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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1924-05-15 · 2 (15.5.1924) · p. Seite 20

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
I (1924-1925)
Issue
2 (15.5.1924)
Date
1924-05-15
Page
Seite 20 (sequence 4)
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20 1648 kam die Stadt wieder in die Hände der Grafen von Hohenlohe. Unter ihnen wurde dem Juden Liebmann am 3. Dezember 1649 der Schutzbrief ausgestellt. Neben ihm werden Veit, Mayer, Nathan und Seligmann als Weikersheimer Juden genannt. Sie scheinen durch ihre Gottesdienste das Mißfallen ihrer christlicheii Umgebung erregt zu haben. Es wurde 1653 der Herrschaft angezeigt, daß sie bei ihren „Sabattischen Zusammenkünften" so laut.gesungen hätten, daß es Aergernis erregt'hatte. Die Juden verteidigten sich gegen bicje Anschuldigungen und wurden von ihrer Schutzherrschaft gegen ihre nicht immer liebevollen Mitbürger in Schutz genommen. Sie erwarben sich als Viehhändler und vor allem als Weinlieferanten ihr Brot. Liebmann hatte eine Branntweinbrennerei eingerichtet, die sein Sohn Hirsch fortsetzte. Nathan, „Bürgere und Schutzverwandter allda", betrieb ein Bankgeschäft und zog den Zoll im Amts- und Stadtgebiet Weikersheim ein. Von 1673 an übernahmewSeeligmann und Mäntel diesen Zolleinzug. Zum ersten Mal wurden im Jahre 1688 in der Gemeinde Vorsteher gewählt. Es waren die beiden angesehensten Juden, der Stadt Seeligmann und Simon. Im gleichen Jahre wurde ^)ie Synagoge erbaut. Bis zum Winter 1697 walteten Seeligmann und Simon ihres Amtes. Ihre letzte Diensthandlung war die Wahl des Rabbi Jakob zum Gemeinderabbiner. Er empfing eine jährliche Besoldung von zwei Reichstalern. Außerdem bezog er Gebühren für bestimmte Amtshandlungen. 1697 wurden Hone (Elchanan) und Lämmlein zu Vorstehern gewählt. Sie regelten das Armenunterstützungswefen der Gemeinde. Sie waren auch bei der feierlichen Huldigung des neuen Grafen Karl Ludwig am 6. Januar 1709 die Vertreter der Gemeinde. Karl Ludwigs Regierung brachte aber den Juden der Stadt allerlei Erschwerungen und neue Steuern. Eine Vermögensliste vom Jahre 1739 nennt als die reichsten Männer der Gemeinde Lämmlein (Vorsteher) mit 2300 fl., Hohne mit 1775 fl., Moses mit 1050 fl. und Seligmann (Vorsteher) mit 900 fl. Im Jahre 1730 wurde der israelitische Friedhof unter den Vorstehern Lämmle und Mayer in Weikersheim angelegt. Bis dahin hatte die Gemeinde ihre Toten in Ballbach, im Deütschordensgebiet bestattet. Die Begräbnisstätte wurde den Juden auf dem Kappelberg bewilligt. Bei ihrem Ankauf beteiligten sich auch die Gemeinden von Laudenbach und Niederstetten. Von 1741 an wurden auch die Juden von Tauberrettersheim hier begraben. Etwa gleik^eitig (1740) wurde der Verein Chebra Kaddischa begründet, der sich die Krankenpflege und Leichenbestattung zur Aufgabe machte. Eine bevorzugte Stellung in der Gemeinde > nahmen die Hofjuden ein, die unter dem Titel > Hoffaktoren Hofagenten der Fürsten von Hohenj lohe waren. Sie waren aye Mitglieder der : Familie Marx, die später den Namen Pfeiffer annahm und schließlichnach Stuttgart überfiedelte. - Ihr Stammvater Matx-Anschel war seit 1743 in Weikersheim am Hose tätig. Er wurde aber erst 1761 zum „Hofjuden" ernannt. Das 1724 angefangene Gedenkbuch (Memorbuch) der Gemeinde rühmt seine Frömmigkeit und Bescheidenheit. Er veranlaßt« 1768 hen Bau der neuen Synagoge, die er selbst reich ausstattete. 1780! starb er hochbetagt. Sein zweiter Sohn, der 1835 verstorbene Marx Aaron wurde sein Nachfolger als Hoffude. Schon vorher war (1748) das Gemeindehaus erbaut worden, für das Abraham Maier Levi! 50 fl. gestiftet hatte. I Berühmter als Marx Aaron wurde Marx i Anschels dritter Sohn Marx Ezechiel Pfeiffer! (1766—1827). Als Hofagent und Vorsteher j seiner Gemeinde bewies er die gleiche Tüchtigkeit. Er ist der Erbauer des Rabbinatshauses (1824)! und der Erneuerer des Gotteshauses. Rabbiner Mainzer hielt ihm die Trauerrede, in det er die Tugenden des Verstorbenen ergreifend^, schildern verstand. Pfeiffers ältester Sohn Marx^ | (1786- 1842) siedelte nach seiner Verheiratung! mit der Tochter des Hoftats 5tauQr nach Stuttgart über. Sein zweiter Sohn Aarou(1792-1837) war dann in Weikersheim als fürstlicher Hof-! agent und Vorsteher der Gemeinde tätig. Nach seinem Tode verließ seine Familie Weikersheim.; Der Anfang des 19. Jahrhunderts war die! Blütezeit der Gemeinde, deren Vorsteher Hayum > Adler und Hona Strauß, später Manaffe Jgersheimer, Rafael Rosenfeld und Anschel Marx waren. Neben der Familie Pfeiffer war die Familie Sontheimer, deren Stammvater Marx Mayer Sontheimer um 1730 dorthin gekommen war, die angesehenste. Ihr entstammte der allgemein beliebte Arzt Dr. Sontheimer, der 1896 in Mergentheim verstarb. Sein Bruder war der Bankier Gottlieb Sontheimer, der sich als Vorsteher um die Stuttgarter Gemeinde verdient gemacht hat. Von den Weikersheimer Rabbinern ist der 1748 dorthin berufene Moses Feis, der Verfaffer des 1785 in Fürth gedruckten Kommentars zum Talmudtraktat Schekalim (varbone Sahab), zu nennen, der 1788 verstorben ist. 1819 wurde Moses Lazarus auS Mainbernheim zum „Landrewiner" berufen, der 1825 das Rabbinat Trier übernahm, wo er 1840 starb. Am 9. Mai 1825 wurde Mayer Mainzer aus Gau Königshofen in Bayern mit einem Gehalte von 600 fl. zum Rabbiner bestellt. Er hatte auf der Universität Würzburg studiert, galt als tüchtiger Theologe und war der besondere Schützling der Hofagenten Ezechiel Pfeiffer und seiner Familie. Rabbiner

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