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Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz · 1938-10-01 · 2 (1.10.1938) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz
Volume
2 (1938 - 1939)
Issue
2 (1.10.1938)
Date
1938-10-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR DAS GEBIET DER RHEINPFALZ Nr. 2 durch dje Finanzamter die Steuern erheben lassen kann, sind sehr viele mit ihren Steuerzahlungen im Rückstand geblieben, was ohne Zweifel zur Folge haben wird, daß der Verband und mit ihm die Gemeinden in absehbarer Zeit ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können, sofern nicht hierin eine grundlegende Aen* derung eintritt. An Hand eines ausführlichen Rechenschafts* und Jahresberichtes, bei dem lediglich Tatsachen eine deutliche Sprache führten, zeigt Herr Kommerzienrat die vielfaltigen Aufgaben auf, die der Verband hinsichtlich des Kultus, Unterrichts und der Sozi» alen Fürsorge zu erfüllen hat. Herr StrauB*Ludwigshafen bestätigt die ordnungsgemäße Führung der Kasse; der Verbandsleitung wird durch die Mitglieder die Entlastung erteilt. Darauf referiert der Vor* sitzende über den Voranschlag für das kommende Geschäftsjahr, bei dem in ällcn Sparten größte Sparsamkeit geübt iwerden soll, dagegen, Wiehes die Zeit laufe mit sich bringen werden, hinsichtlich 'der Wohlfahrt alles getan werden müsse, um die nunmehr herein* brechende Not zu lindern. Nach diesen ausführlichen Darlegungen von Herrn Kommerzienrat Albert Joseph gibt Herr Landgerichtsrat a. D. Dr. Rosenberg einen Bericht über die Arbeit der Wohlfahrts« stelle des Verbandes. Er weist auf die im letzten Jahr stetig anstei* •:eiule Zahl der zu Betreuenden hin, daß die Verpflichtungen im kommenden Jahr unvergleichlich stärker werden .würden. Der Referent verbreitet sich auch über die Wanderungsmöglichkeiten, die durch die Konferenz in Evian, für die erste Zeit wenigstens, geringer statt stärker geworden sind. Der Voranschlag für das folgende Jahr beläuft sich auf 40000 Jt.H. Um diese Summe auf» zubringen, zeigt Herr Dr. Rosenberg einige Möglichkeiten auf, die dann in der Diskussion noch ergänzt wurden. Neben der recht» zeitigen Mahnung der Säumigen, wird die Anregung gegeben, daß die Auswandernden, auf die minimale Summe, die sie durch ein Sperrkonto erhalten würden, verzichten und den Betrag den jüd. Wohlfahrtseinrichtungen zur Verfügung stellen sollen. Herr Gustav Weil spricht im Namen der Anwesenden der Verbandsleitung und der Wohlfahrtsstelle den Dank der Versammlung für ihre Tätigkeit aus. Nach kurzen Erörterungen über die Notwendigkeit der Auflö« sung einzelner Gemeinden werden folgende Kultusgemeinden durch die Zustimmung der Gemeindevorstände und der zuständigen Be* zirksrahVncr aufgek-st: Altenbamberg, Billigheim, Busenberg, Dahn, Göllheim? Kleinhockenheim, Iggelheim, Niederkirchen, Rheingön» heim, Roxheim, Ruchheim, Wallhalbcn. Die durch das Gesetz vom 2S. Marz 193S über die Rechtsverhältnisse der jüdischen Kultus* Vereinigungen notwendige Satzungsänderung wird nach kurzer Be» sprechung angenommen. Herr Lehrer Marx liest die wichtigsten Sitzungen des neugegründeten Reichsverbandes vor. Durch die" Satzungsänderung ist eine Neuwahl des Vorstandes notwendig geworden. Das Vorstandsgremium ist in der ne\ien Sit» zung von 14 auf 11 Mitglieder reduziert worden. Herr Weil»Neu», stadt bringt einen Wahlvorschlag ein, der einstimmig angenommen wird. Es wurden somit gewählt: Herr Kommerzienrat Albert Joseph» Landau als Präsident, Herr Dr. Rosenberg'Frankcnthal als 2. Vor* sitzender, Herr Lehrer Märx»Spcycr als Schatzmeister, ferner setzt sich das Vorstandsgremium noch aus folgenden Herren zusammen: Herr Artur Schwarz»Landau (Ersatzmann: Herr Egon Rosenblum» Landau), Herr Moritz Maycr»Pirmasens (Ersatzmann: Herr August Kahn'l'irmascns), Herr Professor Koburger»Ludwigshafen (Ersatz» mann: Herr Gromhacher»Ludwigshafen), Herr Ludwig Strauß»Bad Dürkheim (Ersatzmann: Herr Dr. Strauß'Neustadt W.), Herr Ju» stizrat Dr. Leo Blüthe»Kaiserslautern (Ersatzmann: Herr Hermann Felsenthal'Kaiserslautern), Herr Albert Mühlhauser»Speyer (Ersatz* mann: Herr Dr. Kahn'Rülzheim), Herr Dr. Steckelmacher»Lud» wigshafen, Herr L. Bernstein»Zweibrücken. 