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Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz · 1938-07-01 · 11 (1.7.1938) · p. Seite 7

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz
Volume
1 (1937 - 1938)
Issue
11 (1.7.1938)
Date
1938-07-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 11 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR DAS GEBIET DER RHEINPFALZ Seite 7 nehmen und die sämtlichen Aufgaben und Pflichten der Chewra der Kultusgemeinde zu übertragen. In einer gemeinsamen Sitzung unseres Synagogenrates und der Vorstände des Jünglingsvereins hat sich der Synagogenrat zur Uebernahme bereit erklärt und auch die Mitglieder des Jünglingsvereins, deren Rechte nach wie vor gewahrt werden (Minjan bei ihren Jahrzeiten, Krankenunterstüt« zung und Unterstützung in den Trauerwochen — Schiwo) haben schriftlich ihre Zustimmung zur Fusion gegeben. In »den langen Jahren seines Bestehens hat der Jünglings' verein viel Gutes getan, insbesondere bei Krankheiten und Sterbe« fällen, und sich als eine kräftige Stütze des religiösen Lebens inner« halb unserer Gemeinde (Hoschanoh raboh« und Schowuos-Lemen, Jörn Kippur koton am Tage vor dem' Neumonde Adar und Elul, Lernen nach jedem Sabbatmorgen«Gottesdienste) immer erwiesen. Bei seinem hundertjährigen Jubiläum am 13. Februar 18% — in den Räumen der Restauration Maas fand ein reichbesetztes Festessen statt — sandte der Verein ein Ergebenheits*Telegramm an Seine Königliche Hoheit den Prinzregenten Luitpold von Bay* ern. Am nächsten Tage lief von München folgende Antwort ein: s,Seine Königl. Hoheit der Prinzregent lassen für die anläßlich der gestrigen Jubiläumsfeier des Jünglingsvereins Dürkheim in treuergebener Gesinnung dargebrachte Ovation allen Teilnehmern Allerhöchst Ihren huldvollsten Dank entbieten. Im Allerhöchsten Auftrag Freiherr von Zoller, Generaladjutant." — Das Telegramm ist seitdem unter Glas und Rahmen in unserem Gemeindezimmer angebracht. Ludwig Strauß, Bad Dürkheim. Persönliche Nachricht. Vertrauenswürdiger jüdischer Herr mit erfolgreicher Lehrtätigkeit unterrichtet in Spanisch, Englisch und Französisch, geht auch nach auswärts. Gefl. Anfragen an das Bezirksrabbinat erbeten. Rabbinatsbezirk Kaiserslautern Bewegung des Rabbinatsbezirks: Sterbefall. 24. Mai: Frau Wilhelmine Berg aus Kaiserslautern, 83 Jahre. Auswanderung: Nach USA: Aus Kaiserslautern: Hans Goldstein und Frau geb. Freiberg; Kurt Baron, Sohn von Herrn Bez.*Rabb. Dr. Baron; Walter Götz, Sohn von Herrn Ludwig Götz. Aus Kirchheimbolanden: Fräulein Karola Metzger, Tochter von Herrn Leo Metzger; Herr Sigmund Metzger und Frau geb. Becker und zwei Töchter, sowie die Schwiegermutter Frau Wwe. Becker aus Billigheim,; Fräulein Gretel Stern, Tochter von Frau David Stern Wwe. Aus Kusel: Fräulein Gerda und Herr Rudi Bermann. Aus Ulmet a. Glan: Herr Alfred Mayer. Aus Göllheim: Familie Siegmund Strauß. Aus Kerzenheim: Familie Rudolf Honig. Nach Süd«Afrika: Fräulein Friedel Mayer aus Göllheim. Nach Argentinien: Herr Ludwig Goldschmidt aus Kusel. Aus den Gemeinden. Aus Kaiserslautern. Jüdischer Sport Seit September vorigen Jahres besteht in Kaiserslautern unter Leitung des Herrn Max Jakob eine Sportab« teilung, welche sich zur Aufgabe