Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- I (1924-1925)
- Issue
- 2 (15.5.1924)
- Date
- 1924-05-15
- Page
- Seite 21 (sequence 5)
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21 Maiiyer genoß die ungeteilte Liebe seiner Gemeinde und die höchste Wertschätzung der Be- Hörden. Nach fast vierzigjähriger Wirksamkeit schied er am 31. August 1861 aus dem Leben. Sein ältester Sohn August Mainzer war später als Rechtskonsulent in Neckarsulm, ein jüngerer Sohn Ignatz Mainzer als Oberamtswundarzt in Weinsberg tätig. Rabbiner Mainzers Nachfolger wurde vr. Jsak Heilbronn, der 1862 auS Erfurt nach WeikerSheim übersiedelte, wo er 1962 in den Ruhestand eintrat. vr. Schweizer übernahm im Herbst 1902 die Leitung des Rabbinates, das er bis zu besten Auflösung führte. Am 20. Januar 1835 wurde die israelitische DolkSschule(Konfessionsschule) eröffnet, deren erster Lehrer Jakob Adler dort bis 1852 wirkte. Sein Nachfolger war bis 1856 Jakob Löwenstein. Nach ihm übernahm Hirsch Levq aus Rexingen und 1,864 Leopold Frank aus Edelfingen die Leitung der Schule. Die israelitische Gemeinde Weikersheim kann mit berechtigtem Stolz auf ein zweiundeinhalbhundertjähriges Alter zurückschauen. Sie hat ihre religiösen und bürgerlichen Aufgaben stets vorbildlich erfüllt. Bezirksrabbiner vr. Schweizer-Horb. { Aus den Gemeinden Württembergs. 1 Stuttgart. In einer am 14. April im Kuppelsaal des Kunstgebäudes von der Stuttgarter Ortsgruppe des Reichs-Bundes jüdischer Frontsoldaten unter dem Vorsitz von vr. Manfred Pick veranstalteten Versammlung, an der fast vierhundert christliche Frontkämpfer teilnahmen, wandte sich dieser! einleitend gegen den immer wiederholten Vorwurf der Feigheit und Drückebergerei, deren sich die jüdischen Soldaten während des Krieges schuüfig gemacht haben solleu. Landgerichtsdirektor Vr. Stern wies statistisch nach, daß diese Behauptung jeder Grundlage entbehre, während Rechtsanwalt vr. Mainzer an den Blutopfern, welche die Stuttgarter Juden während des Krieges gebracht — von den 3400 Personen der Stuttgarter Gemeinde sind 104, also 2,7 Prozent gefallen — die Unwahrhaftigkeit dieser Beschuldigung zahlenmäßig bewies. Stadtrabbiner vr) Rieger ergänzte die Darstellungen der beiden Redner durch den Hinweis auf die erprobte unerschütterliche Vaterlandsliebe und die idealistische Weltanschauung der deutschen Juden. Die anschließende lebhafte Aussprache zeigte, daß alle Teilnehmer der Versammlung, die den würdigsten Verlauf nahm, mit den Ausführungen der Redner einverstanden waren. Der Verein für jüdische Gemeindeangelegenheiten hatte die Gemeindemitßlieder zu einer am Dienstag, den 22. April, rm Bürgermuseum abgehaltenen Versammlung eingelade«, in der Julius Rothschild über die neue Verfassung der israelitischen Religionsgemeinschaft berichtete und Adolf Kops die Frage „Welche Anforderungen stellen wir an die Gemeindevorsteher?" in geschickter Weise beantwortete, indem er auS der Geschichte des Vorsteheramtes die besonderen Erforderniste für seine sachgemäße Amtswahrnehmung entwickelte. An der Aussprache beteiligten sich die Herren Eduard Weil, Max Wolf, Horowitz, Kommerzienrat A. Wolf, Davidsohn, Osterberg, Lewinsohn, .Jos. Schwarzschild, Lehrer Jaffö, vr. Feldmann und der Referent des Abends. Die nächste Mitgliederversammlung des Vereins wird sich mit dtr Aufstellung der Kandidaten zum Vorsteheramt und zur Landesversammlung beschäftigen. Die ordentliche Generalversammlung des „Israelitischen Männervereins für Krankenpflege und Leichevbestattung (Llievrs kaddischa)" am Samstag, den 26. April, war wie immer sehr gut besucht. Der Vorsitzende Kommerzienrat A. Wolf erstattete den Vorstandsbericht,- M. Flegenheimer den Kastenbericht. Nach einer ausgiebigen Aussprache wurde der Halbjahrsbeitrag auf fünf Mark festgesetzt, dem Vorstand aber das Recht zuerkannt, den Beitrag im Bedarfsfall zu erhöhen. Dagegen wurde von der Erhebung einer Eintrittsgebühr in den Verein Abstand genommen. Um die Beteiligung der Mitglieder an den heiligen Aufgaben der Chewra lebhafter zu gestalten, sollen von jetzt an Aufforderungen zur Teilnahme an den Waschungen und an den Gottesdiensten - im Trauerhause an die Mitglieder versandt werden. Um dix Errichtung des Ehrendenkmals für die Gefallenen auf dem Friedhofe zu beschleunigen, will die Chewra an die Gemeinde und ihre Vereine herantreten. Es ist tiefbedauerlich, daß die Chewra gegenwärtig nur sechshundert Mitglieder, also ein Drittel der Gemeindemitglieder, zählt. Es müßte die selbstverstündliche Ehrenpflicht aller ihrer Mitglieder sein, der Chewra beizutreten und ihre edlen Anfgaben zu fördern. ~ Am Mittwoch, den 23. April, fand im Gemeindehause die Generalversammlung desIsrae - litischen Frauenvereins unter dem Vorsitz der Frau Gutmann statt, die zuerst einen Bericht über die segensreiche Tätigkeit des Vereins erstattete und dann von den neuen Aufgaben sprach, die der Verein zu erfüllen habe. Nachdem Frau Schwarzschild den Kastenbericht verlesen, der einen interessanten Einblick in die vielestaltige Vereinsarbeit bot, wurden die biserigen Vorstandsmitglieder einstimmig wieder gewählt. Der Verein für jüdische Gemeindeangelegenheiten hielt am Donnerstag, den 6. Mai, im Oberen Museum seine Mitglieder-