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Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz · 1938-04-01 · 8 (1.4.1938) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz
Volume
1 (1937 - 1938)
Issue
8 (1.4.1938)
Date
1938-04-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR DAS GEBIET DER RHEINPFALZ Nr. 8 Rabblnatsbeilrk Pirmasens Bewegung des Rabbinatsbezirks: ,1 k * Verlobung. Fräulein Lilo Lcincr, Pirmasens hat sich am 8. Mar: 1938 mit Herrn Egon Straus. Pirmasens (Nürnberg) verlobt. Sterbefälle: 9. Mar;: Frau Karolina Hirsch geb. Gümbel Wwe. aus Horn« bürg (Saar), 78 Jahre. 16. Mari: Frau Rosa Michels Wwe. geb. Beildeck aus Wall» halben, 74 Jahre. 28. Mar;: Herr Isak Dreifus aus Pirmasens, 72 Jahre. Auswanderung: Nach USA: Frau Amalie Dreifus geb. Mai und Familie Bert» hold Münster aus Pirmasens: Familie Hermann Jean aus Zwei» brücken; Herr Jakob Kavem aus Steinbach a. Glan. % Aus den Gemeinden. Pirmasens. Amtliche Mitteilungen des Bezirksrabbinats. Die Seder feier am 1. Peßachabcnd, Freitag, den 15. April, 19.30 Uhr, im Restaurant Mayer werde ich leiten. Am 7. Pcßachtagc, d, iam Freitag, 22. April, amtiere ich in der Isr. Kultusgcmcindc Rodalben. Am 1. oder 2. Tage des neuen Schuljahres findet um 7.30 Uhr in der Synagoge ein Morgengottesdienst mit Ansprache für alle Schüler und Schülerinnen der Isr. Kultusgemcinden Pirmasens und Rodalben statt. Dr. Neil haus. Veranstaltungen im Monat März. Das Gemeindeleben im vergangenen Monat war reich an Vcr» anstaltungen der verschiedensten Art. Die Reihe derselben wurde am 3. Mar: mit einem Vortrage von Rabbiner Dr. Rothschild» Saarbrücken eröffnet, der in einem Gcmeindcabcnd das Thema \Krafte und Werte im Judentum" behandelte. Er zeigte uns die Beziehungen auf, die nach der jüdischen Weltanschauung zwischen Gott und dem Menschen bestehen, die Werte, die wir Juden in den Ideen und Einrichtungen des Judentums und im jüdischen Schrifttum besitzen, die geistigen und seelischen Kräfte und die Verpflichtungen, die wir aus diesen Beziehungen und Werten für unsere Lcbcnsgcstaltung schöpfen sollen. Es gilt für uns, in schwerer Situation den Willen zur Bewährung als jüdische Menschen zu jeder Stunde und an jedem Ort zu bekunden. — Am 17. März sprach Bezirksrabbiner Dr. Neilhaus in einem gut besuchten Gemeindeabend über „Purim in der jüd. Literatur der Neuzeit." Der Redner machte die Zuhörer eingangs mit Dramen und Komödien des 17.—19. Jahrhunderts bekannt, die den Esther» stoff behandeln, und alsdann über die literarische Betätigung, zu der das Purimfest und die Estherrolle jüd. Schriftsteller in den letzten Jahrzehnten angeregt haben. Insbesondere ist die hebräische und jiddische Literatur reich an Purimlicdcrn, »Spielen, »Dramen» »Parodien und 'Erzählungen, sowie an Festschilderungcn. Herr Dr. Neilhaus las einige besonders wertvolle Proben dieser Lite» ratur vor, unter denen wohl die Erzählung von J. L- Perc: „Der Purimgciger" die stärkste Wirkung ausübte. Den Abschluß bil» dete elie Vermittlung zweier zeitgemäßer und sinnreicher Fest» betrachtungen, von denen die eine Dr. Martha Wertheimer, die andere Rabbiner Dr. Max Dienemann verfaßt hat. Von zwei wei» leren Veranstaltungen! der Gefallcnen»Gedenkfeiet und dem Tisch» tennis-Turnier am 13. Marz, lassen die Ortsgruppe Pirmasens im Das Peßachfest Natur und Geschichte vereinigten sich in biblischer