Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz
- Volume
- 2 (1938 - 1939)
- Issue
- 2 (1.10.1938)
- Date
- 1938-10-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/4903956-4931896-4932078--139-4904081- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 2 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR DAS GEBIET DER RHEINPFALZ Seite 5 darstellend, übefreicht. Der Unterzeichnete gedachte der großen Bemühungen und Verdienste von Herrn Theo Friedländer um den Kulturbund in den 3 Jahren seines Bestehens und damit um die Förderung und Pflege des geistigen Lebens in den Gemeinden Kai» serslautern, Landau und Pirmasens, in denen Ortsgruppen cinge» richtet sind. Mit den herzlichsten gegenseitigen Wünschen nahmen wir voneinander Abschied. Am 4. Sept. fand in Mannheim unter Leitung des Vorsitzenden des Jüd. Kulturbundes eine Besprechung statt, an der die Vorsitz zenden der drei Ortsgruppen unseres Kulturbundes sowie Vertreter zahlreicher Kulturbünde und »ausschüsse Badens teilnahmen. Es wurde allgemein dem Willen Ausdruck gegeben, entsprechend den Weisungen des Reichsverbandes der Jüd. Kulturbünde in Deutsch» land die ernste Krise zu überwinden und unter Verwendung von Mitteln, welche die Reichsvertretung zur Verfügung stellt, sowie durch Beschäftigung, von Künstlern, die 'der Reichsverband zu besonders günstigen Bedingungen den Kulturbünden (im Reiche anbietet, die Arbeit fortzusetzen. Man kam dahin überein, eine Interessengemeinschaft zu bilden, die es sich zur Aufgabe macht, Tourneen von Künstlern durch Baden und die Pfalz zu veranstalten und auf diese Weise eine Herabsetzung der Kosten für jeden ein« zelnen Kulturbund zu erreichen, die Höhe der Gagen und der Spe« sen mit den Einnahmen in.ein gesundes Verhältnis'zu bringen. Es wurden von der Leitung des jüd. Kulturbundes Mannheim Veranstaltungen musikalischer, literarischer und vor allem unterhalt« tender Art angeregt und hierfür eine Anzahl hervorragender Künst» ler in Vorschlag gebracht. In der Beratung über diese Vorschläge wurde ebenfalls eine Einigung erzielt und der Leitung des Jüd. Kulturbundes Mannheim die Aufgabe übertragen, mit den in engere Wahl gezogenen Künstlern die Verhandlungen zu führen, und Engagements abzuschließen. Für eine Tournee im Oktober d. Js. ist der berühmte Bariton Ernst Wolff, der unseren Kultur* bundmitgliedern bereits von früheren Darbietungen her als ein ausgezeichneter Sänger bekannt ist, und der sich anfangs November wieder auf eine Amerikareise begibt, in Aussicht genommen. Wir dürfen demnach schon in allernächster Zeit — die Termine für den Liederabend in den einzelnen Ortsgruppen werden noch be» kanntgegeben — einen erlesenen Kunstgenuß erwarten. Alle Kri« tiken des In» und Auslandes Stimmen darin überein, daß Ernst Wolff über eine prächtige, modulationsfähige Stimme verfügt und mit seiner Sangeskunst die Zuhörer entzückt und begeistert. Erholung und Erbauung den Mitgliedern zu vermitteln, ist die Aufgäbe des Kulturbundes, Uns allen tun Stunden der Freude und der seelischen Entspannung dringend not. Der Jüd. Kulturbund für die Pfalz will sie gern allen Gemeindemitgliedern bereiten. Wir richten daher an alle noch außenstehenden Juden in den Gemeinden Kaiserslautern, Landau und Pirmasens und in den benachbarten Gemeinden den eindringlichen Appell, vollzählig und ohne Rücksicht auf augenblickliche Lust oder Unlust dem Kul» turbund beizutreten. Sorgen, die uns alle bedrängen, dürfen dem Wiederbeitritt und dem Eintreten neuer Mitglieder nicht im Wege stehen. Auch Auswanderungsabsichten und »Vorbereitungen soll» ten keinen ausreichenden Grund abgeben sich fernzuhalten. Soll der Kulturbund seine