Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz
- Volume
- 2 (1938 - 1939)
- Issue
- 3 (1.11.1938)
- Date
- 1938-11-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT POE DAS GEBIET DER RHEINPFALZ Seite 5 Jüdischer Kulturbund für die Pfalz. Im Oktober wurde die Winterspielzeit mit einem Liederabend in den 3 Ortsverbänden eröffnet. Wir freuten uns, in dem berühm» ten Bariton Ernst Lewin'Wolff den seelenvollen Interpreten deut« scher, italienischer, französischer und englischer Lieder und Arien gewonnen zu haben, der mit seiner prachtvollen Stimme die Zuhörer begeisterte und beglückte. Auch der Vortrag synagogaler Gesänge fand dankbare Aufnahme und erweckte in den Zuhörern eine weihevolle Stimmung. Um das gute Gelingen der Veranstaltung hat sich Herr Kapellmeister Max Sinzheimer, der den Sänger am Flügel feinsinnig begleitete, nicht weniger verdient gemacht. Beiden Künstlern wurde reicher Beifall zuteil. Der Liederabend bildete einen würdigen, verheißungsvollen Auftakt zu den weiteren Ver« anstaltungen, denen freilich ein stärkerer Besuch, ab es leider bei dieser ersten Darbietung der Fall war, zu wünschen wäre. Es schweben zur Zeit Verhandlungen mit dem jüd. Film« institut KoUNoa zu dem Zwecke, eine Tournee des Tonfilms „Jidl mit 'n Fidl" durch bayerische und badische Kulturbünde und auch eine Vorführung des Films in unserem Ortsverband zustandezu* bringen. Diese Veranstaltung ist für November in Aussicht genom» men. Im Dezember wird voraussichtlich der junge Geiger Gerhard Kandcr u. a. auch in dem Jüd. Kulturbund für die Pfalz gastieren. Noch immer stehen sehr viele Gemeindemitglieder außerhalb unseres Bundes und unseres Ortsverbandes und bedenken nicht, welch eine wertvolle Geist und Gemüt erfrischende und stärkende Kost sie sich durch ihr Fernbleiben selber vorenthalten und ver* sagen. Diejenigen Gemeindemitglieder, welche den herrlichen Liederabend miterlebt haben, sollten sich in den Dienst der Propaganda stellen und alle Außenstehenden dazu veranlassen, daß sie dem Kulturbünde wieder beitreten oder neu in ihn eintreten. Die Mit« gliedschaft erfordert wirklich kein Opfer an Geld, und es sollte jeder gern den kleinen Monatsbeitrag zahlen, mit dem er sich den Genuß bester künstlerischer und kultureller Darbietungen verschaffen und sich Stunden der Erholung und Erbauung bereiten kann. Anmeldungen nimmt der Vorsitzende jederzeit gern ent» gegen. Für die Ausstellung der Mitgliedskarte benötigen wir cm Lichtbild, ferner Geburtsdatum und «ort. Wir hoffen, daß zu Beginn des Monats November recht viele Gemeindemitglieder un< serer Aufforderung zum Beitritt Folge leisten werden. Mitteilung der Bezirksrabbinate Landau und Ludwigshafen. Erben werden gesucht! ' Vor dem Jahre 1844 ist ein gewisser Moritz Waller nach Arne» rika ausgewandert. Er war Jude. Seine Eherfau war Celia Waller, deren Mädchenname z. Zt. nicht bekannt ist. Der Ehemann Moritz Waller ist ungefähr 1816 in Bayern geboren, die Ehefrau etwa 1818. Es wird mit Bestimmtheit angenommen, daß die Eheleute Waller ihre Ehe in Bayern geschlossen haben. Ein Sohn der Eheleute Persönliche Nachricht. Jüdische Auswanderer, die sich mit wenig Kapital eine Existenz im Ausland durch Erwerb von Lizenzen zur Herstellung und zum Vertrieb von Neuheiten schaffen wollen, mögen sich an die Redaktion wenden. > Julius Kohlmann, Neustadt Weinstr., Gustav Böhmerstr. 47 emp» fiehlt sich für Krankenversicherungen. COUCHES / DOPPELCOUCHES / SESSEL zeitgemäße Ausführungen, fachmännische Arbeit liefert Willi Strauß, Mannheim L. 14, 5. Telefon 26969 (Emil Blum Nachf. / Polster waren.) Ich bitte um unverbindlichen Besuch, oder verlangen Sie Prospekte. in genügendem Maß leben kann und vor allem sich nicht assi' milieren will, sodaß er also sich wieder nach dem Land wenden will, das Gott dem Abraham gezeigt, nach dem Land Kanaan. 1 Wir wollen an den Anfang des Satzes anknüpfen, der von Abraham das Schwere verlangt, der von*Trennung und Wanderung spricht. Mit Trennung und Wanderung beginnt die israelitische Volksgeschichte. Dieses Geschick hat sich im Lauf der jüdischen Geschichte oft wiederholt, vor allem indem das Volk zweimal aus seiner Heimat herausgerissen wurde und in die Verbannung ziehen mußte, was allerdings für die Judenheit selbst nicht als Heil be» zeichnet werden kann, nicht für sie zu ihrem Guten war, denn die Zeiten der Verbannung waren mit schwerem Leid ausgefüllt. Aber das Volk wußte sich selbst etwas Gutes bei dem ihm auferlegten Leid der Trennung von der Heimat zu bereiten; es nahm seine Religion mit, welche durch den wahren Gottesglauben ein Segen für die Menschheit geworden