Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- I (1924-1925)
- Issue
- 1 (15.4.1924)
- Date
- 1924-04-15
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Belongs to
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iUiaj'J.MJP konnte, und bit vor allem die kleinlichen Vorurteile seiner Zeitgenoffen innerlich längst überwunden hatte. Sein Rat Enzlin und der damals am Hofe des Herzogs als Ingenieur tätige jüdische Mathematiker Abramo Colorni aus Mailand empfahlen ihm im Interesse des Landes, die Niederlassung der Firma Gabrieli & Comp, in Stuttgart zu gestatten. Das war allerdings kein kleines Verlangen, da seit 1488 keine Juden mehr in Stuttgart gewohnt hatten, und .sowohl Graf Eberhard im Barte das Ersuchen ReuchlinS wie Herzog Ulrich (1490-1550) und Herzog Christoph die Fürsprache Joselmanns von Rosheim, Juden in Württemberg aufzunehmen, entschieden abgelehnt hatten. Um so bedeutsamer war es, daß Herzog Friedrich trotz der Einsprache seines Hofpredigers Dr. Lucas Osiander vom 13. März 1598 und trotz der Vorstellungen des Landstandes die Aufnahme Magginos mit sieben ■ weiteren Personen in Stuttgart erlaubte. Dr. Osiander, der von der Kanzel gegen die Juden ge- , predigt hatte, wurde vom Herzog abgesetzt, und der Landftand erfuhr eine schroffe Zurückweisung seines Einspruchs. Maggino richtete in dem ihm vom Herzog angewiesenen „Armbrustschützenhause" am Marktplatz einen Gottesdienst ein, , der aber so starke Erregung hervorrief, daß sich der Herzog entschließen mußte, den Vertrag mit Maggino am 23. Mai 1598 dahin abzuändern, daß chm Neidlingen als Niederlassungsort angewiesen wurde. Drei Monate später verließ Maggino Württemberg. Die Unduldsamkeit des Landstandes und des Magistrats waren eben mächtiger als der Herzog. Maggino knüpfte von hier aus Beziehungen zu Herzog Karl UI. von Lothringen an, der nicht nur als Feldherr, sondern besonders als wellschauender Landesoerwalter in der Geschichte fortlebt. Hier hat Maggino endlich die Heimat und die ungehemmte Betätigungsmöglichkeit gefunden. Aus den Gemeinden Württembergs. Stuttgart. Vom 16.—18. März tagte in Stuttgart die Israelitische Landesversammlung, um die „Verfassung der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs in zweiter und dritter Lesung zu beraten und zu verabschieden. Die Versaffung wurde in namentlicher Abstimmung einstimmig angenommen. Sie tritt nach Genehmigung des Ministeriums des Kirchen- und Schulwesens ip Kraft. Die Referenten Ministerialrat Dr. Hirsch, Rechtsanwälte Dr. Lepman, Dr. Wolf, Dr. Gumbel (Heilbronn), Rabbiner Dr. Berlinger (Hall), Hauptlehrer Preßburger (Creglingen) hatten die einzelnen Teile der Verfassung sorgfältig vorbereitet. Der Vorsitzende (Julius Rothschild) dankte ihnen, dem Präsidenteil Dr. von Bälz und dem Schriftführer (Vorsänger Adler-Cannstatt) für ihre im Dienste der Gesamtheit geleistete Arbeit. Nachdem Rabbiner Dr. Straßburger lUlm) dem Vorsikenden und ^— . .. -. : . . seinem Stellvertreter (Rechtsanwalt Hagum- Tübingen) für die gerechte Leitung der Verhandlungen gedankt hatte, beglückwünschte Regierungs- ^rat Dr. Nördlinger die Abgeordneten im Namen der Oberkirchenbehörde zu dem vollbrachten Werke und sprach die Hoffnung aus, daß sie zum Segen der Jsr. Religionsgemeinschaft WütttembergS und zum Heile des Vaterlandes gereichen möge. Infolge des Inkrafttretens des Gesetzes über die Kirchen und der damit zusammenhängenden Auflösung der Israelitischen Oberkirchenbehörde ist der um die Israeliten des Landes hochverdiente Präsident Dr. von Bälz mit dem 1. April seiner Stelle als Vorsitzender der Israelitischen Oberkirchenbehörde enthoben worden, die er seit dem am 1. Juli 1910 erfolgten Ausscheiden des Präsidenten Dr. von Hadermaß innegehabt hat. Dr. von Bälz, der bis dahin Regierungsdirektor beim Ministerium des Kirchen- und Schulwesens gewesen, wurde damals zum Ministerialdirektor ernannt und mit dem Nebenamt des * Regierungskommiffärs und Vorstandes bei der Jsr. Oberkirchenbehörde betraut. Unvergessen wird in der Geschichte der Israeliten Württembergs seine tätige Mitwirkung an der Versaffung vom Jahre 1912 und besonders seine Mitarbeit an dem Zustandekommen der neuen Verfassung der Jsr. Religionsgemeinschaft fortleben. Die Israeliten des Landes werden dem vornehmen und gerechten Manne, der in den vierzehn Jahren seiner Tätigkeit zahlreiche Beweise des Wohlwollens und der Fürsorge für die Gemeinden und ihre Beamten erbracht und sich unermüdlich für sie bei den Landesbkhörden eingesetzt hat, bleibende Dankbarkeit bewahren. Im neuangelegten Urnenhain auf dem israelitischen Friedhof fand am Dienstag, 18. März, die erste Beisetzung statt. Der Urnenhain, für den ein besonderes Feld des Friedhofs bestimmt ist, wird nach den sorgfältig ausgearbeiten Plänen hainartigen Charakter erhalten und dem gesamten Friedhof zu besonderer Zierde gereichen. Louis Heimann Wormser ist hier am 16. März im fast vollendeten 70. Lebensjahre verschieden. Der Verstorbene hat sich durch eine sechzehnjährige vorbildliche Wirksamkeit als Kassier der Waisen- und Erziehungsanstalt Wilhelmspfieb« ein Anrecht auf ein bleibendes Ehrengedächtms erworben. Der „Familienverein" kann in diesem Frühjahr auf ein fünfzigjähriges Bestehen zurückblicken. Am 22. März feierte er seine Jubelfeier durch ein überaus wohlgelungenes Kinderfest und einen sich anschließenden Gesellschaftsabend im „Stadtgarten". Das Kirchenvorsteheramt Stuttgart, der Zentralverein, die Loge, der Synagogengesangverein Cannstatt sprachen dem Verein ihre Glückwünsche aus, für die der Vorsitzende Leopold Sontheimer dankte. Ein flott gespieltes Festspiel t und ein Cabaret erhöhte die festliche. Stimmung