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Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz · 1938-11-01 · 3 (1.11.1938) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz
Volume
2 (1938 - 1939)
Issue
3 (1.11.1938)
Date
1938-11-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR DAS GEBIET DER RHEINPFALZ Nr. 3 In tiefem Schmergeben wir Kenntnis, daß nach langem, mit großer Geduld und Gottergebenheit ertragenem Leiden unser früherer erster Kantor und Rcligionslehrer Herr WILLY STEINEM im 71. Lebensjahr, am zweiten Abend des Hüftcnffcstes, entschlafen ist. Der Heimgegangene hat durch seine gottbegnadete Stimme unsere Gemeinde mr Andacht geführt, durch seine l 'eberzeugurtgstretie die Keime jüdischer Frömmigkeit in dk Herzen unserer Kinder gepflanzt, durch sein gütiges Wesen sich die Liebe und Anhänglichkeit aller Gemeinde* mitglieder erworben. Er wird bei uns in ehrendem und dankbarem Andenken fortleben. Landau Pfalz, 11. Oktober 1938. Die Verwaltung der isr. Kultusgemeinde Landau Pfalz: Artur Schwarz. Personenstandsänderungen. Hierdurch fordern wir alle Gemeindemitglieder auf, alle ihnen bekannt gewordenen Zuzüge, Wegzüge, Umzüge und Geburten der Gemeindeverwaltung schriftlich mitzuteilen. Die Gemeinde bedarf dieser Meldungen zur Erhaltung ihrer Mitglicdcrkartei und sonstigen Verpflichtungen der Be* hördc gegenüber dringend. Verwaltung der isr. Kultusgemeinde. Gemeindebibliothek., Die Bücherausleihe findet jeden Dienstag von 17 Uhr bis 18 Uhr im Bibliothekzimmer' des Gemeindehauses, Schützen* glast 4, statt. Die Ausleihe ist kostenlos und für jedes Gemeinde* mitglicd des Rabbtnatsbezirks Landau bestimmt. Spenden in Form von Geld und unterhaltenen Büchern werden dankbarst angenommen. Frauen: Che wrah. Die Leitung der Frauen« Chewrah»Kadischa hat Frau Tilla I lirNch. Rhcinstr. 23, übernommen. Zum Hinscheiden von Herrn Willy Steinern. Am 10. Oktober ist Herr Willy Steinern nach schwerem, mit Geduld und Gottcrgchcnhcit ertragenem Leiden, gestorben. Herr Steinein, der" seit drei Jahren nach einer 45 jährigen Tätigkeit als K.uitor und Lehrer in unserer Gemeinde im Ruhestand lebte, besaß eine herrliche Stimme, die mit besonderem Metall und Schmelz begabt war, und welche vor Jahren für die israelitische Ge» meindc Nürnberg ein Anlaß gewesen ist, Herrn Steinern als Kantor an die dortige Synagoge zu berufen. Herr Steinern jedoch lehnte diesen Ruf ab und zog es vor einer von vielen Gemeindemitgliedern unterzeichneten Bitte Folge zu leisten und seine Tätigkeit in der Landauer Gemeinde fortzusetzen. Beredten Ausdruck seiner allgemeinen Beliebtheit, die er sich wahrend seiner Amtstätigkeit hier erwarb; waren die Ehrungen, die ihm anläßlich seines 70. Geburtstages vor wenigen Monaten aus allen Kreisen der Gemeinde zuteil geworden sind. Auch die Beisetzungsfeier versammelte noch einmal viele ehe» maligen Schüler und zahlreiche Freunde um seine Bahre. Die Trauerpredigt schilderte Herr Steinern als einen Menschen, der trotz vielfältiger Schicksalsfügungen in seinem Berufe als Scholiach Zib» bur und als Lehrer stets vor seinem Gotte stand und in, seinem Leben und Wirken sich stets Gott verantwortlich fühlte, wie er aber durch sein gottergebenes