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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1924-07-15 · 4 (15.7.1924) · p. Seite 52

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
I (1924-1925)
Issue
4 (15.7.1924)
Date
1924-07-15
Page
Seite 52 (sequence 4)
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>, WM«>,W,ziw l>1«WWMMWM»»MWM»^WWWW«WWW»MWWWWWWP — 52 — die überall nach dir so heiß verlangen, die ob sie ferne oder ob sie nah, an dir, o Zion, wie gekettet hangen? Wie Hermons Tau fließt meiner Tränen Quell; ach, stvömten sie auf deine Berge nieder! Wild schrillt mein Weh aus meinem Innersten, so oft ich deiner Leiden denke wieder; träum' ich von deinem neuerstandnen Glanz, dann wird mein Herz zur Harfe deiner Lieder. Des Herzens Glut zieht mich geheimnisvoll, der Väter Ruhestätten fromm zu grüßen, nach jenen Stätten, wo einst, Gott geweilt und Engelsscharen sich herniederließe», nach jenem Lande, das von Gott erhellt, wo Erd' und Himmel ineinander fließen. Ich möchte^üieine Seele tguchen in das Licht, wo einst der Gottesgeist ward ausgegossen, in jenem Lande, das erkoun ward zum Königsthron für Davids edle Sprossen, und wo der Herr in seiner Herrlichkeit den Sehern und Propheten sich erschlossen. Ach, wenn ich Flügel hätte, flöge ich zu dir, um mit der Sehnsucht Gluten zu küssen deines Bodens Staub und Stein Ich ließe meiner Tränen Ströme fluten auf heilige Gräber, ließ mein wundes Herz auf deiner-Trümmer Stätten stumm verbluten. Ich pilgerte bis zu denk fernen Berg zu MoseS und zu Ahrons stillen Grüften^: ich tränke deiner Flüsse klare Flut und lebte auf in deinen Balsamlüften; ich schlürfte gierig seines Bodens Hauch, Wie gleicht er doch der Myrrhe süßen Düsten! Ich möchte bettelarm und ganz entblößt auf meines Tempels Trümersteinen schmachten, wo unseres Bundes Lade einst verschwand, die Cherubim im Tempel treu bewachten — Seitdem dein Sonnenglanz entheiligt ward ' muß alle Erdenfreude ich verachtend sTrank, Voll ist mein Kelch, vergällt ist Speis' und , ich bin verbittert, mag nicht Labung heischen, ,1 muß ich den Feind gleich wilden Raben sehn um sterhensmatte Adler gierig kreischen; mich kränkt sogar des Tages süßes Licht, wenn Hunde meine Löwenbrut zerfleischen. Noch lebt dein schönheitstrunknes Bild in uns, o Zion, daß wir brünstig für dich beten: Wir weinen, weil du sankst, bang, weil du fielst, wir sehnen uns nach dir in allen unseren Nöten: Wir schauen still nach deinen Toren hin. so oft wir betend vor den Herren treten. Und sind wir über alle Welt verstreut, und mäht man uns gleich dürren Halmen, wir haben nie vergessen dein Gebiet und singen ewig deines Lobes Psalmen und sehnen uns nach deinem hehren Haus und möchten ruhen unter deinen Palmen. Was andere Völker schaffen, ist ein Nichts, läßt sich mit deinem Lichte nicht vergleichen, und ihre Weisen, ihre Dichter werden nie die Sänger und Propheten Israels erreichen: vor deines Gottes Kraft muß alle Erdenmacht und alle Hoheit weichen und verbleichen. Gott hat dich einst zn seinem Sitz erwählt, drum Heil dem Mann, den seine Wünsche ziehen zu dir, heil dem, der fest zu schaun vertraut einst deiner neuen Sonne Morgenglühen, der jauchzend grüßen darf in Heller Lust dein neues jugendstolzes Auferblühen! Gedanken und Anregungen. Helft uns. ' Unser Fürsorgeamt begegnet zuweilen Mißtrauen gegenüber Bestrebungen der organisierten Wohlfahrtspflege. Es verdient unsere Beachtung, weil nicht selten ernste Menschen, die Wohlfahrtsarbeit kennen, Träger dieses Mißtrauens sind. Man befürchtet zweierlei: Die Ausnützung der Schwäche Hilfsbedürftiger. Die dargebotene Unterstützung kann demütigen und unfrei machen. Wir sehen diese Gefahr und ich hoffe, daß es uns gelingt, sie zu umgehen, weil wir sie erkennen. Der Mensch, der zu uns kommt, soll Rat und Hilfe nicht als Almosen und Geschenk finden, sondern als Anspruch an die jüdische . Gemeinschaft, als das Recht des Schwachen und Betrübten auf die Anteilnahme und Liebe seines Bruders. ' Der zweite Einwand trifft nicht das Wesen "der Arbeit, sondern ihre praktische Gestaltung und Durchführung: Das Elend ist zu groß. Die Wenigen, die sich zu seiner Überwindung zusammenfinden, können nur lindern; Heilung und Gesundung können sie nicht vermitteln, weil ihre Maßnahmen nur die' äußeren Erscheinungen sozialer Not treffen, weil es ihnen allzu selten gelingt, bis zur Wurzel der Krankheit vorzudringen. Eine Fürsorge, die im Geiste ernster Verantwortung getan wird, die zur sozialen Tat reifen will, muß sich mit dieser Unzulänglichkeit auseinandersehen und wird Abhilfe ersinnen. Der Kreis der Schwachen wuchs während des Krieges; heute können wir seine Ausdehnung nicht übersehen. Wir müssen einen Kreis der Starken, Hilfsbereiten schließen. Der Wunsch, zu heilen und zu überwinden, trotz aller Hemmungen und Schwierigkeiten, wird sein Schild und seine Stärke sein. Wir finden dreifache Not: Armut, Krankheit des Körpers und Krankheit der Seele. Wie können wir ihr begegnen? Der Weg kann hier nur angedeutet werden. Materielle Hilfe allein, kann nicht zum Ziele führen. Das Schlagwort der „Fürsorge von Mensch zu Mensch" muß in ernster, intensivster Weise Anwendung finden. Wir suchen Menschen, junge Frauen und Männer

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