Aufgabe der Ablenkung voniden Alltags« sorgen erfüllen und wenigstens einmal in jedem Monar^der Winter» Spielzeit eine künstlerische Veranstaltung, als unentbehrliche see»1 lische Nahrung bieten, dann muß erwartet werden, daß alle die« jenigen Gemeindemitglieder, welchen noch ein kleines monatliches Opfer zugemutet werden kann, sich einmütig zur Mitgliedschaft zur regelmäßigen Beitragsleistung verpflichten; wir sind gern be» reit, denjenigen Gemeindemitgliedern, welche nicht mehr leistungs» fähig sind, in den Kulturbund gegen einen ganz minimalen Bet» trag aufzunehmen oder ihnen sogar beitragsfreien Zutritt zu gewähren. Wir rechnen angesichts unseres weitgehenden Entgegen» kommens auf die finanzielle Hilfe der Gemeinde und ihrer Ver» waltung, die damit auch eine wertvolle Art von Wohlfahrtspflege ausübt, wie es nicht zuletzt zu ihren Aufgaben gehört, die kul« turellen Bestrebungen in ihrer Mitte zu fördern. Laßt uns alle, die Ortsgruppenvorstände, die Synagogenräte und die Gemeindemitglieder, unseren Teil dazu beitragen, da(> der Jüd. Kulturbund für die Pfalz erhalten bleibt und seine Arbeit den gan» zen Winter hindurch fortführen kann zum Segen für uns selbst, zu unserem geistigen und seelischen Wohlergehen! . Wieder» oder Neuanmeldungen nehmen die Vorsitzenden der drei Ortsgruppen jederzeit entgegen; die Angabe des Geburtsdatums und «ortes, sowie Beifügung oder Mitbringen des Paßbildes ist er« forderlich. Gemeindemitglieder, folgt unserem Rufe und tretet sofort ein in einer der drei Ortsgruppen Kaiserslautern, Landau, Pirmasens . Jüdischer Kulturbund für die Pfalz: * A i. A.: Dr. D. Nellhaus. f Zionistischer Gruppenverband. Mitte September trat der langjährige Vorsitzende des Landauer zionistischen Ortsverbandes, Herr Ernst Sender, von Mannheim aus, wohin er vor kurzem übergesiedelt war, seine Alijah an. Der zio« nistische Ortsverband und die ganze zionistische Bewegung der Pfalz verliert damit ihren aktivsten und bewährtesten Mitarbeiter. Sein stark ausgeprägtes nationales Selbstgefühl, sein dauerndes Stre« ben, dieses nationale Selbstgefühl bei Anderen zu wecken, gab ihm die Kraft, wieder und immer wieder Andere zur politischen Initiative mit. sich fortzureißen. Unermüdlich war sein Schaffen für das jüdische Volk und sein Kampf galt jedem Mangel an jüd. Sclbstwürde. Er arbeitete für das „eigene" Land, für sein Volk auf eigenem Cr und und Boden, für die Regeneration seines Volkes und manche Sicdelung in Erez Israel hat Bausteine, im wahrsten Sinne des Wortes, seiner Tatkraft zu verdanken. Wir begleiten den treuen Kämpfer und seine Frau auf ihrem Wege in die neue und doch uralte Heimat. Der zionistische Gruppenverband Baden, Württemberg, Pfalz. Der zionistische Ortsverband Landau Pfalz, Bericht über die Sitzung des Ausschusses des Israel. Altersheims für die Pfalz. Am Sonntag, den 31. Juli fand im Altersheim m Neustadt eine außerordentliche Ausschußsitzung statt. Auf der Tagcsord« nung stand als § 1: „Umbildung des Vorstandes." Der stellvertretende Vorsitzendes Professor Dr. K. Strauß leitete die Versammlung und gab den Erschienenen bekannt, daß des' langjährige, um das 'Wohl des Altersheims 'hochverdiente Von» sitzende, Herr Emil Bchr infolge seines vorgeschrittenen Alters und wegen eines kürzlich erlittenen Unfalles amtsmüde sei. •Vonseiten der Behörde wird Herr Lehrer Marx in Speyer als diejenige Persönlichkeit angesehen, welche am besten befähigt wäre, die bezeichneten Grundsätze in die Tat umzusetzen. Es wird weiterhin hervorgehoben, daß Herr Lehrer Marx sich gelegentlich der Bemühungen um die Erweiterung des Altersheims besondere Verdienste erworben habe. Herr Lehrer Marx wird von