Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- I (1924-1925)
- Issue
- 2 (15.5.1924)
- Date
- 1924-05-15
- Page
- Seite 19 (sequence 3)
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süchtigen Zwecken mißbrauchen, sondern daß fie über den Parteien stehen, sich keiner Richtung gedankenlos verkaufen, sich nicht aus falschem Ehrgeiz irgend einer Partei verschreiben, sondern „uneigennützig" ohne Rücksicht auf ihr Mandat, ohne Spekulation auf den Beifalljder breiten Masse ihr Amt führen, sich nicht von einem Grüppchen schleppen lassen, keine Parteipüppchen, sondern solche, die ohne Liebedienerei der Wahrheit dienen, auch wenn sie Herrn Hinz und Kunz nicht gefällt. Werden die Juden des Landes nach diesen Grundsätzen wählen, dann werden die Wahlen zum Segen der Gesamtheit auSfallen. Daist aber nur möglich, wenn kein Wähler und keine Wählerin am 18. Mai an der Urne fehlt. Tue jeder an diesem Tage seine heilige Pflicht! Zum Wvchenfest. So betete Habakuk der Prophet: Ich hörte bebend Deiner Stimme Klang — Im Zorn gedenke de- Erbarmens, Herr, Und offenbare Dich ein zweites Mall Du kamst von Teman einst, von ParanS Berg — Der Himmel flammte und die Erde war Lichtüberstrahlt, es glüht' der Sonnenball — Wie Blitze sprühn - ein Abglanz Deiner Macht! Dein Flammenodem wehte durch die Welt, Der Erdball wankte und was auf ihm war. Die Berge stürzten krachend in den Grund. In Angst und Bangen barg sich KuschanS Zelt, In MidjauS Hütten hauste blinde Furcht! Bestiegst Du, Herr, daS kriegerische Roß, Weil gegen Strom und MeerDeinZorn entbrannt? Nein, um Dein Volk zu schirmen zogst Du aus. Um den zu retten, den Du einst geweiht. Deshalb verwehtest Du des Feindes Haus Und rissest seine Mauer nieder bis zum Grund. - Ich hab's erlebt, noch zittert mir das Herz, Ich hab's geschaut, noch bin ich schreckensblaß. Die Lippe zuckt, es zittert mir der Fuß — Drum harre ich getrost und still der Zeit, Da meine Not vorbei und da der Feind Besiegt, der wieder Israel bedrängt! Wenn auch die Feige keine Blüte treibt Und wenn der Weinstock keine Reben trägt Und die OÜve jämmerlich verdorrt. Wenn auch daS Brot nicht auf den Fluren reist. Wenn auch daS Schaf verendet auf der Trist Und wenn die Rinder sterben in dem Stall - Ich juble und ich jauchze doch Dir zu Und ich bin selig in dem Herrn des Heils. Gott meine Kraft, Du machst mich jugendstark Und führst mich aufwärts zu deS Glücke- Höhn! Darum tönt Dir allein mein Saitenspiel. lHabakuk, Kap. 3.) Gedanken und Anregungen. Die FamtttengrLher auf htm israelitischen Friedhof 1« «tuttgarl. Bon jeher war es hier wie überall üblich. mehrere zusammenhängende Grabplätze Gemeindemitgliedern als Familiengrabstättea zu überlassen. Bereitauf dem alten israelischen Friedhof befinden fich über hundert Jahre alte Gräberanlagen für Familien. Es war daher keine Neuerung, als das Borsteheramt auf Vorschlag der ^Friedhofskommisfion am 18. Februar 1920 zu dem Beschluß kam, Raum zur Anlage von Familiengrabstätten entlang der Hecke bereitzustellen, die den israelitischen Friedhof vom allgemeinen trennt. Diese Grabplätze sollen den Familien nicht zu freier Wahl überlassen, sondern eintretendenfalls t der Reihe nach abgegeben werden. Am 13. Oktober desselben Jahrewurde dieser Beschluß unter der ausdrücklichen Feststellung bestätigt, daß die Einrichtung von Familiengrabstätten nur dem bisher üblichen Brauche der Berettstellung von Reservegräbern für Familienmitglieder eines Verstorbenen entspräche. Die Sachverständigen, die Herren Prof. Pazaurek und Stadtbaurat Muß-! mann, stimmten dem für diese Grabstätten vor-- gesehenen Raume zu und empfahlen zugleich die > Schlußseite am Ende des Friedhofs als besonders! geeignet für daS geplante Ehrendenkmal, durch dessen Erstellung der Friedhof hier einen künst-! lerischen Abschluß finden würde. Der Erlös für! die Familievgrabstätten sollte dem Fonds für den Erwerb deS neuen Friedhofs zugeführt werden, I sodaß durch den Verkauf dieser Familiengrabstätten eine wesentliche finanzielle Entlastung der i Gemeinde herbeigeführt würde. I In Verfolg der eingehenden Vorbereitungen ist dann im vongen Jahre nach dem Vorschläge deS > Herrn StadtbauratS Wetze! die gärtnerische An-! lagederRandteile.derWegeusw. beschlossen worden, ' die für diesen Teil deS Friedhofs vorgesehen find, i Bereitjetzt können nach den in der Gemeindepflege auSliegenden Bestimmungen Familiengrabstätten erworben werden. , Beiträge zur Geschichte der Juden in Württemberg. " Dt« ««schichte der Inden t» Wettert heim. Weikersheim, die alte Residenz der Fürsten von Hohenlohe, liegt in der Talebene der Tauber zwischen Rothenburg und Mergentheim nicht allzuweit von Widqburg. ES war also natürlich, daß ein reger Verkehr zwischen WeikerSheim und! Mergentheim, Würzburg und Rothenburg stattfand. Am 16. Januar 1637 schenkte der Kaiser die Graffchast Hohenlohe dem Deutschorden. Der DeutschordenSkomthur Hans Joachim von Epb, der alS Oberamtmann in Weikersheim rrfidiertt, nahm in Weikersheim, Hollenbach, Hohebach und Elpersheim die eissten Juden auf. Die Juden Mosche und Mannaß erhielten am 11. November 1637 einen Schutzbrief auf 3 Jahre.. Sie find die eigentlichen Stammväter der israelitischen i Gemeinde zu Weikersheim.