Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz
- Volume
- 1 (1937 - 1938)
- Issue
- 8 (1.4.1938)
- Date
- 1938-04-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR DAS GEBIET DER RHEINPFALZ Seite 7 ca. RM. 180.—. Wir sagen hiermit allen Spendern und Sammlern unseren herzlichsten Dank. «Es ist uns auch gelungen, fast alle rückständigen und fälligen 'Beiträge hereinzuholen. Demzufolge waren wir auch in der Lage, den an uns gestellten Anforderungen hinsichtlich der Versorgung der Hilfsbedürftigen mit Lebensmitteln. Kartoffeln und Kohlen zu genügen. Das Purimfest fand am Tage vorher bei der Lebensmittelausgabe durch den Vorstand des Isr. Frauenvereins gebührende Berücksichtigung. Als besonderes „Schlachmoncs" diente uns die Kaffeespende jüdischer Freunde aus San Salvador, welche uns die Wohlfahrtsstelle des Verbandes in dankenswerter Weise überwiesen hatte; wir brachten die Päckchen gleichmäßig unter den Hilfsbedürftigen der Gemeinde Pirmasens und der Landgemeinden zur Verteilung. Auch die Mazzothversor» gung, die naen den Richtlinien noch zu den Aufgaben der Jüd. Winterhilfe gehört, ist sichergestellt und erstreckt sich auf alle von uns betreuten jüd. Menschen. Wir nehmen schon heute gern Ver» anlassung, allen unseren Helfern, die als Mitarbeiter, Spender und Sammler zum Gelingen dieses Werkes sozialer Fürsorge beigetragen, unseren «wärmsten Dank auszusprechen. Die Leitung. Schulschlußfeier. Die Schuljugend unserer Gemeinden Pirmasens und Rodalben rüstet sich zu einer Schulschlußfeier, welche nach einem Beschlüsse des vom Synagogenrat Pirmasens eingesetzten Schulausschusses am Sonntag, den 3. April, nachm. im Gemeindesaal stattfinden soll. Mit dieser Feier wird auch eine Verabschiedung der die Schule verlassenden Knaben und Mädchen verbunden sein. Allen Ge< meindemitgliedern gehen zugleich mit dem Pfälzer Gemeindeblatt eine Einladung und ein Programm zu dieser Feier zu. Wir erbitten und erhoffen vollzähliges Erscheinen. Der Schulausschuß. Persönliche Nachrichten. Erstklassiger Großstückschneider findet Beschäftigung bei W. Bogacki, Damen* und Herren«Maßschneiderei, Pirmasens, Landauerstraße 15, Telefon 1583. Rabbinatsbezirk Ludwigshaffen Amtliche Mitteilung des Bezirksrabbinats. Meine Wohnung befindet sich ab 1. April in Ludwigshafen, Bayernstraße 63. Dr. Steckelmacher. Bewegung des Rabbinatsbezirks: Sterbefälle: 21. Febr.: Herr Karl Weiß aus Meckenheim, 72 Jahre. 23. Febr.: Herr Oberstabsarzt i. R. Dr. med. Heinrich Mohr aus Ludwigshafen, Richard Wagnerstr. 18, 69 Jahre. 1. März: Herr Otto Weilheimer aus Ludwigshafen, Friesen» heimerstraße 174, 53 Jahre. v 11. März: Frau Balbina Klugmann aus Ludwigshafen, Bis» marckstraße 11, 62 Jahre. 18. März: Frau Berta Jakob Wwe. aus Mannheim (fr. Lud» wigshafen, Schillerstr. 