Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz
- Volume
- 1 (1937 - 1938)
- Issue
- 9 (1.5.1938)
- Date
- 1938-05-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Mr. 9 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR DAS GEBIET DER RHEINPFALZ Seite 7 zu Peßach erlaubten und besonders begehrten Lebensmitteln konn« tcn die betreuten Familien und Einzelpersonen auch noch im April die Segnungen dieser sozialen Einrichtung und Arbeit genießen, sie werden gewiß gerade während der Festeszeit mit Befriedigung und in Dankbarkeit der Winterhilfe gedenken, die an ihnen wahr» gemacht hat den Ruf der Haggadah: „Jeder, der hungrig ist, komme und esse mit, jeder, der bedürftig ist, komme und feiere mit uns das Peßach"! Den Beauftragten der Jüd. Winterhilfe Pirmasens hat es im April oblegen, den Bericht für den Monat März über Spenden' Aufbringung und «Verwendung zu erstatten und andere laufende Arbeiten zu erledigen. Da die Prüfung der Bücher und Belege, sowie der Kasse durch zwei vom Synagogenrat ernannte Vertrauens' manner noch nicht stattfinden konnte beschränken wir uns heute auf die Feststellung, daß die Opferbereitschaft unserer Gemeinde» mitglieder nicht nur ausgereicht hat, die von uns geforderten Pflicht* und auch zu verantwortende freiwillige Leistungen zum, Wohle der Armen zu vollbringen, ihnen die Sorge um Nahrung, Kleidung und Wärme im Winter zu erleichtern oder gar abzuneh» men, sondern auch darüber hinaus, um die im Oktober dieses Jahres wiedereinsetzende Tätigkeit der Jüd. Winterhilfe auf eine sichere finanzielle Grundlage zu stellen, die um so erforderlicher ist, als aller_ Voraussicht nach die Zahl der Empfänger wesentlich steigen, die Zahl der Geber aber bedeutend sinken wird. Dem Dank, den die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland, zugleich im Namen der Hilfsbedürftigen, allen denen abstattet, „deren Spende den Lebenswillen der Betreuten mit neuer Kraft erfüllen half", schließen wir uns von Herzen gern an. Gleichzeitig aber richten wir an alle bemittelten Gemeindemitglieder die herzliche Bitte, den mittellosen Brüdern und Schwestern in unserer Gemeinde auch in den Sommermonaten ihre Hilfe nicht zu versagen, vielmehr opferfreudig unserer Wohlfahrtsstelle regelmäßige Beiträge und Spenden in dem Umfange zuzuführen, daß auch in dieser Zeit die Not der Armen gemildert werden kann. Die Leitung. Bücherspenden. Der Unterzeichnete trägt sich mit der Absicht, an die Schaffung einer kleinen Gemeinde'Bibliothek heranzugehen, für welche eint bescheidener Grundstock an Büchern bereits vorhanden ist. Mittel für Neuanschaffungen können nur selten bewilligt werden. Dagegen könnten uns die Gemeindemitglieder aus ihrem Bestand unter" haltende und belehrende Bücher vor allem jüdischen Inhalts zur Verfügung stellen. Insbesondere denken wir dabei an die vor der Auswanderung stehenden Familien und Einzelpersonen, die ihre Bücherei nicht mitnehmen können oder wollen. Wir richten an alle die herzliche Bitte, dem Unterzeichneten gut erhaltene Bücher für die zu gründende Gemeindebibliothek zu überlassen; dieselben werden von Schülern gern abgeholt. Mit der gleichen Bitte wenden wir uns an alle Familien in den übrigen Gemeinden des Rabbiriats« bezirks. Die Spender dürfen für die Erfüllung