1 Icrr Lehrer Marx referiert sodann über die durch den Erlaß des bayer. Kultusministeriums akut gewordene Frage des Besuches der Schule und das Schreiben in derselben an Sabbathen und Fest» tagen, wozu er einige wichtige Ratschläge gibt. Besonderen Hin» weis gibt er auf die Einrichtung des Sefer Sikaron, wodurch den in Liquidation befindlichen Gemeinden die Möglichkeit gegeben wird, durch Eintragung in ein Buch der Erinnerung, welches in der Na« tionalbibliothek zu Jerusalem aufbewahrt wird, ein ewiges An» denken zu sichern. Der für diese Eintragung aufgebrachte Betrag wird für die Gründung einer Siedlung Tel Sikaron, in welcher Juden aus Deutschland eine neue Heimat finden sollen, verwendet werden. Als Vorsitzender des Altersheims verspricht Herr Marx, daß in der Unterbringung der Alten getan werden soll, was getan werden kann. Nach einer einleitenden Erklärung seitens Herrn Dr. Rosenberg wird der Verband ermächtigt, über das Vermögen aller der Vereine, die nicht einer zentralen Reichsorganisation angeschlossen sind, sowie über die Verwendung diesesfVermögens. Rechenschaft einfordern zu können. Der der Versammlung anwohnende Beamte der Geheimen Staatspolizei weist u. a. darauf hin, daß bei allen Maßnahmen, welche der Verband treffe, er durch die Staatsbehörde gedeckt und unterstützt werden würde. j Zum Abschluß der Versammlung mahnt Herr Kommerzienrat Joseph in eindringlichen Worten, in den Gemeinden darauf zu dringen, daß allen finanziellen Verpflichtungen nachgekommen werde. In sichtlicher Bewegung und mit zu Herzen gehenden Ab' schiedsworten an alle diejenigen, welche im kommenden Jahre ihre Heimat verlassen werden und mit der Mahnung an alle, hier, und dort in der neuen Heimat ihre Pflicht zu «'füllen, schließt Herr Kommerzienrat Joseph die Versammlung. Metzger. Ludwig Strauß, Bad Dürkheim scheidet aus dem engeren Vorstand des Verbandes aus. In der Mitgliederversammlung des Verbandes vom 20. Sept wurde so Vieles und Wichtiges erledigt, daß eine Tatsache fasi unbermerkt blieb: Ludwig Strauß«Bad Dürkheim konnte bei der Neubildung des engeren Vorstandes nicht wieder gewählt werden. Mit der Geschichte des Verbandes ist der Name Ludwig Strauß unlöslich verbunden. Die erste Mitgliederversammlung vom 18. März 1917 wählte ihn in den Vorstand, die erste Vorstandssitzung vom 15. April 1917 delegierte ihn in den engeren Vorstand. Seit dieser Zeit gehörte er der Verbandsleitung als Mitglied an und es ist nicht Wichtiges im Verbände geschehen, woran er keinen Anteil genommen hätte. Seine Hauptfürsorge galt den Finanzen des Ver» bandes und wenn diese stets formell in guter Ordnung und sachlich in gesundem Zustand waren, so ist das in hohem Maße das Verdienst des Schatzmeisters des Verbandes. In den letzten 5 Jahren ist die Tätigkeit der Verbandsleitung eine besonders intensive und an)» strengende geworden. Ludwig Strauß fehlte bei keiner Sitzung und unterzog sich trotz seines hohen Alters willig auch allen sonstigen Anforderungen seines Amtes. Die pfälzischen Juden hatten das Glück in Ludwig Strauß nicht lediglich einen Funktionär, sondern eine Persönlichkeit zu besitzen, deren kluger Rat und aufrech* ter Sinn viel Gutes gewirkt hat. Seine Kollegen im engeren Vor* stand danken dem verehrungswürdigen Manne an dieser Stelle für' seine wertvolle Mitarbeit und Freundschaft und geloben ihm ihn