48) in L'hafen bestattet, 72 Jahre. Auswanderung: Nach Palästina: Fräulein Lotte Steckelmacher aus Ludwigshafen. Nach-USA: Familie Otto Sjein aus Neustadt/Weinstraße; Familie Eugen Löb aus Speyer. Aus den Gemeinden. Aus Speyer. Herr und Frau Eugen Loeb sprechen für die ihnen anläßlich ihrer Auswanderung zuteil gewordenen Aufmerksamkeiten ihren herzlichen Dank aus. Der Satz gibt uns zunächst eine Lehre inbezug auf unser per« sönliches Leben: Trostlos erscheint es jetzt dem einzelnen Juden, sodaß ihn oft Mutlosigkeit und Verzagtheit erfaßt. Man "hört häufig die Aeußerung: Der Druck, unter dem wir als Juden leiden, die Fesseln, welche uns aufgelegt sind und uns nicht nur an der freien wirtschaftlichen Betätigung hindern, sondern auch unsere ganze Lebensführung einengen, machen uns das Leben zur Qual, es ist uns zuwider: uns liegt an ihm nichts mehr, wir wünschen es, o daß es bald zu Ende wäre. Solche Gedanken beschäftigen die meisten und nur in Klagen verbringen sie die Tage, auf den Tod wartend. — Gibt es wirklich keine Freude mehr für uns? Zum mindesten kann doch die Natur, die sich in ihrer Schönheit wieder zeigt, aufheitern. Ja die Natur, die im Winter einen trostlosen Anblick bot, lebt auf und zeigt sich in ihrer Frühlingspracht; auch wir sollen uns aufraffen und ein Frühlingsfest feiern, sollen vom Peßach lernen zu sprechen: „Ich sterbe nicht, sondern ich lebe und verkünde die Werke des Ewigen". Doch Peßach ist für uns auch eine Erinnerung an den Auszug aus Egypten und wir feiern in ihm ein geschichtliches Ereignis aus dem Volksleben der Gesamtheit Israels. Als ein solches galt es bisher 3000 Jahre, zuerst nur in Palästina, dann auch in der Golah. Darum wird an ihm unser Blick auf unsere Vergangenheit gelenkt, damit wir daraus einen Trost für die Gegenwart erlangen können. Mit dem Auszug wurde Israel von der Gefahr des Unterganges durch die Knechtschaft errettet, deren Zweck der König Pharao be» Aus Ludwigshafen: Amtl. Mitteilung des Synagogenrats. Betr.: Gcmcindcsckrctart.it. Im Rahmen der unerläßlichen Einsparungsnotwendigkeiten werden die Dienststunden des Gcmcindcsckrctariats ab t. April 1938 festgesetzt wie folgt: Montag bis Freitag von 10—12 Uhr vormittags und außerdem Mittwoch von 5—7 Uhr Nachmittags. Zu anderen Zeiten ist das Sekretariat vollständig geschlossen. Wir bitten die Gemeindeangehörigen, sich hinsichtlich ihrer Vor» sprechen beim Sekretariat entsprechend einzurichten. Ludwigshafen Rhein, den 15. Marz 1938. S Der Synagogenrat. 70. und 75. Geburtstage. Es begingen am 20. März Frau Pauline Jakob, Maxstr. 16 ihren 70. Geburtstag. 24. März Frau Bcttv Idstein, Ludwigstr. 81 ihren 75. Geburtstag. 26. März Herr Jakob Wolff, Schillerstr. 50, seinen 75. Geburtstag. Wir wünschen den Jubilaren noch viele Jahre des Lebens in Gc» sundheit und Frische -jj«« QT^yy] "i> Geburt: i Dr. Ernst Weißmann und Frau Trude geb. Straus, zeigen in dankbarer Freude die Geburt eines kräftigen Stammhalters an. Rio de Janeiro (Brasilien), 16. März 1938. Reichsbund jüdischer Frontsoldaten. Die Ortsgruppe hat den schmerzlichen Verlust ihres II. Vor» sitzenden, Kam. Dr. Hch. Mohr, Oberstabsarzt a. D., zu beklagen. Seit Gründung der Ortsgruppe war der Vorstorbcne stets eines der eifrigsten Mitglieder und verstand es, durch seinen lauteren Cha» rakter und sein freundliches Wesen, sich über die Kameradschaft hinaus viele Freunde zu erwerben. Am Grabe würdigte Bezirksrab» bincr Dr. Steckelmacher mit treffenden