dieser Bitte unseres aufrichtigsten' Dankes gewiß sein. V Dr. NeUhaus. Trauung. Die Trauung unserer Tochter Lore mit Herrn Otto Fried aus Offenbach a. M. findet am 31. Mai in Pirmasens statt. Otto Schwarz und Frau, Pirmasens. Zweibrücken. (Re-ligionsprüfung.) Am 8. April nahm Herr Bezirksrab' bincr Dr. Neilhaus im Auftrage des Verbandsausschusses und im Beisein des Vorstandes die Religionsprüfung von 5 Knaben und 5 Mädchen der isr. Kultusgemeinde Zweibrücken vor. Der in den Händen von Herrn Lehrer Bernstein liegende Religionsunterricht hat auch in dem abgelaufenen Schuljahre erfreulich Ergebnisse ge» zeitigt. Die Schüler wiesen gute Förtschritte im Hebr.'Lesen und im Uebersetzen des Pentateuch und der Gebete, sowie hinreichende Kenntnisse in der bibl. und.^üd. Geschichte und in der Reljgions« lehre auf. Herr Lehrer Bernstein und seinen Zöglingen wurde darum auch seitens des Rabbiners und des Vorstandes die wohlverdiente Anerkennung zuteil. Rodalben. Sämtliche Knaben und Mädchen unserer Kultusgemcinde gehen in Pirmasens zur Schule, und zwar besuchten bis Ostern 6 Knaben und 4 Mädchen die isr. Volksschule, 2 Knaben die Oberrealschulc daselbst. Ein Mädchen hat jetzt ihre Schulzeit beendet, ein anderes Mädchen wurde in das städt. Mädchcnlyzcum^zu Pirmasens aufge« nommen. Auch unsere Gemeindekindex nahmen an den Religions' Prüfungen und an der Schulschlußfeier in der isr. Kultusgemcinde Pirmasens teil., Persönliche Nachrichten. Für meine 16 jährige jüd. Tochter, intelligent, mit den nötigen Vor' kenntnissen vertraut, suche Stellung zu 1 bis 2 Kindern und im Haushalt. Anfragen an den Verlag dieses Blattes. Rabbinatsbezirk Ludwigshaffen Bewegung des Rabbinatsbezirks: Sterbefälle: 26. April: Herr Lehrer i. R. Aron Wolf aus Speyer, 88 Jahre. 12. April: Frau Mathilde Marx aus Ludwigshafen, Gustav Böhrnerstr. 8, 49 Jahre. 13. April: Herr Hauptlehrer i. R. David Martin aus Haßloch, 62 Jahre. Auswanderung. Nach USA: Walthcr Nathan, Sohn des Herrn Moriz Nathan; Alfred Kohlmann, Sohn des Herrn Julius Kohlmann. Wegzug. Nach Frankfurt a. M.: Herr Julius Rosenstiel und Wwe. Rosen« heimer, sämtliche aus Neustadt Weinstraße. Aus Ludwigshafen. Herr Bezirksrabbiner Dr. Steckelmacher hat seine Wohnung am 29. Mär', nach Ludwigshafen Rhein, Bayernstraße 63, 3. Stock verlegt. Die Fernsprechnummer bleibt unverändert 60 780. Ludwigshafen/Rhein, den 29. März 1938. Der Synagogen rat. Liederkranz e. V. — Jüd. Kulturbund Mannheim. Mitglied des Reichsverbandes der Jüd. Kulturbünde in Deutschland. Den außerordentlichen Erfolg, den die Aufführungen von Offenbachs .Pariser Leben' als große Revue'Operette gehabt haben, veranlaßt den Kulturbund, für Mittwoch, den 18. Mai (Lag beomer), 20.15 Uhr, eine heitere künstlerische Veranstaltung in Aussicht zu nehmen, bei der Annemarie Fuss und Otto Rep» p e r t mitwirken. Sonntag, den 22. Mai, vormittags 11 Uhr, folgt das zweite Jugendkonzert „Schüler spielen vor". Die Veranstaltungen finden im großen Saal Q 2, 16 statt. Schriftliche Bestellungen von Karten werden an den Schrift' führer Alfred Lilebmann, Mannheim, Kaiserring 40, erbeten. Aus Bad Dürkheim. Bericht über die jüdische Winterhilfe 1937 38 der Synagogenge« meinde Bad Dürkheim. Die jüdische Winterhilfe in Bad Dürkheim wurde auch im abgelaufenen Winter unter Leitung und Verantwortung der Ge* meindeverwaltung, also des Synagogenrates, vom Anfang bis zum Ende durchgeführt. Ihre ganze Arbeit vollzog sich in tTeuer Ver' bundenheit. Zur Erledigung der laufenden Arbeiten trat fast allwöchcnt« lieh im Gemeindezimmer die Winterhilfe«Kommission zusammen. 