machte, sämtliche gymnastilchen Herbert 'Friedenthal, Ein Schiff unterwegs. Joachim Goldstein' Verlag 1938. Der Kreis der guten jüdischen Erzähler beginnt in Deutschland kleiner zu werden, Darstellungen echter Problematik in unserem Lebenskreis geringer. Vielleicht sind die Sorgen des" Alltags zu groß und der Blick für die Dinge, die außerhalb und innerhalb des sich abrollenden Geschehens stehen, aus diesem Grunde verschlei* ert, daß die Kraft zu wirklicher dichterischer Leistung zu schwinden beginnt. Es ist darum um so erfreulicher, wenn der Dichter der „Unsichtbaren .Kette" \ins mit einer Erzählung überrascht, die all das erfüllt, was wir von einer guten Erzählung verlangen. Frie« denthal läßt uns eine Ueberfahrt nach Palästina erleben, auf der sich alle möglichen Schicksale verflechten, ein Seesturm, alle mensch« liehen Schwächen und Leidenschaften in grellem Lichte erscheinen lassen. Dabei ist nichts aneinandergereiht, schablonenhaft, sondern alles lebendig organisch verflochten. Das Heilige Land nimmt alle in seinen Bann, und gibt einzelnen Gestalten eine geradezu umwan« dclnde Formung. Jakob Freimann zum Gedächtnis. Diese kleine Broschüre ist dem Andenken des Berliner Rab« biners Jakob Freimann gewidmet. Es verdient Anerkennung, daß die Berliner jüdische Gemeinde auf diese Weise das Andenken ihres Rabbiners ehrt. In verschiedenen Aufsätzen wird die Bedeu« tung dieses Gelehrten dargestellt, die es .ermöglichen ein voll« «ndetes Bild dieses Heimgegangenen erstehen zu lassen. Ucbungen zu treiben. Nach langer Zeit war es endlich gelungen, der hiesigen jüdischen Jugend Gelegenheit zu körperlicher Ertüch« tigung zu geben. Freudig meldeten sich fast alle Schulkinder, aber auch ein großer Teil der bereits der Schule entwachsenen Jugend. In 4 Abteilungen (und zwar zwei für die männliche und die weib* liehe Schuljugend, sowie zwei für die männliche und die weibliche ältere Jugend) wird mit großer Begeisterung und Eifer geturnt und es zeigt sich hieraus, daß diese Einrichtung eine Notwendigkeit war. Seit Anfang dieses Jahres wird ferner Tischtennis gespielt und auch hieran nehmen alle regen Anteil. Vor einigen Wochen hat der „Itus" Pirmasens die Abteilung Tischtennis Kaiserslautern zu -einem Tournier eingeladen, bei welchem letztere sieht trotz kurzen Bestehens sehr gut behaupten konnte. Auch die Pirmasenser Jugend kommt öfter hierher, sodaß nun die Kaiserslauterer, nach« dem sie lange Zeit völlig isoliert gewesen, etwas Verkehr mit an« deren Jungens und Mädels hat. — Abgesehen von Montag und Frei* tag finden jeden Abend, auch an Nachmittagen, soweit die Schul« jugend freie Zeit hat, Uebungen statt und es sollen fortan solche auch am Montag eingerichtet werden, da nun an diesem Tag der Raum cbnfalls zur Verfügung steht. Es ist dies ein Zeichen, welch großer^ Beliebtheit sich die Veranstaltungen erfreuen. Wir wollen hoffen, daß unsere Jugend sich auch weiter mit Lust und Liebe an allen Zusammenkünften beteiligt. — Herrn Max Jakob, der als alter Turner und bewährter Sportsmann sich gern und freudig in den Dienst der guten Sache gestellt hat und es vorzüglich versteht, die Jugend zu interessieren und zu leiten, gebührt der hetzliche Dank der Gemeinde. Bericht über den Vortrag: „Der