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Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz · 1938-11-01 · 3 (1.11.1938) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz
Volume
2 (1938 - 1939)
Issue
3 (1.11.1938)
Date
1938-11-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR DAS GEBIET DER RHEINPFALZ Nr. 3 'i nisvcrweigcrungsrcchts und die Strafbestimmungen der §§ 277, 278 StGB, hinsichtlich der .Ausstellung ärztlicher Zeugnisse auf die zugelassenen jüdischen Aerzte ohne weiteres für anwendbar er* achtet. — Was die Titelführung anlangt, so wird es für zulässig erachtet, den Titel Dr. med. weiter zu Führen, und zwar auch bei denjenigen bisherigen jüdischen Aerzten, für die die auf Juden beschränkte weitere Betätigung nicht in Betracht kommt. Dali die jüdischen Aerzte, die für die Behandlung von Juden zugelassen sind, den Titel Arzt führen dürfen, ergibt sich aus det Verordnung vom 25. 7. 38 nicht. In den angeführten Ausführungen wird als denkbar bezeichnet, daß eine ministerielle Genehmigung zur Fuhrung des Arzttitels erfolgt, und zwar mit der Auflage der Führung eines Zusatzes, aus dem sich ergibt, daß es sich um einen jüdischen Arzt handelt. ' Teilnahme von Juden an der kastenärztlichen Versorgung. Der Rcichsarbeitsminister hat am 6. Oktober eine Verordnung über die Teilnahme von Juden an der kassenärztlichen Versorgung erlassen. Die Verordnung gibt die Möglichkeit, Juden, denen die Ausübung des Arztberufs nach § 2 der Vierten Verordnung zum Reichsbürgergesetz widerruflich gestattet ist, an der kassenärztlichen Versorgung Jüdischer Versicherter und deren jüdischer Familien« angehöriger zu beteiligen. Ihre Beteiligung kann nur mit Genen» migung der kassenärztlichen (Vereinigung Deutschlands <KVD) erfolgen. Deren Genehmigung kann jederzeit widerrufen werden. Während der Dauer der Ausübung der behandelnden Tätigkeit unterstehen diese Juden der KVD in gleicher Weise wie Aerzte. Soweit die besonderen Verhältnisse dies erfordern, kann die KVD ihre Rechte und Pflichten jedoch abweichend von den allgemeinen Vorschriften regeln. Die Verordnung tritt mit Wirkung vom 1. Oktober in Kraft. Neue Einwaniderungsbeitimmungen für Columbien. Der Hilfsverein der Juden in Deutschland teilt folgendes mit: Nach soeben eingegangenen Informationen hat die columbi« anische Regierung neue Einwanderungsbestimmungen erlassen. Ein Regierungsdekret vom 1. 10. 1938 bestimmt, daß das zur Einwände« rung erforderliche Landungsdepot verdoppelt wird; d. h. es beträgt nunmehr für Angehörige der mittel« und westeuropäischen Staaten 500 Pesos (» ca. 710 G. M.), für Angehörige der osteuropäischen Staaten 2000 Pesos (* ca. 2840 G. M.). Außerdem dürfen die colum» bianischen Konsuln keine Pässe Visieren, deren Inhaber nicht zur Rückkehr in ihre Heimat berechtigt sind, derartige Visa können viel* mehr nur ausnahmsweise auf Anordnung des columbianischen Aulyenininistcrs erteilt werden. Das neue Gesetz bedeutet zweifei« los eine Erschwerung gegenüber den bis vor einigen Wochen gelten« den Einwanderungsbcstimmungen; doch wird sich seine Bedeutung erst genau beurteilen lassen, wenn der volbtändigc Text des neuen Gesetzes vorliegt. Der Vorstand des Hilfsvereins der Juden in Deutschland sieht sich zu folgender Warnung gezwungen: Der außerordentlich starke Auswanderungsdrang und die zur Zeit beschrankten Einwanderungsmöglichkeiten haben in steigen« den Maße dazu geführt, daß von geschäftlich interessierter Seite