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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1924-04-15 · 1 (15.4.1924) · p. Seite 4

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
I (1924-1925)
Issue
1 (15.4.1924)
Date
1924-04-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
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P1" " 1 - - l»W l II ) - -«■—-w? Verein einen Rabbiner angestellt, der hinsichtlich Staatsangehörigkeit und Vorbildung den iu der Verfassung an alle württembergischen Rabbiner gestellten Anforderungen entspricht, so ist er berechtigt, bei Begräbnissen von Vereinsmitgliedern rituale Handlungen vorzunehmen, sofern ex sich den allgemeinen, für Begräbnisse erlassenen Anordnungen des Vorsteheramts unterwirft.; Die Rechtsverhältnisse der Rabbiner und Lehrer bleiben'nach wie vor in Anpassung an die für die Staatsbeamten geltenden Bestimmungen geregelt. Bei ihrer Anstellung, die Sache des Oberrats ist, ist nicht nur, wie seither, „auf die Wünsche der beteiligten Gemeinden tunlichste Rücksicht zu nehmen", vielmehr eine Mitwirkung der beteiligten Vorsteherämter bei der Auswahl .unter den Bewerbern vorgesehen. Trägt der Oberrät Bedenken, den Wünschen des Vorsteheramts zu entsprechen, so erfolgt die Besetzung durch den „Besetzungsausschuß", der aus dem Pr-sidenten der Landesversammlung, dem Präsidenten des Oberrats und einem weiteren von der Landesversammlung zu wählenden Mitglied besteht, das nicht Mitglied des Oberrats sein darf. Diese wiederum die Rechte der Gemeinden verstärkende Regelung entspricht zugleich dem Wunsch, die friedliche Wirksamkeit der geistlichen Beamten in ihren Gemeinden zu sichern. Beruht doch vor allem auf der Tätigkeit dieser Männer das innere Leben der Religionsgemeinschaft, fük das auch die neue Verfassung nichts sein kann als der Rahmen. Möge er sich als wohlgefügt erweisen und mit reichem, gesegnetem Inhalt ausgefüllt werden. Ministerialrat Tr. Hirsch. Zum Peßachfeste! „Schweifet. Gott wird für euch streiten" (2. Mose 14,14). Heilig Wort aus heiligen Tagen, das die Väter einst beglückt, "• tröste uns, wenn wir verzagen, wenn das Leid uns niederdrückt! Herr, dein Wort soll uns geleiten: „Schweiget, Gott wird für euch streiten!" Dürft das Leid nicht jedem zeigen, schließt es stille in das Herz! Wer im Leide ist, soll schweigen; adlig ist der stumme Schmerz! . Gott wird euch zum Siege leiten: „Schweiget, Gott wird für euch streiten!" Noch ist Nacht, der Tag ist ferne, der die Sklavenketten bricht; doch wir glauben an die Sterne und wir glauben an das Licht. Gott wird uns zum Lichte leiten: „Schweiget, Gott wird für euch streiten!" P. R. mm-11 nmmmti Gedanken und Anregungen. Gedanken über den Jngent»gotte«dienst. Wenn man sich über eine Sache „Gedanken macht", so steht es nicht gut um sie. Allsabbatlich finden zur gleichen Stunde, mit Ausnahme der Sabbate in den Ferien, an denen die Teilnahme ,-unserer Kinder am Morgengottesdienste der Gemeinde erwartet wird, im Gotteshause Jugendgottesdienste statt. Eine recht stattliche Zahl unserer Kinder hat sich gewöhnt, regelmäßig an „ihrem Gottesdienste" teilzunehmen, und es ist herzerhebend,die frischen Kinderstimmen die stammen Sabbatlieder singen zu hören und in die leuchtenden Augen der Kinder zu schauen, die dem Vottesworte lauschen. Sie kommen trotz Sturm und Wetter und bilden eine kleine Gemeinde, an der der himmlische Vater sicher sein Wohlgefallen hat. d Diese Gottesdienste wirken einen tiefgehenden versittlichenden Einfluß auf die Jugend aus. Sie bieten ihr am lebendigem Beispiel, was ihr der Unterricht theoretisch vermittelt. Sie sind die Verlebendigung des Unterrichts und damit seine wichtigste Ergänzung. ' Aber eins fehlt den Gottesdiensten unserer Jugend und zwar das beste — die Teilnahme der Eltern. Es kommt nur selten vor. dcD ein Vater oder eine Mutter bei der Jugendfeier erscheint und damit bezeugt, daß sie empfinden, daß es sich hier um eine heilige ernste Sache handelt. Die fehlenden Eltern hemmen, sicher ohne es zu wissen und zu wollen, den Einfluß dieser Gottesdienste. Ich glaube aber, daß sich Eltern, die den Jugendfeiern fernbleiben, selbst eine tiefe echte Freude versagen. Es gibt nach meiner Erfahrung gar nichts Köstlicheres, als mit einem Kinde über das im Gotteshause Gehörte und Erlebte zu plaudern. Eine solche Aussprache der Mutter oder des Vaters eröffnet Einblicke in die Kinderseele, die sonst nur selten einmal möglich sind. Die Anwesenheit der Eltern beim Gottesdienste ermöglicht zugleich die so sehr erwünschte persönliche Beziehung zwischen dem Religionslehrer und den Ettern. Im Anschluß an die Feier könnten ihnen die Eltern von dieser und jener Wahrnehmung, von dieser und jener Sorge berichten, die ihnen ihr Kind bereite-.. Dein Kind gehört dir nur, wenn du es kennst. Es gibt aber nur wenige Eltern, die ihr Kind wirklich kennen, weil sie die Augenblicke versäumen, in denen sichihres Kindes Seele austut wie die Blüte unter dem Sonnenstrahl. Der Jugendgottesdienst öffnet dir die Tür zu deines Kindes Seele, daß du tief, tief in sie hineinschauen rannst. Willst du nicht auch einmal an unserem Jugendgottesdienste teilnehmen? Mehr Ehrfurcht vor dem rodet Es ist eine feine feierliche Sitte, daß wir un» ftren Toten die letzte Ehre und zugleich die letzte Liebe erweisen, indem wir ihnen an ihren Bahren eine kleine halbe Stunde treuen ernsten Gehen-

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