Zeit am Pcßach, Israel zum Lobe Gottes aufzurufen. Alljährlich, wenn die fesseln, welche der Winterfrost der Erde angelegt hatte, gelöst worden Und laue Lüfte wehen und wenn die F'rdc wieder ihr grünes Kleid anlegt und es in leidern und Gärten sprießt und duftet, dann feierten die Völker ein Frühlingsfest, um die wieder erwa» chende Natur ZU verherrlichen. Sollte Israel, dessen Bibel so viele herrliche Natuischilderunyen enthält, sich nicht über die wieder autlebende und in ihre Schönheit und 'Pracht sich zeigende Natur, die doch jedes Menschen Herz mit Wonne und Lust erfüllt, ge» freut haben? Im Hohelied, das ja die Weisen zur Erbauungs» lckturc am Peßach bestimmt haben, heißt es (2, 11): „Der Winter ist vorUber, der Regen hat aufgehört, ist vorbei; die Blumen zeigen sich im Land, die Zeit des Gesanges ist genaht und der Ruf der Tur» rcltaube wird in unserm Land vernommen". Mag auch die Ansicht mancher Gelehrter, daß der Name des Festes Pcßach „Ueberschrei» tung" ursprünglich das glückliche Uebcrschrcitcn der Wintersonnen» wende durch den Menschen bedeutet habe, nicht als sicher gelten, so hat doch auch Israel gewiß sein Frühlingsfest gehabt, das es im Peßachfest feierte. Nur vergötterte es nicht die Natur wie die heid» nischen Völker und kannte auch keinen besonderen Frühlingsgott, sondern verehrte den auch im Winter waltenden und jetzt die Rcichsbund jüd. Frontsoldaten und der Jtus Pirmasens in dieser Nummer besondere Berichte erscheinen. — Ueber den Lieder» und Arienabend im Jüd. Kulturbund, Ortsgr. Pirmasens am 30. März kann erst in der nächsten Nummer berichtet werden. Gefallenengedenkfeier (Bericht im „Schild" vom 18. März). Wie in den verflossenen Jahren veranstaltete am Sonntag, den 13. März, die Ortsgr. Pirmasens des Reichsbundes jüd. Frontsoldaten in Gemeinschaft mit der Kultusgemeinde eine Helderigedenkfeier. Im Mittelpunkt der musikalisch sehr wirkungsvoll umrahmten Feier stand die Gedenkrede des Kameraden Bezirksrabbiner Dr. Nellhaus, die bei allen Anwesenden, insbesondere bei unseren in großer An» zahl erschienenen Kameraden, einen tiefen Eindruck hinterließ. Ernst Baer, Vorsitzender. Tätigkeitsbericht des „Jtus" Pirmasens. In unserem Sportbetrieb hat sich bis jetzt noch keine Aende» rung ergeben. Trotz der Ungunst der Verhältnisse sind unsere Ucbungsstunden noch einigermaßen gut besucht. Nur die Be» tciligung an dem Damenturnen muß wieder besser werden. Die, Vorstandschaft richtet deshalb an die Damen die Bitte, pünktlich und regelmäßig die Turnstunden zu besuchen, andernfalls müssen dieselben ausfallen. Leider ist es uns in diesem Jahre aus verschie* denen Gründen nicht möglich, an den Pflichtspielen der Arbeits» gemeinschaft Süd»West der jüd. Turn» und Sportvereine teilzu« nehmen. Da die Spielrunden z. Zt. noch nicht beendet sind, waren wir auch nicht in def "Läge, öfters Privatspiele auszutragen. Ledig' lieh am 7. März waren unsere 1. Fußballmannschaft und unsere Schüler beim TCK 03 Karlsruhe zu Gast. Unsere 1. Mannschaft spielte gegen eine komb. Mannschaft und gewann nach schönem und fairem Kampf 3:1. Unsere Schüler verloren das Spiel 1 : 2. Dabei muß berücksichtigt werden, daß unseren Sportlern schon seit Jahren keine Möglichkeit mehr gegeben ist, im Freien zu trainieren, und daß von unseren Schülern noch kein einziger jemals in einer Mannschaft gespielt hat. Am Sonntag, den 13. März, fand im