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Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz · 1938-05-01 · 9 (1.5.1938) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz
Volume
1 (1937 - 1938)
Issue
9 (1.5.1938)
Date
1938-05-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 9 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR DAS GEBIET DER RHEINPFALZ Seite 5 'Goldene Hochzeit. Am 11. April konnten Herr und Frau Karl Roos, Ravelinstr. 2, das seltene Fest der goldenen Hochzeit begehen. Obwohl es im Sinn des Jubelpaares lag, diesen Tag in aller Stille zu begehen, waren Herr und Frau Roos trotzdem in überaus reicher Weise geehrt, ein Zeichen der Beliebtheit, welcher sie sich allgemein erfreuen. Wir wünschen Herrn und Frau Roos noch viele Jahre ungestörten Familienlebens in steter Gesundheit und Frische. 80- Geburtstag. Am 21. Mai feiert in schöner Rüstigkeit Herr Gustav Siegel aus Landau z. Z. im Ist. Altersheim Neustadt, seinen 80. Geburtstag. Wir wünschen dem Jubilar noch viele Jahre des Lebens in Ge» .sundheit und Frische .T,?*' ."".V*^ T** l IJU _ - + i ISN J l> Verabschiedung. Vor meinem Wegzuge nach Frankfurt sage ich allen Freunden und Bekannten auf diesem Wege ein herzliches Lebewohl. Frau Clementine Siegel. Sederabend der Jüdischen Gemeinde. Die Veranstaltung -eines gemeinsamen Seders gehört zu den anerkennungswerten Einrichtungen, welche Gemeinde und Rabbi' nat in den letzten Jahren geschaffen haben. Sie haben sich damit ein nicht unbeträchtliches Verdienst um die Hebung des jüdischen Gemeinschaftssinnes erworben, und der auch dieses Jahr wieder sehr starke Besuch des Gemeinde'Seder zeigte, welch' gute Reso* nanz diese Bemühungen gefunden haben. v ' Es herrschten an diesem Abend im Gemeindesaal ungetrübte Freude und Fröhlichkeit „Und es unterschied sich auch dadurch diese Nacht von den andern Nachten". In allen anderen Veran» staltungen bringen Juden heute ihre Sorgen mit, an diesem Abend waren Sie vergessen. Man lauschte, wie es Juden schon seit Jahrtau» senden tun, den Erzählungen von dem Auszuge aus Mizraim und der Befreiung unserer Vorfahren aus ägyptischer Knechtschaft. Der graue Alltag versank, stark und lebendig war wieder der ur alte Glaube an den Messias, der einst kommen wird — b'jomenu — um zu erlösen das jüdische Volk, 'und um zurückzuführen die Zerstreuten in Jubel nach Zion. — Mit dem Dank, der an dieser Stelle der Gemeinde für den schönen Abend abgestattet werden soll, seien auch die Leiter des Seder, die Herren Rabbiner Metzger und Lehrer Zeilberger — und nicht zu vergessen, die kleine Doris Rosenblatt, welche die kindliche Frage das „manischtanah" stellte, einbezogen. Vortrag vom Hilfsverein der Juden in Deutschland e. V. Am Sonntag den 8. Mai 1938, nachmittags 1 :>5 Uhr spricht der Auswandererberater Herr Paul Steeg im Gemeindesaal, Schützengasse 4, über das Thema: Jüdische Ueberseewanderung — Aufgabe und Arbeit des Hilfsvereins. Zu diesem Vortrag sipd die Mitglieder der Gemeinde Landau und der Bezirksgemeinden herzlichst eingeladen. Der Eintritt ist frei! Metzgerl. Rabbinatsbezirk Pirmasens Bewegung des Rabbinatsbezirks: Trauung: 7. April: Herr Hans Gerson aus Pirmasens und Frl. Irma Pfeif' fer aus Erlenbach b. Dahn, in Pirmasens. Barmizwah. ' 16. April: Hcllmut Levy, Sohn des Herrn Julius Levy und Frau Elsa geb. Rosenstiel aus Dahn. Auswanderung: Nach USA: Herr Isaak Weis und Frau aus Zweibrücken. Nach^ Argentinien: Familien Richard und Leopold Gerson aus Pirmasens. Nach Palästina: Karl Levy, Sohn des Herrn J. R. Levy aus Pirmasens. Wegzug.; Nach Wiesbaden: Familie Julius Mayer aus Pirmasens. Nach Frankfurt a. M.: Familie Max Stern aus Pirmasens. Nach Berlin: Frau J. R. Levy und deren Mutter Therese L. aus Pirmasens. 