Erdulden und Ertragen des körnerlichen Siech' tums, im Erdulden und Ertragen schwersten Geschicks, wiederum zum Lehrer für unsere Generation geworden ist. Der Vorsitzende der isr. Kultu.sgemcinde, I lerr Artur Schwarz, rühmte Herrn Steinern als pflichtgetreuen Beamten, dem die Gc meindc für seine Dienstleistungen zu ständigem Dank verpflichtet sei. und bestätigte noch einmal die Wertschätzung, die Herr Steinern allenthalben genossen hat. Herr Lehrer Max Zeilberger überbrachte im Aufträg der Vereinigung der Kantoren und Lehrer der Pfalz und des jud. I.ehrervereins in Bayern die letzten Abschiedsgrüße. Er schilderte Herr Steinern in herzlichen Worten als den aufrich» (igen Freund und Kollegen innerhalb der beiden Verbände wie auch bei elcr Tätigkeit, die ihn mit Herrn Steinern während seiner hiesigen Amtstätigkeit verbanden. — Die würdige Feier wurde durch das Largo von Händel, gespielt von Frau Alice Weiß, und durch das Lied „Ueber den Sternen", gesungen durch den Synagogenchor Landau, musikalisch umrahmt. Zum Tod von Herrn Selig Wiedmann. Am 19. Oktober verstarb der Nestor unserer Gemeinde, Herr Selig Wiedmann, der bei seinen Kindern, Enkeln und bei seinem Urenkelchen im Ruhestände lebte, im Alter von 93 Jahren. Ausge» stattet mit reichem Wissen hat er in der Pfalz in den Gemeinden Thaleischweiler und Essingen als Lehrer gewirkt. Bei seiner Bei» Setzung wurden in der Ansprache all die Verdienste gewürdigt, die sich der Heimgegangene als Lehrer, als vorbildlicher Familienvater und als strenggläubiger Jude erworben hat. Flerr Lehrer Zeilberger sprach im Namen der Vereinigung der Kantoren und Lehrer in der Pfalz an der Bahre herzliche Worte der Verehrung und den persönlichen Dank für all das aus, was er durch Herrn Lehrer Wiedmann an praktischer Lehrererfahrung und jüdischem Wissen gelernt hat. Ablösung an Stelle von Dankeskarten und Spenden. Ls spendeten: Herr Heinrich Levy anl. d. Auswanderung seiner Tochter Suse. I lerr Isidor Weil anl. der Auswanderung seines Sohnes Ludwig. Herr Albert Levy (Nordring 29) anläßlich der Auswanderung. Herr Leo Levy (Nordring 27) anläßlich der Auswanderung. 1 lerr Samuel und Max Maier anläßlich ihrer Auswanderung. Herr Salomon Ahraham, Arzheim, anläßlich der Auswanderung. Herr Max Dreifuß»Schwarz anläßl. des 90. Geburtstages seiner Mutter, Frau Babette Dreifuß. Aus besonderem Anlaß (Jahrzeit). , Den Spendern wird herzlichst gedankt. Auswanderung von Frau Toni Maier. Im Oktober wanderte Frau Toni Maier mit ihrem Gatten nach Luxemburg aus. Frau Maier gehörte zu den wenigen Men» sehen, die, ohne ein Amt auszufüllen, sich selbstlos und restlos in den Dienst einer Sache stellen können. Sei es in der soz. Arbeit für die jüd. Armen,- oder als Mitglied des Vorstandes der Ortsver» einigung Landau des jüd. Kulturbundes, oder sei es im Synagogen* chor, überall hat sie ihr bestes geleistet und keine Zeit und keine Arbeit hinderte sie, wenn es galt, für eine jüd. Sache da zu sein! Besonders muß ihr reges Interesse am Synagogenchor hervorge hoben werden, dessen Bestandsmöglichkeit sie mit all ihren Kräften unterstützte. Nicht vergessen werden die einzelnen Solis von allen, die das Glück hatten sie zu1 hören, sei es das .Haschiwenu' oder zur Seelenfeier das Lied „Seele, was betrübst du dich',' oder den „Segen" von Sulzer. Bei allen hinterließ ihr Gesang durch ihre klangschöne Stimme und durch Beseeltheit des Vortrags immer tiefsten Eindruck. Ihre Auswanderung reißt in unserem Chor und darüber hinaus bei vielen Gemeindcmitgliedern und besonders bei der Jugend, die ihre „Tante Toni" verlieren, eine große Lücke und unser aller Wunsch ist, daß es ihr mit ihrem Gatten gelingen möge, im Ausland sich wieder eine Lebensexistenz aufzubauen. M. \ 75. Geburtstag. Am 27. November begeht Frau Mathilde Schloß, geb. Heymann, Nordring 17, ihren 75. Geburtstag. Wir wünschen der Jubilarin einen sonnigen Lebensabend und Gesundheit und Frische —■ »••« i »»—>♦«•>»> — v»*"> . _ >s _ Abschied. Da es mir nicht mehr möglich war, mich zu verabschieden, rufe ich allen meinen Bekannten und Freunden ein herzliches Lc* bevyohl zu. Ludwig Weif. Dank. Für die mir anläßlich meines 90. Geburtstages erwiesenen Auf» merksamkeiten, insbesondere seitens der isr. Kultusgemeinde Landau, sage ich meinen innigsten Dank. Frau Bab. Dreyfuß. Aus Arzheim. I lerr Samuel Abraham und Frau sind nach Esch»Alzette in Luxemburg zu ihren Kindern ausgewandert, um dort ihren Lebens» abend zu verbringen. Mit Dank quittieren wir einen Betrag, wel» chen er uns für die Armen, die ihm stets am Herzen lagen, übergab. Möge der Allmächtige das Ehepaar Abraham beschützen A. J. Aus Albersweiler. \ 1 lerr Josef Kahn wanderte mit seiner Familie im vergangenen Monat nach USA aus; Er war mehrere Jahre hindurch 1. Vor» sitzender der isr. Kultusgemeinde Albersweiler und hat dieses Amt zur Zufriedenheit aller Gcmeindemitglieder verwaltet. Wir wün» sehen ihm auf seinem Lebenswege alles erdenklich Gute. Aus Rülzheim. Wenn ein Fremder, der die religiöse Einstellung in Rülzheim nicht kennt, an den hohen Feiertagen einem hiesigen Gottesdienst beigewohnt hätte, wäre er dem äußeren Eindrucke nach sicher zu der Ueberzeugung gelangt, in eine orthodoxe Gemeinde geraten zu sein. Der Vorhang des Araun hakaudesch, die Mäntelchen der Sifre Tauroh, die Decke des Almemor in Weiß, die Betpulte waren mit weißen Deckchen belegt und die Baale batim hatten ihr Sar» genes angelegt. Bei den Gebeten, die abwechselnd von dem Kantor und von den Herren Jul. Haas I, Jul. Feibelmann und Dr. Kahn vorgetragen wurden, beteiligte sich die Gemeinde weitgehendst unef wurde auch besonders durch die traditionellen und weithin berühmten Rülzheimer Niggunim dazu angeregt. Hierbei soll auch des Schofarblasens von Herrn Jul. Schönberger gedacht werden, der jeden einzelnen Ton klar und mühelos hervorbrachte und mit großer Andacht die dazugehörigen B'rochaus sang. Allerdings hätte sich besagter Fremder durch die Pausen, die jeweils zwischen Schachriss und Mussaf eingelegt wurden, sehr in seiner Andacht beeinträchtigt gefühlt, zumal damit gegen die Vorschrift des Schul» chan Aruch verstoßen wurde, die jede Unterbrechung, sogar die des Sprechens während des gesamten Schofarblasens, also durch das ganze Mussagcbct hindurch, verbietet. Er hätte als Gesamteindruck von Rülzheim mitgenommen, daß man dort zu beten versteht und

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