Weg zum Judenstaat". Am 20. Juni sprach Stadtrabbincr Richter aus Mannheim in der Kaiserslauterer Synagoge. Es waren auch viele Nichtmit« glieder des Zion. Ortsvcrbanpes erschienen und die Hörer lauschten den Worten des Redners, der das Bild unseres zum Wandern gc« zwungenen (Volkes uns eindringlich darstellte. Er zeigte uns, daß wir die Rettung selbst in Händen haben: Uns in Palästina den Jirdcnsu.it zu schaffen, der allen Juden der Welt — wenn auch nicht eine Aufenthaltsmöglichkeit bieten — so doch eine Heimat sein «wird. ,Nur die Erkenntnis der 'freiwilligen INotwendigkeit der eigenen opferfreudigen Mitarbeit hat das große Werk begonnen und so weit geführt, daß jetzt die Welt mit dem Judenstaat schon rechnet. Und wenn wir wollen, werden wir ihn erreichen. Wir wollen -es durch Unterstützung des Aufbauwerkes in Palästina, der Menschen, die so tapfer allen Terror erdulden, nur um. uns eine Tür offen zu halten, während alle Türen in der übrigen Welt sich vor uns schließen. Kaethc Bachmann. Aus Kusel. Die jüdische Gemeinde wünscht allen ihren Ausgewanderten alles Gute und ruft ihnen ein herzliches „Lebewohl" zu! Verlobung. Herr Sally Sender aus Konken b. Kusel hat sich mit Fräulein Gretel Gottschalk aus Kirn a. d. Nahe verlobt. V Aus Rockenhausen. Verlobung. Herr Jak Roelen hat sich mit Fräulein Helene Röthlcr aus Geinsheim bei Neustadt verlobt. Persönliche Nachrichten. Möbliertes Zimmer mit 1 bis 2 Betten, mit und ohne Pension, sofort zu vermieten. Anfragen an I lerrn David Mai, Kai serslautern, Mannheimerstraße 24. Letzter Einsendungstermin für die nächste Nummer: 17. Juli. Weizmann, Reden und Aufsätze (Jüdischer Buchverlag Erwin Löwe, Berlin). Der Löwe«Verlag hat sich mit der Herausgabe dieses über 300 Seiten starken Werkes ein besonderes Verdienst erworben. Die von Gustav Krojankcr, Jerusalem ausgewählten Reden und Aufsätze aus der Zeit von 1901 bis 1936 geben ein getreuliches Bild der Ar* b'eit eines Mannes, welcher die großen Befähigungen seiner Seele und seines Geistes ganz in den Dienst des jüdischen Volkes stellt. Wir lernen aus diesem Buche die große Persönlichkeit erkennen, welche die politische Fronarbeit auf sich nehmen kann, weil sie ganz durchdrungen ist von dem Glauben, daß das jüdische Volk in sein Land heimkehren wird. Um mit den Worten des Heraus* gebers zu sprechen: Es ist das Buch eines Mannes, in dem Gedanke und Wirklichkeit, das Visionäre und das Realpolitische sich zu so wundervoller Einheit verbunden haben. Darüber hinaus ver* mittclt das Buch einen guten Teil zionistischer Geschichte — die durch Weizmann eine bedeutende Prägung erfahren hat — und Kenntnis der Neuwerdung jüdischer Kräfte. Unter. Verzicht auf eine ausführliche Inhaltsangabe sei besonders auf eine Rede in New York (13. März 23) und eine Bankettansprachc in Czcrnowitz (12. Dez. 27), auf die^roße Rede vor d^rr Pcclkommission in Jeru* salcm (25. Nov. 36) und auf den Aufsatz „Besuch bei Emir Feisal" hingewiesen. Das Buch schließt mit den Aufsätzen „Zum Tode B.\lfours" und „Erinnerungen an Lawrence" ab. Das Buch gehört zu den großen geschichtlichen und erzieherischen Werken unserer Literatur und sollte in keinem jüdischen Hause fehlen.

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