Wege gewiesen werden, von denen es zum mindesten zweifelhaft ist, ob sie zu einem dauernden Aufenthalt im Einwanderungslande. fuhren, l'eberdies werden für den Nachweis solcher Wege häufig Beträge gefordert, die weder durch die aufgewandte Mühe, noch durch den Wert der Gegenleistung für den Auswanderer gerecht* fertigt sind. Es liegt deshalb im dringendsten Interesse jedes Auswanderers, vor Eingehung irgend welcher geschäftlicher Verpflichtungen die zuständigen Beratungsstellen des Hilfsvereins aufzusuchen. Hierdurch wird sowohl dem Interesse des einzelnen Auswar»* deren selbst gedient, wie auch der Erhaltung einer möglichst großen jüdischen Gcsamtauswahderung auf lange Sicht. Zum Wochenabschnitt v Nach dem Thorafreudenfest beginnen wir alljährlich wieder die regelmäßige ThoraVorlesung an xdcn Sabbathen. In den beiden ersten Wochenabschnitten lasen wir einiges aus der Urgeschichte der Menschheit und nun in dem dritten, der am ersten Sabbath, nachdem dieses Blatt in die Hände unserer Leser gelangt ist, ver* lesen wird, hören wir den Anfang der Lebensgeschichte Abrahams, des Stammvaters des israelitischen Volkes und werden damit in die Volks^cschichtc Israels selbst hineingeführt. Der Abschnitt be* ginnt:i „Der Ewige sprach zu Abraham: Gehe aus deinem Land, aus deiner Heimat, aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde; ich will dich zu einem großen Volk machen, dich segnen und deinen Namen groß machen; sei ein Segen." Eine ' schöne Verheißung wird hier Abraham gegeben und großes Gluck ihm versprochen. Allerdings wird ihm dazu eine schwere Aufgabe gestellt. Viel muß er zunächst aufgeben. Die malerischev Schilderung der Bibel, welche wir an vielen Stellen beobachten können und die nicht grundlos sich der oft getadelten Wiederholung und Häufung von Ausdrücken bedient, läßt hier so fein erkennen und nachfühlen, wie schwer Abraham die Trennung, die ihm auferlegt wird, werden muß. Er soll von seinem Land, d. h. von dem Land, welches er durch Weilen in ihm von seiner Jugend bis zum Mannesalter, durch das Verwurzeltsein in seinem Die Schulabteilung der Reichs Vertretung teil mit: Das Landschulheim Herrlingen (bei Ulm a. D.), das unter Leitung von Hugo Rosenthal ein wertvolles Glied des jüdischen Erziehungs* werkes in Deutschland geworden ist, stand bis vor kurzem in Ge* fahr, wegen des plötzlichen durch die Auswanderung der Eltern bedingten Abgangs einer größeren Anzahl von Schülern bereits Ende November schließen zu müssen. Durch das Eingreifen der Reichsvertretung und der süddeutschen Landesverbände ist es ge« lungen, die Weiterführung des Landschulheims sicher zu stellen. Das Landschulheim ist in Ider Lage, noch eine gewisse Anzahl von Schülern aufzunehmen. Anfragen sind an die Leitung des Land« schulheims Herrlingen zu richten. Zum Tode von Emanuel Kirschner. Am 28. Sept. entschlief Emanuel Kirschner, der Jahrzehnte in der jüdischen Gemeinde München als 1. Kantor und Religions« lehrer gewirkt hat. Mit ihm sinkt ein Zeitalter ins Grab. Emanuel Kirschner hat ab Vorbeter und Lehrer die Gemeinde fast zwei Menschenalter begleitet. Seine Kunst und seine feine Menschlichkeit standen bei den Mitgliedern Unserer Gemeinde in gleicher Weise die fast sechs Jahrzehnte seines Wirkens hindurch in hohem Arv sehen. Er hat dem ersten und dem letzten Gottesdienst in der großen Synagoge durch sein Gebet die Weihe gegeben. Trauernd steht die jüdische Gemeinde München an dem Grabe ihres Lehrers und