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Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz · 1938-04-01 · 8 (1.4.1938) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz
Volume
1 (1937 - 1938)
Issue
8 (1.4.1938)
Date
1938-04-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 8 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR DAS GEBIET DER RHEINPFALZ Seite 3 Aus den Kürorten. Aus den Nummern 17, 19, 20, 23 und 24 der „Jüd- Rundschau" entnehmen wir: i ■ *% Auf dem Weißen Hirsch bei Dresden dürfen jüdische Kur-» gaste künftig nur in jüdischen Hotels, Fremdenhäusern oder Pen« sionen wohnen, in denen kein deutschblütiges weibliches Personal unter 45 Jahren beschäftigt wird; Sie dürfen die Trinkquellc, die Schutz' und Ruhestätten nur zwischen 13 und 15 Uhr benutzen, während ihnen der Zutritt zum Luftbad und zur Lesehalle grund» sätzlich verboten bleibt. Es ist ihnen nicht gestattet, sich in unmittcl' barer Nähe dieser Einrichtungen aufzuhalten. Bei diesen Bestim» mungen wird zwischen in» und ausländischen Juden kein Unter» schied gemacht. Die Stadt' und Kurverwaltung Königstein i. T. hat eine Anordnung erlassen, wonach Juden der Zutritt zum städtischen Kurhaus sowie zum Kurhauspark, ferner die Benutzung des städ« tischen Schwimmbades und der dazugehörigen Liegewiese verboten wird. Auch das Parken, sowie jeglicher Aufenthalt auf städtischen Parkplätzen und die Benutzung sämtlicher städtischer Anlagen und Spielplätze, sowie des Betreten der Burgruine sind Juden untersagt. Im Kreis Garmisch'PartenkircJhen habeni sämtliche Bur germeister eine Erklärung erlassen, in der es die Gemeinden ab» lehnen, Aufträge an Firmen zu erteilen, die mit Juden in Verbin' dung stehen. Weiter wurden von den Gemeinden die Kurvereine und Fremdenverkehrsvereine darauf hingewiesen, an Häuser, die Juden aufnehmen, keine Gäste mehr zuzuteilen. Im Radiumbad Oberst'hlema werden künftig an Juden keine Kurmittel mehr verabfolgt werden. In Bad Kissingen wurde in einer Beratung von Oberbürger» meister und Ratsherren die Frage der jüdischen Kurbetriebe behan» dclt. Die früher bestehenden 14 jüdischen Kurhaltungen wurden auf 5 beschränkt- Diese zugelassenen jüdischen Betriebe müssen als solche durch Tafeln an den Hauseingängen gekennzeichnet sein und dürfen deutschblütiges Personal nicht beschäftigen. I Keine jüdischen Versteigerer mehr. Die Reichsregierung hat eine Novelle zum. Gesetz über das Vcrsteigerergew'e'rbe beschlossen, durch die Juden künftig aus diesem Gewerbe ausgeschaltet werden. Im Kunstyersteigercr» gewerbe waren Juden auch bisher schon nicht mehr zugelassen. Künftig werden Juden im Versteigerergewerbe überhaupt nicht mehr tätig sein können, und die bisher Juden erteilten Erlaubnisse erlö« sehen am 31. Juli 1938. Das neue deutsche Waffengesetz bestimmt u. a., daß Juden die Erlaubnis zur Ausübung des Waffenherstcllungs» und Waf* fcnhandclsgewerbes nicht erteilt werden darf. Bei der Volkszählung am 17. Mai wird erstmalig eine Erhebung über die Abstammung durchgeführt. Durch diese sollen Unterlagen über die Zahl der Juden und der jüdischen Misch» linge in Deutschland gewonnen werden. llakcnkreuzflaggen und sonstige Symbole der NSDAP und des Staates dürfen nach einer Anordnung von jüdischen Firmen weder hergestellt