Worten den Menschen und Freund in dem verstorbenen Kameraden, während der Vorsitzende der Ortsgruppe warme Worte der Kameradschaft, der Freundschaft und des Dankes dem Verstorbenen widmete. (Aus d. Schild Nr. 10 vom U. März 1938.) Aus Lambsheim. Am 17. März 1938 vermählte sich Herr Karl Kahn aus Lambs» heim mit Fräulein Paula Katz aus Dahn (Pfalz). Aus Neustadt/Wcinstr. Hcldengedenkfcicr- Am Schabbos Wajikra wurde anschlic» ßend an die Thoravorlesung unsere Heldengedenkfcicr abgehalten, die einen sehr erhebenden Verlauf nahm und gewiß bei den zahl» reichen Zuhörern einen unverlöschlichen Eindruck hinterlassen hat. Nach der Predigt über das kommende Purimfest durch Kantor Rödclsheimer erteilte derselbe Herrn Professor Strauß, dem Vor» stände des Frontbundes, das Wort und verlieh dieser in einer tief» durchdachten, von Rührung durchzitterten Ansprache Dankbar» keit und Verehrung für die jüdischen Kameraden, Opfern des Welt» krieges, beredten und erschütternden Ausdruck. Umrahmt waren die Reden durch der Weihe der Stunde angepaßte Gesänge des Kantors, der dann die würdige Feier mit dem Kaddisch für unsere unvergeßlichen Gefallenen beschloß. Abschied. Wieder verläßt ein hochachtbares Mitglied unserer so klein gewordenen Gemeinde, Herr Otto Stein mit Familie, die alte Heimat, um jenseits des Ozeans sein Glück zu suchen u. s. G. Iw. auch zu finden. Mit tiefer Betrübnis sehen wir den Mann scheiden, der seit Jahren schon ehrenamtlich als Organist in unserm schönen Gotteshause sich betätigte und durch sein seelenvolles, meisterhaftes Spiel sehr zur Verschönerung der Gottesdienste beitrug. Wir zeichnet hatte: „Wohlan, wir wollen uns klug gegen es stellen, damit es sich nicht vermehre" (2. Mos. 1, 10); diese Gefahr wurde nicht zur Wirklichkeit. Wie oft war allerdings das jüdische Volk in der Folgezeit in einer der Knechtschaft Egyptens, ähnlichen Lage! Das Trauerspiel rn der jüdischen Geschichte wiederholte sich häufig, nur der Ort wechselte, aber immer war das Thema: „Man sprach: wir wollen sie vertilgen, daß sie kein Volk mehr seien und daß der Name Israel nicht mehr erwähnt werde" (Psalm 83, 5). An jedem Scderabend seufzte der Jude: „Dieses Jahr sind wir Knechte, daß wir doch im kommenden freie Männer seien". Wurde der Wunsch ihm auch nicht bis zum folgenden Seder erfüllt, so sprach er doch an jedem Morgen des Festes „Ich sterbe nicht, sondern ich lebe und verkünde die Werke des Ewigen". Er fühlte das Glück, daß das Judentum nicht ausgestorben sei, sodaß er das Walten Gottes prei» sen konnte, und er sagte sich, daß es nicht aussterben werde, denn er hoffte, gemäß einer Gegenüberstellung im Midrasch am Peßach Mizraim, bei der Erinnerung an das „Peßach Egyptens" auf Peßach leosid, auf ein „Peßach der Zukunft". ■>- So kann auch uns das Psalmwort in der Gegenwart, wenn wir die jüdische Geschichte verstehen, am Fest zu einem Damm gegen die Verzweiflung werden, die manchen Juden erfaßt, sodaß er klagt: Wir müssen untergehen; warum ist das Judentum nicht schon längst ausgestorben. — Nein, wir sprechen: W'r wollen nicht sterben, wir wollen leben! Dr. Harun Kaiserslautern.