70. Geburtstag. 12. April: Frau Ida Elias in Zweibrücken. Aus den Gemeinden. Pirmasens. Religionsprüfungen. In der Zeit vom 21. bis 28. März wurden in der hiesigen Ge» meinde die Religionsprüfungen vorgenommen. In der Isr. Volks» schule, die von Herrn Hauptlehrcr Julius Lamm geleitet wird, unter» zogen sich denselben 37 Schüler, 21 Knaben und 16 Mädchen, in der Religionsschule der Gemeinde, in welcher Herr Bezirksrabbiner Dr. Nellhaus den Unterricht erteilt, 15 Mittelschüler, 8 Knaben und 7 Mädchen. Die Religionsprüfung der Volksschülcr hielt Herr Dr. Nellhaus im Auftrage des Verbandsausschusses ab» desgleichen die» jenigen der Mittelschüler im iBeiscin des. Schulausschusses der Isr, Kultusgemcindc. Die Prüfung erstreckte sich auf alle Unter* richtsfächer, Hcbr. Lesen, Uebersetzen des Pcntatcuch und der Gebete, bibl. und jüd. Geschichte und Judentumskunde. Ucber den Ausfall der Prüfungen kann erfreulicherweise nur Günstiges berichtet werden. Es zeigte sich, daß die Schüler und Schülerinnen dank den Bemühungen ihrer Lehrer in samtlichen Fächern gut gefördert wurden und sich, natürlich auch dank eigenem Eifer und Fleiß, neue Kenntnisse auf den verschiedenen jüd. Wissensgebieten im Rahmen des Lehrplanes erworben haben. Während einige Schüler einen weit über dem Durchschnitt liegenden und darum besonders anzuerkennenden Wissensstand nachweisen konnten, die Mehrzahl den gestellten Anforderungen entsprach, sind nur ganz wenige mit ihren Leistungen hinter dem zu erreichenden Ziele zurückgeblieben. Dies ist entweder auf Umschulung oder Erkran* kung oder auf unzureichende /Unterstützung seitens der Eltern zurückzuführen. Der Synagogenrat erkannte das Streben der Kna» ben und Mädchen nach jüdischem Wissen an und erfreute sie alle mit einer kleinen Gabe, welche ihnen Herr Dr. Nellhaus im Oneg Schabbat mit einer kurzen Ansprache überreichte. Schulschlußfeier. Wie im vorigen Jahre so veranstaltete der Schulausschuß der Isr. Kultusgcmeinde auch diesmal gegen Ende des ISchuljahres 1937 38 eine Feier, die am Sonntag, den 3. April, nachmittags im Gemeindesaal stattfand und von allen Schülern und Schülerinnen, von deren Eltern und zahlreichen anderen Gcmcindemitglicdcrn besucht war. Mit Worten der Begrüßung an alle Anwesenden eröffnete Herr Dr. Nellhaus die Feier und dankte ihnen für das Interesse, das sie durch ihr Erscheinen an den Darbietungen und Leistungen unserer Schuljugend bekunden, Er dankte auch den» Schulausschuß ,den Herren Paul Wolff und Adolf Markdorf, sowie den Jungens und Mädels für die eifrige Unterstützung und Mitwir» kung bei den Vorbereitungen der Feier. Den Auftakt bildete eine musikalische Darbietung, indem ein Mittelschüler und eine Mittelschülerin, 'beide vor der Schulent' lassung stehend, den Marsch von Schubert in flottem KLivierspicl ' zu Gehör brachten. Es folgten sodann zwei Rezitationen; ein Schüler sprach mit tiefem Empfinden den 23. Psalm, die z. Zt. älteste