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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1924-09-15 · 6 (15.9.1924) · p. Seite 83

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
I (1924-1925)
Issue
6 (15.9.1924)
Date
1924-09-15
Page
Seite 83 (sequence 3)
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einzeln aufzählt und nach den Worten seinegeliebten Daniel-BucheS zeitlich berechnet. Malbim fügt zu dieser Berechnung die folgenden Worte hinzu: „Ich'schreibe dies im November 1867 (5628) nieder. Noch fehlen sechzig Jahre zur Erlösungszeit. Aber die Zeit reift bereits heran, und ein jeder rüste sich auf ihr Nahen!" Er selbst hat allerdings nichts mehr von allem dem Ersehnten und Erhofften geschaut. Aber seine Berechnung des Jahres 1925 wird wie ein Geheimnis in den gläubigen Kreisen Polens und Rußlands e^ählt. Hoffen wir, daß der Kempener Rabbi recht behält und daß das neue Jahr ein Jahr des Friedens und des Segens für alle Menschen wird! Gedanken und Anregungen. Das Altersheim in Sontheim. Vor mehr als einem Vierteljahrhundert hat eine Anzahl unserer besten Männer es als ein Bedürfnis empfunden, zur Aufnahme und Unterstützung alter erwerbsunfähiger männlicher und weiblicher Glaubensgenoffen ein Heim zu schaffen. Der Opferfreudigkeit unserer Väter ist es gelungen, auf einer Höhe des Neckartales ein Grundstück zu erwerben und in Sontheim die „Wilhelmsruhe" zu erstellen, einen stattlichen, neuzeitlichen Bau, der sich zur Aufnahme von 36 Pfleglingen eignet. 100 Asylanten haben hier seit der Inbetriebsetzung im Jahre 1907 Unterkunft gefunden, meistenteils Männer und Frauen im Alter von 70—80 Jahren. Zurzeit bestaun sich daselbst 31 Pfleglinge, wovon 8 übataO Jahre alt sind. Das Leben dort trägt durchcws-Farniliencharakter. In schönen, gesunden Zimmern schlafen ein bis zwei Pfleglinge. In einem großey Saal werden gemeinsam Mahlzeiten eingenommen. Im Betsaal finden die regelmäßigen Gottesdienste statt. Ein gutgepflegter, das Haus umgebender Garten bietet den alten Leuten Aufenthalt im Freien und den Gesunden Gelegenheit zur Betätigung. Das Haus mit seinen Einrichtungen und der Umgebung gleicht einer Kuranstalt. Mancher möchte die Insassen der Anstalt beneiden um die Ruhe, die sie dort genießen, die Pflege, die ihnen dort zuteil wird, und die Liebe und Aufmerksamkeit, die sie von allen empfangen. Lange Jahre hindurch war es den Glaubensgenoffen unseres Landes und den Freunden des „Israelitischen LandeS-Asyl- und Unterstützungs- Vereins für Württemberg E. V." in Deutschland und im Auslande möglich, der Anstalt j die Unterstützung zu gewähren, die zur Aufrechterhaltung des Betriebes nötig war, sodaß der Verein in der Vorkriegszeit zu einem stattlichen Vermögen gelangt ist, das die schönsten Hoffnungen auf die Zukunft erweckenließ. Der Krieg und seine bekannten Folgen haben alle Hoffnungen zunichte gemacht und daS VereinSvermögen nahezu vernichtet. Als in der NachkriegSzeit von allen Seiten der WohltätigkeitSsinn des Auslandes in Anspruch genommen worden ist, blieben auch die Bittgesuche, die aus Sontheim in die Welt gesandt wurden, nicht unberücksichtigt. In dankenswerter Weise haben sich Ausgewanderte ihrer Heimat erinnert, von den besten Wünschen waren alle Gaben begleitet, die von fernen Ländern eingetroffen sind und voll von Rührung waren die, die sie empfangen durften. Hauptsächlich den vom Ausland eingegangenen Spenden ist es zu verdanken, daß das Altersheim während der Inflationszeit durchgehalten werden konnte. Die Spenden von dieser Seite bleiben seit einiger Zeit aus; sie haben übrigens seit der Stabilisierung der Mark an Wert und Wirkung verloren. Obgleich rationelle Wirtschaftsführung es derBerwaltung ermöglichte.die Kosten fürden Unterhalt der Anstalt und dre Verpflegung der Insassen verhältnismäßig niedrig, und zwar kaum - höher als in der Vorkriegszeit, zu halten, stehen dem Verein die notwendigen Mittel nicht mehr zur Verfügung. Der finanzielle Aufbau ist zerstört und muß neu begründet werden, wenn verhindert werden soll, daß der Verein aufgelöst und die im Altersheim befindlichen 31 Pfleglinge ihre Unterkunft verlieren. Die Verwaltung steht vor schweren Entscheidungen. Sie kann es nicht verantworten, den armen und erwerbslosen Jnsaffen, die sich glücklich gefühlt haben, ihre Tage ungestört und ohne Sorgen im Heim zu beschließen, und die zum größten Teil keine Angehörigen besitzen, die Tür zu weisen. Andererseits fehlen ihr die erforderlichen Mittel. Ehrenamtlich erfüllt der Ausschuß seine Pflicht. Kostbare Stunden verwendet er für die Angelegenheiten des Vereins. Die in Stuttgart und Heilbronn lebenden Vorstandsmitglieder besuchen regelmäßig die Insassen, um sie fteundschaftlich zu beraten und ihre Wünsche anzuhören. Alle ihre Müyen sind jedoch umsonst, wenn es an ausreichenden Geldmitteln fehlt. Der Ruf der Opferfreudigkeit, den unsere württembergischen Glaubensgenoffen genießen, muß leiden, wenn von ihnen nicht neue Mittel für die Anstalt eingehen. Stolz dürfen wir auf das Werk unserer Väter sein, und unsere Pflicht ist es, dasselbe zu erhalten, umsomehr, als die Not der Zeit manchem Veranlassung geben wird, dgS Altersheim aufzusuchen, der ftÄher noch sich unter den Spendern befunden hat, jetzt aber einsam, verlassen und erwerbsunfähig ist. Parum ergeht der Ruf an alle, bei freudigen und traurigen Anläffen, sich der Anstalt zu erinnern. Jeder möge nach seinen Verhältnissen geben. Auch die kleinsten Gaben sind willkommen. Sie find Bausteine zur Erhaltung des Altersheim in Sontheim, des Asyls für. unsere alten, erwerbsunfähigen Glaubensgenoffen!; Felix Sontheimer.

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