nie zu vergessen. Sie wünschen ihm, der am 30. Oktober 1938 sein 83. Lebensjahr vollendet, ein gesegnetes Alter in gleicher Frische wie bisher: ad meo w'essrim schonol Dr. Rosenberg. Jüdischer Kulturbund für die Pfalz. Es ist für die jüdische Gemeinschaft kennzeichnend, daß sie gerade in Zeiten schwersten Druckes die Pflege des'geistig«kulru» rellen Lebens als Verpflichtung und als das beste Mittel zur seelil» sehen Stärkung und zur Ueberwindung aller Drangsale empfunden hat. Keine andere Haltung dieser Aufgabe gegenüber kann die Judenheit Deutschlands in der sorgenvollen Gegenwart und Zukunft einnehmen, und es liegt den verantwortlichen Männern und Frauen in unserer Mitte ob, den Bedürfnissen jüdischer Menschen, die vom Schicksal heimgesucht werden, auch hin* sichtlich der Erhaltung ihres Bildungsniveaus und der Versorgung mit einer Kost, deren das Herz bedarf, Rechnung zu tragen, ihnen allen unter den heutigen Lebensbedingungen seelische Winterhilfe zu leisten. Diese Auffassung veranlaßte im abgelaufenen Monat zwei Besprechungen, welche der Vorbereitung auf die bevorste» hende Winterspielzeit dienten. Am 1. September traten die Vorstände der drei Ortsgruppen im Jüd. Kulturbund für die Pfalz zu« s.immen und berieten über die technischen und finanziellen Mög» lichkeiten einer Fortführung der Bildungsarbeit und über die Mög« lichkeiten einer Zusammenarbeit auf künstlerischem Gebiete. Mit voller Einmütigkeit wurde die Ansicht vertreten, daß die Arbeit trotz des erheblichen Rückganges an Mitgliedern und Beiträgen wieder aufgenommen werden soll, um nicht das geistige und ge* seilige Leben in unseren Gemeinden verkümmern zu lassen. Frei* lieh muß in jeder Ortsgruppe die Erweiterung des Kreises der Mit* glieder, der Beitritt möglichst aller'Gemeindegenossen zum Kultur« bunde, sowie die finanzielle Unterstützung der Gemeindeverwal* tungen angestrebt werden. Die fseichsvertretung der Juden in Deutschland hat bereits in Erkenntnis der Notwendigkeit, die lei* stungsschwachen Kulturbünde eu erhalten, auch dem unsrigen angemessene Subventionen bewilligt. Auch unsere Verbandsleitung hat in den Vorschlag für 1938 39 einen Betrag für kulturelle Zwecke eingesetzt. Die Geschäftsführung im Jüd. Kulturbund für die Pfalz wurde dem Unterzeichneten übertragen. Zu den zahl*> reichen Angeboten, die uns von Künstlern und Konzertdirektionen vorliegen, wurde in der Besprechung noch nicht Stellung genom« men, vielmehr beschlossen, einer Einladung des Jüd. Kulturbundes Mannheim zu einer Programmbesprechung am 4. September Folge zu leisten und sich für die Vermittlung von Darbietungen unter Berücksichtigung der örtlich .'verschieden gelagerten Verhältnisse an ein größeres Ganze anzulehnen. , Im Anschluß an die Besprechung begaben sich die Vorsitzen» den der 3 Ortsgruppen in die Wohnung des bisherigen Geschäfts* führers Herrn Theo Friedländer, um ihm, der uns infolge seiner Auswanderung nach USA bald zu verlassen gedenkt, durch be* sondere Ehrungen die Anerkennung und den Dank für die von ihm geleistete Arbeit im Dienste des Jüd. Kulturbundes ifür die Pfalz gebührend zum Ausdruck zu bringen. Im Namen der Orts* gruppe Pirmasens überreichte ihm, der seit Beginn dem Bildungs* ausschuß angehört und in ihm aufs rührigste mitgewirkt hat, der Unterzeichnete eine Erinnerungsmappe, welche sämtliche Einla* düngen und Programme i zu den (künstlerischen und kulturellen Veranstaltungen in der Gemeinde Pirmasens in den Jahren 1934/38 enthält. Als Geschenk des Jüd. Kulturbundes wurde Herrn Fried* länder von dem Unterzeichneten eine Künstlcrmappe mit 12 farbig. Bildern des Malers Stanislaus Bender, jüdische Menschen mit ihren religiösen Interessen und Pflichten, mit ihren Nöten und 'Leiden

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