Schülerin /. Lore Kahn, trug ein sinnreiches Gedicht „Die Bibel" von D. Levy verständnisvoll vor. Im Anschluß daran hielt Herr Dr. Nellhaus ein Referat über „Martin Bubcr als Erzieher", um diesen repräsentativen Juden unserer Zeit anläßlich seines 60. Geburtstages zu ehren und sein Werk unserer Jugend nahezu» bringen. In dreifacher Hinsicht hat Buber jüd. Volksarbcit geleistet: er hat den Chassidismus erforscht und ihn auch den Juden West« curopas erschlossen, er hat dem Zionismus und dem ganzen jüd. Volkstum durch die Forderung jüdischer Kulturarbeit einen tiefen Sinn gegeben und ein hohes Ziel gewiesen, und er hat durch die neue deutsche Uebcrsetzung der Bibel und die wissenschaftlich« Arbeit an ihr sich bemüht, uns „die Schrift" wieder lebendig zu ma» chen. An das Referat schloß sich die Vorlesung der chassidischen Legenden ,Sußja und die Vögel' und .Durch dessen Wort' an, und mit dein Vortrag einer Sonatinc von Diabelli auf dem Klavier, der sorgfältigen Leistung eines Schülers, hatte der erste Teil sein Ende erreicht. Der zweite Teil trug heiteren Charakter und diente der Unter' haltung der Gäste: seiner Gestaltung lag zugleich die Absicht zu» gründe, die Feier des Purimfestes nachzuholen. Eingeleitet von mehreren allgemeine Bewunderung erregenden Darbietungen des achtjährigen Günther Markdorf auf der Harmonika, brachte dieser Teil sodann den Prolog zu einem Purim*Kostümfest, welcher von einem Chor verkleideter Kinder gesprochen wurde und zu dem Festspiel mit Musik und Gesang „Schulhumor am Purim" überleitete. Hier bot sich unseren Jungens und Mädels eine willkommene Gc legenheit, sich dem Publikum in ihren selbstgcwählten Masken zu zeigen, und "schon durch sje allein und allerhand Possen verur« sachten sie viel Heiterkeit und ernteten Beifall. Aber auch die vom Harmonikaspiel begleiteten Lieder des Kinderchors, die humori' iStUchen Erzählungen größerer Schüler, die lustigen musikalischen Einlägen, alle diese wohlvorberciteten und wohlgelungcnen Dar» bietungen in bunter Folge, bei denen jeder einzelne sein Bestes zu geben suchte, fesselten das Publikum und erhielten es bei froher Laune. Der Vortrag kleinerer Musikstücke auf der Geige und dem Piano»Akkordcon rundete das Programm des 2. Teiles zur allgemeinen Zufriedenheit ab. Den würdigen Abschluß der Feier bildete die Verabschiedung der sieben zu Ostern die Schule verlassenden Knaben und Mädchen. An sie wandte sich zunächst der Vorsitzende der O. G. Pirmasens im R. J. F., Herr Ernst Bacr, in einer markigen Ansprache, die in dem Zuruf „Chasak .weemoz" ausklang, und Überreichte ihnen die „Briefe im Weltkriege gefallener Juden". Als Vorsitzender des Schulausschusses erstattete sodann Herr Karl Kahn einen kurzen Tätigkeitsbericht und sprach dem Herrn Bczirksrahhiner für sninc Mühewaltung, dem Frauenvcrein für die süße (iahe an alle Kinder, der Schuljugend für ihren Lerneifer und ihr vortreffliches Spiel . die Anerkennung und den Dank des Synagogenrats wie auch der ganzen Gemeinde aus. Herr Dr. Nellhaus richtete an die nunmehr ins Leben hinaustretenden Schüler und Schulerinnen Worte der Ermahnung, überreichte ihnen mit den besten Wünsche i für ihre Zukunft das vom Synagogenrat gestiftete Buch von Sülzbach, Bilder aus der jüd. Vergangenheit und erteilte ihnen den Segen. Die

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