Scholiach»Zibbur. Seine Kunst auf dem Gebiet der Synagogen« Musik und seine besonders vorbildlichen jüdischen Wirksamkeit in München über ein halbes Jahrhundert wird unvergessen bleiben. Aus der Pf all Auswandererberatung. \ * Die Sprechstunden des Auswandererberaters finden für die Juden in der Pfalz in Mannheim E 7, 28 Dienstags und Freitags von 9.30 bis 12.30 Uhr statt. Sprechstunde in Kaiserslautern. Am 8. November, nachmittags 3 bis 6 Uhr findet in Kaisers« lautern, im Raum des zionistischen Ortsverbandes, Marktstr. 37 (Rückgebäude) eine Sprechstunde /des Auswandererberaters statt Besucher aus Kaiserslautern selbst werden gebeten erst ab 1 j5 .Uhr die Sprechstunde zu besuchen. Sprechstunde des Hilfsvereins in Landau. Die Sprechstunde des Auswandererberaters in Landau am 24. Oktober wurde von 24 Personen besucht Jüdisches Krankenhaus in Mannheim und ärztliche Betreuung. Wir teilen mit, daß das jüdische Krankenhaus in Mannheim nach wie vor den pfälzischen Juden zur Verfügung steht Die Sprechstunden der für Mannheim für die Behandlung von Juden zugelassenen jüd. Aerzte finden statt: Collinistr. 47 51: Prof. Dr. Weil, Chirurg: 11—12 Uhr, Gartengeschoß. Dr. A. Wolff, Frauenarzt: 14.30—17 Uhr, Gartengeschoß. Dr. Fuchs, Internist: 11—12 Uhr, Erdgeschoß. Dr. Marx, prakt. Arzt: 15.30—17.30 Uhr: Erdgeschoß. Neue Praxisräume der jüdischen Aerzte in Karlsruhe. Die zugelassenen jüdischen Aerzte üben die Praxis nicht mehr in ihren Wohnungen aus, sondern bis auf weiteres in der seitherigen Privatklinik Dr. Mayer, Stefanienstraße 66. Es halten Sprechstunden: Dr. Johanna Maas, Montag bis Freitag, 9—10 Uhr vormittags. Dr. Paul Mayer, Montag bis Freitag, 3—5 Uhr nachmittags. Dr. Max Neumann. Wird noch bekanntgegeben. Die Aerzte sind während der Sprechzeiten telefonisch unter Nr. 656 zu erreichen, außerhalb der Sprechzeiten: Dr. Paul Mayer, Tel. 5161, Dr. Max Neumann, Tel. 3, Dr. Johanna Maas, Tel. 645. Boden als sein Land bisher betrachtet hatte, fortziehen; er soll sich von seiner Heimat loßreißen; er soll das Elternhaus, in wel* chem zwar nicht mehr sein Vater aber seine Familie lebt, aufgeben. Um ihm den Trennungsschmerz etwas zu erleichtern, heißt es im Anfang des Auftrages: Lech'lecho, was man wörtlich übersetzen müßte: „gehe für dich" und das die Weisen erklären: „Gehe zu deinem Guten." Denn ein weiterer Aufenthalt in der heidnischen Umgebung hätte für diese Persönlichkeit, welche schon von früher Jugend an, wie zahlreiche Legenden des Midrasch dartun wollen, eine andere Auffassung von der Gottheit hatte, nur den einen Gbtt als den wahren anerkannte und sich gegen die götzendienerische Anschauung der Umwelt auflehnte — man möchte sagen, sich nicht ihr hierin assimilieren konnte —, hätte für Abraham einen Zwiespalt des Herzens und der Seelenqual bewirken /müssen, ihn nicht das versprochene Heil erlangen lassen, vor allem ihn nicht zum Segen für andere werden können. Wir wollen jetzt nicht Abraham weiter auf seinem Zug nach Kanaan verfolgen und nicht tragen, ob er und seine Nachkommen der Autgabe gerecht geworden sind und ob die Verheißung sich erfüllte: ich will dich zu einem großen Volk machen. Nur da* hindeuten wollen wir, daß den Auftrag heute wieder jeder durch« drungene Zionist zu vernehmen glaubt, sich loszureißen von seiner Umgebung und die Verwurzelung in dem Boden, auf welchem er bisher geweilt, zu durchschneiden, weil er seiner Idee hier nicht

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