ist und welche in der Form, welche sie inzwischen in der jüdischen Gemeinschaft angenommen hatte, für diese ein Segen war und ihr das Heil bereitete, daß sie trotz 1900*jähriger Wanderung und Zerstreuung über die ganze Erde einen Halt hatte, durch die sie Kraft hatte, alle Leiden zu ertragen und sich die ganze Zeit über zu behaupten. — Das ist der Sinn des Satzes und die sich daraus ergebende Lehre. Es ist aber auch ganz besonders jetzt akut, da das Geschick der iuden in Deutschland in der Gegenwart wieder geworden ist: 'rennung und Wanderung. Auswandern sollen wir, dieses Los ist Waller war Moritz Waller, der ohne Nachkommen starb. Die Firma Paul Herrmann, Bankgeschäft in Heidelberg, Gartenstr. 1 hat den Auftrag, den gesetzlichen Erben des Samuel Waller zu suchen und bittet innerhalb beider Rabbinatsbezirkc darüber Nach« forschungen anzustellen: 1. Wann und wo die Eheleute Waller geboren wurden; 2. wann und wo dieselben heirateten; 3. wer die Geschwister der Eltern sind und deren Nachkommen, mit Angabc der genauen Personalien und Adressen derselben, so« weit letztere bekannt sind. Wir bitten die verehrlichen Kultusmitglicdcr der Rabbinatsbc zirke der genannten Firma Angaben zu machen, falls sie dazu in der Lage wären. Rabbinatsbezirk Landau/Pfalz Amtliche Mitteilungen des Bezirksrabbinate. Die Sprechstunden fallen bis auf Widerruf im Monat November aus. Meine Vertretung hat Herr Bezirksrabbiner Dr. Steckelmacher. Ludwigshafen, Bayernstr. 63 (Rufnummer 60780) übernommen. Bei dessen Verhinderung wolle man sich an Herrn Bezirksrabbiner Dr. Neilhaus, Pirmasens, Sandstr. 10 (Rufnummer 2346) wenden. Bewegung des Rabbinatebezirks: Sterbefälle: 10. Okt.: Herr Willy (Wolf) Steinern aus Landau. Ostring 36, 70 Jahre. 19. Okt.: Herr Selig Wiedmann aus Landau, Gerbersrr. 12, 93 Jahre. 23. Okt.: Herr Bernhard Marx aus Niederhochstadt. 77 Jahre. Auswanderung: Nach USA: Herr Paul Fried, Herr und Frau Albert Levy, Herr und Frau Leo Levy, Herr Peter Wolff (Sohn von Herrn Max Wolff), sämtliche aus Landau; Herr und Frau Ernst Weil, Herr und Frau Simon Stein, sämtliche aus Ingenheim; Herr Bär aus Schwegenheim , Herr und Frau Josef Kahn aus Albersweiler. Nach Luxemburg: Herr Samuel Maier, Herr und Frau Max Maier sämtliche aus Landau; Herr und Frau Salomen Abraham aus Arzheim. Wegzug. Nach München: Fräulein Lina Stern. Aus den Gemeinden. Aus Landau. » Statistik der Gemeinde Landau (einschl. Arzheim) nach dem Stande vom 1. Oktober 1938. Seelenzahl im Ganzen .......315 Hiervon stehen im Alter von: 1—10 10-20 20-40 40-60 60-70 über 70 Jahren 9 25 37 124 67 53 Einzelangaben: Zahl der minjanfähigen Männer............. 124 Witwen und ledigen Frauen........... 82 werktagsschulpflichtigen Kinder.......... 5 fortbildungsschulpflichtigen Kinder.......y. 6 Kinder unter 6 Jahren •........... 6 Familien................... 149 Zahl der Geburten in der Zeit vom l. Okt. 37 bis t. Okt. 38 . 1 Wohnungsänderung von Herrn Lehrer M. Zeilberger. Die Wohnung von Herrn Lehrer M. Zeilberger befindet sich jetzt in der Ludendorffstraße 9 I (Telefon wie früher: 2331). Letzter Elnsendungstermln für die nächste Nummer: 17. November. uns auferlegt, auswandern müssen wir. Die Wurzeln unseres Seins sollen wir durchschneiden; die Verbindung mit unserem Land, wie wir früher sagten, d. h. mit dem Land aufgeben, mit dem wir mein« ten durch gemeinsame Kultur verbunden zu sein; aus der Heimat, aus dem Land, in dem wir meinten heimisch uns fühlen zu dürfen * und Heimatsrecht auch erlangt hatten, sollen wir fortziehen; und leider müssen auch viele sich von ihrer Familie für einige Zeit, vielleicht manche für immer trennen. Als Trost möge jeder sich dabei selbst zurufen: Gehe zu deinem Guten, zu deinem Heil. Denn da unseres Bleibens hier doch nicht mehr sein kann, da hier nur Qual unser wartet, möge jeder, wenn auch ider Trennungsschmerz ihm noch so schwer erscheint, das Fortziehen als etwas Gutes betrachten, mit der Hoff« nung in die Ferne wandern, daß ihm dort ein besseres Los zuteil werde, daß er dort Heil finden möge. Möge aber auch jeder, wohin ihn das Geschick führt, in wel» ehern Land er weilt, sich selbst das Heil und Glück bereiten, sich selbst segnen zu lassen, indem er die Segnung unserer Religion auf sich wirken läßt. Möge er aber auch der Aufgabe, welche an Abraham gestellt wurde, bewußt bleiben, vor anderen, in der neuen Umgebung, sich als treuen und guten, als stolzen und aufrechten Juden zu erweisen und damit unserer ganzen Gemeinschaft und unserer Religion Ehre zu bereiten und zur Erfüllung der Erwartung Gottes beitragen: Sei ein Segen. Dr. Baron, Kaiserslautern.