den Anwesenden einstimmig gewählt. — Hierauf gibt der Schatz»» meister, Herr Oberlehrer Waldbott davon Kenntnis, daß er mit dem Ende des laufenden Rechnungsjahres sein Amt als Rechnungs» führer niederlegen werde und schlägt als seinen Nachfolger Herrn Albert Mühlhauser in Speyer vor, welcher durch wiederholte Rechnungsprüfungen bereits Einblick in die umfangreiche Arbeit besitzt. Dieser Vorschlag fand allgemeinen Anklang, und Herr Mühlhauser erklarte sich bereit, den Posten ab 1. Januar 1939 zu übernehmen. Herr Lehrer Marx nahm noch Gelegenheit, .übe* seine Stellung zum Altersheim einiges auszuführen. Er sagte u. a.: Von der Schule komme er her, seine bisherige Arbeit habe der Jugend gegolten, und er habe sich nicht gedrängt zur Arbeit mit den Alten. Als das Projekt des Erwerbes eines Anwesens in Speyer gescheitert, sei es ihm gelungen, das Werk zu retten und die Erwei« tcrung des Heimes zu ermöglichen. Dadurch sei der Blick der Staats« behördc auf seine Person gelenkt worden, und nun könne er sich ihrem Willen nicht entziehen. Von außen her sei die Aufgabe an ihn herangetragen worden, und nun habe er den Wunsch, daß der 1 lerr ihn das Vertrauen der Beteiligten genießen lassen möchte. Wenn sich herausstellen werde, daß die auf ihn gefallene Wahl kein Mißgriff war, werde das sein höchster Lohn sein. Er wolle sich bemühen, das Amt so zu führen, daß er dasselbe zu einer spateren Zeit verlassen könne in dem Gefühl, seine Pflicht getan zu haben. Unter Bezugnahme auf eine Stelle im II. B. M. drückt er den Willen aus, mit der Jugend weiter zu gehen und nun auch den Alten zu helfen, daß sie der Jugend den Weg bereiten. Die Erweiterung des Altersheims sei genehmigt worden in der Voraussetzung, daß Leute darin Aufnahme finden, die durch ihr Hierbleiben der Wanderung im Wege stehen. Es sei daneben aber auch nötig, solchen Leuten eine Unterkunft zu gewähren, bei de« nen die Voraussetzung nicht zutrifft. Die Sorge für die Alten ent» spreche einem Gebote der Schrift, auf seiner Befolgung ruhe der Segen Gottes, dafür gebe das Altersheim das deutlichste Zeugnis, Mit der Bitte um bedenkenlose Gefolgschaft schließt Herr Marx seine Ausführungen. iUeber die Erweiterung des Altersheims wird noch bekannt ge* geben, daß ein Anbau in Neustadt behördlicherseits genehmigt sei, aber wegen dringlicher Bauten vorläufig zurückgestellt werdeni müsse. In der Zwischenzeit konnte ebenfalls mit behördlicher Ge« nehmigung im Rosenstiel'schcn Anwesen in der Fröbelstraße ein Filialbetrieb eröffnet werden, in welchem Platz für etwa 20 Per« sonen geschaffen werden konnte. Auch diese Möglichkeit ist $chon voll ausgeschöpft. Täglich laufen neue Aufnahmegesuche ein, die aber vorläufig wegen Platzmangel keine Berücksichtigung finden können. Mit dem Danke an die Anwesenden schließt der Vcrhand» lungslcitcr die Sitzung. -/ Persönliche Nachrichten. Jüd. Auswanderer, die sich mit wenig Kapital eine Existenz im Ausland durch Erwerb von Lizenzen zur Herstellung und zum Vertrieb von Neuheiten schaffen wollen, mögen sich an die Redaktion wenden. „ Julius Kohlmann, Neustadt Weinstralk, Gustav Böhmerstr. 47 empfiehlt sich für Krankenversicherungen. Das Altersheim in Neustadt benötigt raschest etwa 18 guterhaltene Stühle — für alte Leute passend — ferner einen größeren Aus» ziehtisch. Angebote! an I lerrn Lehrer Marx, Speyer a. Rh., Hauptstr. 31. — Evenll. Zusagendes wird vom Heim abgeholt, Wer hat eine gebrauchte aber guterhaltene Schreibmaschine abzu» geben? Angebote an die Redaktion des Blattes. In gepflegtem jüd. Privathaus finden ältere Personen (Ehepaare) Daueraufenthalt und sorgsame Betreuung. Anfragen an die Redaktion dieses Blattes. \