Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- I (1924-1925)
- Issue
- 6 (15.9.1924)
- Date
- 1924-09-15
- Page
- Seite 82 (sequence 2)
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4. Es zagt der Mut, eS stockt das Blut, Das in mir kreist — Warum der Herr mich prüft so schwer. Faßt nicht mein Geist. 5. Wie nach dem Tau in Glut die Au Verdürstend ächzt. Nach dir mein Sein in tiefer Pein * Verschmachtend lechzt. 6 Herr, fliehe nicht, entziehe nicht Dich meinem Flehn, Sonst sterbe, ich, verderbe ich Und muß vergehn. 7. Zeig du den Weg, bau du den Steg Durch Nacht zum Licht, Aus Feindeshand im Feindesland — Verlaß mich nicht! Führ' mich den Pfad nach' deinem Rat — Du bist mein Teil! Ich wandle still, wie Gott es will. Zu meinem Heil.!>. Erhebe mich, belebe mich. Du bist gerecht — Dein Zürnen droht dem Feinde Tod — Ich bin dein Knecht. Eine Weissagung für das Jahr 5685. Ein Glückwunsch für das neue Jahr. Die Zeitgenossen schildern Rabbi P^es^Löb, den Sohn des Jechiel Michael, oder wie er nach den Avfangsbuchstaben seines Namens gewöhnlich genannt wurde, Malbim als einen Wahrheitsfanatiker, der sein Lebensglück hintansetzte, wenn es eine Ueberzeugung zu verteidigen galt, und der nur zu oft ein Märtyrer seiner Ueberzeugungen geworden ist. Widersprüche und Gegensätze waren in ihm zu einer seltsamen Einheit verschwistert. Malbim war eine innerlich geruhige Natur und doch zeitlebens ein Heimatloser, ein scharfsinniger Logiker und doch im Grunde seiner Seele ein geheimnisfroher Schwärmer, ein leidenschaftlicher Kämpfer und dabei ein weltfremder Träumer, ein tiefgründiger Kenner der heiligen Bücher seines Glaubens und trotzdem der eifrigste Jünger weltlicher Gelehrsamkeit. Man rühmte seine hinreißende Beredsamkeit und seine Meisterschaft in der Behandlung der heiligen Sprache. Er entstammte einer altgläubigen wolhynischen Familie, war im dreißigsten Jahre seines Lebens zum Lehrer und geistlichen Führer der Wreschener Gemeinde gewählt und dann 1845 nach Kempen als Prediger des Gotteswortes berufen worden, wo er 15 Jahre seines Amtes waltete und nicht wenig zum Ruhme seiner Gemeinde beitrug. Von der Zeit an war er Überall als der Kempener Rabbi bekannt und berühmt. Von 1860 bis zu seinem am 18. September 1879 in Kiew erfolgten Tode war er ein ruheloser Wanderer, ein echter Ahasver. Kurze Zeit lebte er in Bukarest, dann in Konstantinopel, nicht viel später in Paris; 1866 war er in Lencziza, dann in Cherson, hierauf in Mohilew. Der alternde Mann wirkte wieder nur eine kurze Zeit als Rabbiner der polnischen Gemeinde in Königsberg in Preußen. Auf der Reise nach Krementschug starb der damals gerade siebzigjährige Mann in Kiew. Predigten und Schristerklärungen, Rechtsgutachten . und Dichtungen bilden seinen schriftstellerischen Nachlaß. Sein Hauptwerk ist eine Auslegung der Bibel, in der er Wort und Sinn des Schriftwortes getrennt erklärt hat. Und in dieser Schriftauslegung hat sich der an sich so nüchtern ernste Forscher auch mit den letzten Dingen, mit den Geheimnissen der Zukunft, befaßt. Was die Offenbarung des Johannes für das Neue Testament, das ist das Daniel-Buch für das Alte, das Buch mit den sieben Siegeln und den tausend Geheimniffen. Was haben die Grübler alter und neuer Tage alles hineingeheimnißt und Herausgerätselt aus den dunklen Redewendungen des Daniel. Wie viele sind in diese Rätseltiefen mit stets neuer Wifsensgier hinabgestiegen, um aus ihren Schächten die Lösung der letzten Rätsel zu heben. Einer der letzten, aber durchaus nicht der letzte, war der unstete Kempener Rabbi. Der zwölfte Teil seiner Erklärung zu den Büchern der Bibel'ist seine^Auslegnng des Daniel, der er den Namen: „Die beglückende Verheißung" gegeben hat. Er hat sie im Jahre 1868 verfaßt und drucken lassen. Mir liegt der zweite Abdruck vor, der 1874 in Warschau erschienen ist. i Das Buch Daniel schließt mit den Worten: „Und von der Zeit, da das tägliche Opfer aufgehoben worden ist, sodaß das Ungetüm waltet, sind 1200 Jahre; heil dem, der das 1335. Jayr erlebt; dann gehe zum Endziel und du darfst in deinem Lose am Endziel der Tage rasten." Nach Malbims Meinung find die täglichen Opfer unter der sündhaften Königin Atalia (2. Chron. 24) aufgehoben worden. Das war im Jahre 3060 der Weltschöpsung, d. h. im Jahre 700 v. Chr.; zählt man zu diesen die 1290 des Daniel hinzu, so erreicht man das Jahr 4350 der Weltschöpfung; dieses war das Jahr „der anöglichen Erlösung, falls Israel sie damals verdient hätte". Rechnet man die weiteren 1335 Jahre des Daniel hinzu, so kommt man zum Jahre der Erlösung 5685 der Weltschöpfung, d. h. zum Jahre 1925. Von da an darf die Menschheit auf die Erfüllung aller weiteren biblischen Verheißungen rechnen, die der Kempener Rabbi alle