20 Sitzungen tanden statt. Ueber jede Sitzung wurde eine Nieder« schritt abgefaßt. ' Sämtliche Geldspenden liefen bei unserem Synagogenrat "errn Edgar Jonas zusammen, der denn auch die einzelnen Rcchn gen herrscht und der Fremde in keinerlei Weise rechtlich benachteiligt werden darf; denn aus der ägyptischen Knechtschaft müsse das Volk noch wissen, wie einem Fremdling zumute ist. Auch die Idee des Jobeljahres (25, ff) ist nichts anderes als eine große Aus« führung der Forderung „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst (19,18)", welche In einer anderen Formujierung llillels zur Goldenen Regel des Judentums geworden ist. Gerade der Gedanke des Jobel» jahrcs hat ja in der modernen Gesetzgebung ihre Auferstehung gefunden. Nach dieser Vorschrift gehört das Land Gott und die Menschen sind nur Beisassen auf diesem Land. Wenn nun ein Mensch verarmt, so darf et* wohl die Ernten bis zum 50., dem Jobcljahr, nicht aber das Land selbst verkaufen. Im 50. Jahr kehrt das Bearbeitungsrecht wieder in die ursprüngliche Familie zurück. Abgesehen davon, daß hierdurch eine einseitige Kapitalanhäufung bei Wenigen auf der einen Seite und eine Verarmung breiter Massen auf der anderen Seite vermieden werden sollte, he« sagt gerade dieses /bedeutsame , Gesetz auch uns sehr viel Viele sahen in ihrem Hab und Gut die Grundlage ihres Lebens für alle Zeiten. Heute fühlt man deutlicher denn je wie wenig solch äußerer Besitz nützt und muß erkennen, daß wir vielmehr auch in der modernen Form unseres Besitztums Beisassen Gottes sind, daß es in Gottes Hand liegt, uns arm oder reich zu machen. Dagegen vermittelt jenes Streben nach der Heiligung unseres Lebens uns die Kraft, welche die unerläßliche Voraussetzung zur Meisterung jeder Lebenslage ist, so schwer sie auch sein mag. Nicht umsonst betrachtet der Jude die Erinnerung an die Ver« folgungen des 1. Kreuzzuges die Omerzeit noch heute als Trauerzeit. Denn mit geschichtlichem Feingefühl sieht er im 1. Kreuzzug den Beginn einer Entwicklung, die seine völlige Entrechtung und seine Isolierung von der Umwelt im Mittelalter und bis weit in die Neu« zeit hinein, zur Folge hatte. In diesen bitteren Jahrhunderten kam ihm ganz besonders zum Bewußtsein, wie wenig Stütze Hab und Gut für den Menschen bedeuten, daß vielmehr Wissen und Kenntnisse, der rechte Lebenswandel und das Vertrauen auf Gottes Hilfe erst das wahre Leben ausmachen. Darum sollte auch der 18. Ijar, dessen Termin die Umkehrung und den Zahlen wert des Wortes ij"] » Lehen darstellt, uns als Tag des Frohsinns und der Lebensfreude in der Omerzeit besagen, daß bei allem Niedergang, bei allem Leid das Unglück keine Strafe ist, sondern durch die Besinnung auf unsere Lebensaufgabe in uns Kräfte ausgelöst werden, die mithelfen, daß uns die Wellenlinie des Geschicks wieder empor« führt zu neuem Anfang und neuem Leben! Kurt Metzger-Landau. *) Die in Klammer stehenden Zahlen beziehen sich auP die Kapitel und Sätze des 3. Buches Moses.