noch verkauft werden. Der Rcichsforstmeister hat in einem Erlaß angeordnet, daß die Forstmeister allgemein anzuweisen sind, Ergänzungen für Zelt-- scheine auszugeben, in denen der Inhaber durch Unterschrift zu bestätigen hat, daß er Reichsdeutscher und arischer Abstammung ist. Angehörige fremder Staaten sind von dieser Regelung aus« genommen. \ Aus der Pfalz Zum Abschied des Lehrers und Kantors Herrn Heinrich Schott: 1 a n d > Frankenthal. Scheiden und Abschiednehmcn bereiten heute dem deutschen Judentum wehmütige Stunden. Sic greifen ans Herz, nicht nur der Scheidenden, sondern auch der Zurückbleibenden. Auch unser Freund Herr Lehrer Schottland wird in den nächsten Wochen uns verlassen, um mit seiner Gattin bei seinen Kindern in Amerika behagliche, und wie wir hoffen, beglückende Stunden zu erleben. Schmerzbewegt sieht die /jüdische Gemeinde Erankenthal ihren Beamten Schottland, der ihr nahezu 18 Jahre hindurch Lehrer, Kantor und Prediger gewesen und der so oft in der Synagoge seine Zuhörer durch Gesang und Wort zu erbauen verstand, aus ihrer Mitte scheiden. Mit tiefem Bedauern verliert der Verein pfälzischer israelitischer, Lehrer und Kantoren seinen ehemaligen 1. Vorsit» . zenden und auch der Verband pfälz. israel. Gemeinden, an dessen Ausschußsitzungen Herr Schottland so oft Teil genommen und dessen besonnenen Rat und kluges Urteil wir immer gerne ver» nahmen, empfindet schwer diese Trennung. Die jüdische Sonder» klasse in Ludwigshafen aber verliert in Herrn Schottland den tüchtigen Schulmann und Erzieher, dessen unterrichtlichen Lei», stungen erst kürzlich die ehrende Anerkennung der Schulbehördc zuteil wurde. — Möge Herrn Schottland und seiner Familie eine recht glückliche Zukunft beschieden sein! Bad Dürkheim. Ludwig Strauß. Der Vorsitzende der freien Vereinigung israel. Lehrer und Kantoren der Pfalz, Herr Lehrer BernsteiniZweibrücken, schreibt u. a. noch: Schottland wirkte auch einige Jahfe als Vorsitzender der ,,Freien Vereinigung isr. Lehrer und Kantoren der Pfalz" und hat in dieser Eigenschaft in bester Weise bei dem Verband der isr. Kultusgemcindcn der Pfalz die Interessen unseres Standes gewahrt. Dankbar empfanden alle seine Kollegen seine stete Einsatzbereit' schaft. Leider war es ihm in den letzten Jahren, durch ein Leiden gehemmt, nicht mehr möglich dieses Amtes weiter zu walten. W'ii Pfälzer Lehrer, die wir mit großer Liebe und Verehrung an unserem Schottland hängen, bedauern zutiefst seinen Wegzug. . \ Freie Vereinigung isr. Lehrer und Kantoren der Pfalz. Abschied von Herrn Lehrer Bär'Edenkoben. David Bär, seit 1920 ununterbrochen im Dienste, wirkte in der Pfalz zum Wohle seiner Gemeinden von 1927 bis 1929 in Kirch» heimbolanden und von 1929 bis heute in Edcnkohcn hauptamtlich als Rcligionslehrer und Kantor. Außerdem erteilte er in vielen kleinen Gemeinden den Religionsunterricht. Kr ging stets dienst' eifrig und beflissen seinem Berufe nach ohne in seiner Bescheiden« heit Anspruch auf öffentliche Anerkennung zu erheben. Nun verläßt dieser allseits beliebte Kollege die Stätten seiner Tätigkeit. Wir können zum Abschied unserer beiden Kollegen Schottland und Bär keinen besseren Wunsch zurufen als *v*** nnu "">»^>™>^ ~<">">v»,,~ ~»"^v* >»^»«<« i__CS__ _. >N U J — t__« v\ - _ LU\ L . _ Gesegnet