Gemeindesaal vor zahl» reichen Zuschauern ein Tischtenniskampf gegen die Tischtennis» Abteilung des neugegründeten Jtus Kaiserslautern. statt. Die ein» zclnen Spiele waren sehr spannend, und es wurden wirklich gute Leistungen gezeigt. Unsere Gäste bewiesen dank fleißigem Training eine anerkennenswerte Technik und haben sich auf dem Spielfelde bis zur vorletzten Runde mit der gleichen Punktzahl behauptet. Erst beim letzten Kampf fiel die Entscheidung; das Turnier endete mit dem Resultat 13 : 11 für Pirmasens. Wieder hat uns ein Sportkamerad verlassen. Herr Dr. Ernst Adler, Zweibrücken, einer unserer vielseitigsten und besten Sportler, der seit der Gründung des Vereins in unseren Reihen stand, ist im Januar d. J. nach USA ausgewandert. — In der Vorstandschaft sind einige Veränderungen eingetreten. Unser Sportkamerad Fred Simon hat sein Amt als Kassier abgegeben und wurde zum stellv. Trainingsleiter ernannt. Sportkamerad Karl Wolff hat das Amt des Kassiers übernommen. Die Leitung der AH «Riege wurde unserem Sportkameraden Josef Kaplan übertragen. F. G. Jüdische Winterhilfe Pirmasens. Die Zeit der Betreuung der hilfsbedürftigen Brüder und Schwe» stern in der Gemeinde Pirmasens und in den uns zugewiesenen Landgemeinden hat nunmehr nSr Ende erreicht. Wir werden in der Mai»Nummer dieses Blattes über die segensreiche Tätigkeit der Jüd; Winterhilfe in dem abgelaufenen Halbjahre berichten. Heute soll nur ein kurzer Monatsbericht erstattet werden. Wir konnten der Wohlfahrtsstelle des Verbandes der Isr. Kultusge» meinden der Pfalz als. Ergebnis der Spcndcnsammlung zum Besten der Notstandsgemeinden den Betrag von RM. 127,50 nach Abzug von 15"» für die örtlichen Bedürfnisse überweisen. Die '6. und damit letzte EintopfSammlung am 13. März erbrachte wiederum { Natur wieder zum Leben erweckenden Gott, der alle Zeit die Ge» schicke der Menschen und die Geschichte der Menschheit lenkt. Darum konnte Israel auch an seinem Fest mit der Freude über die Natur den Dank an Gott für die Befreiung der Ahnen au« Egypten verbinden, die nach der Ucbcrlieferung zur gleichen Jahres» zeit stattgefunden hatte und durch die auch Fesseln der Knechtschaft gebrochen wurden, welche der Frohndienst Pharaos dem Volke an» gelegt hatte. So gab man Peßach auch die Bedeutung eines hisfo» tischen Festes für die Gesamtheit Israels. Dies tat man vielleicht, um einer Vergötterung der Natur vorzubeugen, vor allem aber um der israelitischen Gemeinschaft, welche sich in Palästina aus ein» Seinen Stämmen zu einem Volk entwickelt hatte, das nationale Bewußtsein zu stärken. Darum nennen wir das Fest in unseren Ge» bieten Secher lizias Mizraim „Erinnerung an den Auszug aus Egyp» ten" und Seman chcrusenu „Zeit unserer Befreiung". Diese Ver» einigung von Natur und Geschichte im Peßach läßt auch die Schrift in dem Satz erkennen:: „Beobachte den Frühlingsmonat und feiere ein Pcßach dem Ewigen, deinem Gott, denn im Frühlings» monat hat dich der Ewige, dein Gott, in einer Nacht aus Egypten geführt' (5. Mos. 15, 1). Deshalb kann uns Peßach in der heutigen Zeit, entsprechend dem doppelten Charakter einen zwiefachen Gedanken ans Herz legen, der aus dem Wort des Psalmes (118, 17) spricht, welcher ja zu unserem täglichen Morgengebet am Peßach gehört: ,!Ich sterbe nicht, sondern ich lebe und verkünde die Werke des Ewigen".

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