändle ruhten und rasteten nicht, bis sie den Wunsch in die Tat umgesetzt, und schon am 6. März 1826 konnte die neue Elementarschule ihre Wirksamkeit beginnen. Ihr erster Lehrer war Leopold Lammfromm aus Oberdorf, der als erster jüdischer Semrnarist das Eßlinger Seminar absolviert hatte. Er hatte zu seiner Ausbildung aus der.Privatkaffe König- Wilhelm ein Stipendium von 75 fl. erhalten. Am 2. September 1826 fand die feierliche Einweihung des neuerbauten israelitischen Schulhauses statt. Lammfromm, der 1831 auf Lebenszeit angestellt wurde, löste eine von der Behörde gestellte Preisaufgabe, erhielt eine Belobung und wurde zum Musterlehrer befördert. 1847 veröffentlichte er „das Lesebuch für Israeliten". Im Jahre 1836 wurde die Schule zweiklassig. Die Oberklaffe wurde von 58, die Unterklaffe von 44 Schülern besucht. Samuel RödelSheimer, geboren am 12. September 1816 in Unterschwandorf, wirkte bis 1866 als Unterlehrer. Am 16. Juni 1859 verstarb Lammfromm an einem Herzschlag. Lehrer Hofheimer in Kappel übernahm vorerst als Verweser die Weiterführung der Schule, bis Isaak Ephraim Löwenthal, der am 23. Februar 1809 in Nordstetten geboren und bisher in Baisingen als Lehrer gewirkt hatte, 1859 Lammfromm- Nachfolger wurde. Er wurde am 1. April 1867 pensioniert und starb am 14. Oktober 1872 in Mannheim.