seid Ihr bei Euerem Auszuge und gesegnet seid Ihr bei Euerem Einzüge. Jüdischer Kulturbund für die Pfalz. Für die ihrem Ende zuneigende Spielzeit 1937 38 sind noch zwei Veranstaltungen in Aussicht genommen, die einen seltenen Kunstgenuß versprechen und den Reigen der Darbietungen würdig abschließen. Im April, werden wir die bereits für November 1937 vorgesehene Veranstaltung .Bunter Abend' mit Camilla Spira-Eisner, der berühmten Filmschauspieler^ und Kabarettistin, und mit Erna Klein als Begleiterin am Klavier nachholen. Wir laden unsere Mitglieder hiermit herzlichst ein und bitten sie, sich diesen Abend für den Besuch der Veranstaltung vorzumerken und freizuhalten. Alles Nähere ist aus dem Programm ersichtlich. — Als letzte Kulturbunddarbietung vor der!Sommerpause wird voraussichtlich im Mai ein Konzert des Streichquartetts des Jüdischen Kulturbundes Rhein* Main stattfinden. Das 9. Schuljahr. Nach den Mindestforderungen der Reichsvertretung der Juden in Deutschland über die Dauer der Schulbildung, die der Berufs» ausbildung vorangehen soll, muß eine mindestens 9 Jahre dauernde Schulung verlangt werden. Zu der achtklassigen Grundschule soll also noch ein 9. Schuljahr kommen, in dem die etwa vorbände' nen Lücken des elementaren Wissens geschlossen, darüber hinaus aber den Schülern eine Vertiefung der jüdischen Kenntnisse und eine gründlichere Allgemeinbildung mit auf den Weg gegeben werden sollen. Grundsätzlich sollte daher die praktische Berufs ausbildung nicht vor der Vollendung des IS. Lebensjahres bc« ginnen. Auch die Ucrufscntschcidung selbst will das 9. Schuljahr anbahnen, indem hier den - Knaben im Werkunterricht, in Buch führung und Wirtschaftskundc, den Madchen bei der Handarbeit und Hauswirtschaftskunde, Gelegenheit gegeben wird, ihre berufliche Eignung und Neigung zu erproben. Es ist außerhalb Mannheims noch zu wenig bekannt, daß die einzige 9. Klasse, die in Baden und der Pfalz besteht, die durch die israelitische Gemeinde Mannheim bereits im Frühjahr 1936 eingerichtete Aufbauklasse ist. Sie erstrebt die oben angedeuteten Ziele durch folgenden Lehrplan zu verwirklichen: Hebräisch und Biblische Geschichte, Judentumskunde 5 Wochenstunden Jüdische Geschichte und Palästinalcunde 2 Wochcnsfundcn Deutsch (Literatur) 3 Wochenstunden Englisch . 5 Wöchenstundcn Alleemeine Geschichte 2 wöchenstundcn Erdkunde 1 Wochenstunde Mathematik und Geometrie 2 Woihcnstuiulen Chemie, Physik, Körperkunde (Ciesundheits lehre) je I WoJicnstuiule Gegenwartskunde 1 Wochenstunde Turnen und Turnspielen 4 Wochenstunden, außerdem für Knaben: kaufm. Rechnen, Buch» führung und Wirtschaftskunde je 1 Wochenstunde Werkunterricht (Holz», Papp u. Tonarbeiten) 3 Wochenstunden und für Mädchen : Handarbeit und 1 lausw irtschaftskimdc je 3 Wochenstunden Stenographie- und Schrcibmascnincnkursc werden bei entsprechender Beteiligung wahlfrei angegliedert werden. Alle näheren Auskünfte erteilt der Leiter der Jifdv Aufbau« klasse Mannheim: Dr. Kurt Berg, Mannheim, S. 6, 2S, Telefon Nr. 27360. An ihn sind auch alle Anmeldungen von Schülern und Schülerinnen, soweit dies nicht bereits geschehen, bis längstens Anfang März zu richten. Letzter Einsendungstermin für die nächste Nummer: 17. April.

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