Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz
- Volume
- 1 (1937 - 1938)
- Issue
- 8 (1.4.1938)
- Date
- 1938-04-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHES GErtEINDEBLATT FÜR DAS GEBIET DER RHEINPFALZ Nr. 8 Die Galuth erhält eine neue Geographie. Wir müssen den Mcn* sehen, die nach einem Lande außer Palästina gehen, folgendes sagen: Sie sollen in die neuen l...nder der Gallith das Gefühl mitnehmen, daß sie unlösbarverbunden sind mit der Geschichte und den Gc schicken ihres Volkes, sie sollen wissen, daß es keine Lömng der Judenfragc gibt für den einzelnen, daß die Geschichte bereits fest« gestellt hat, daß die Losung für alle odej für überhaupt keinen kommen kann, l'ntf sie sollen wissen, daß an einem anderen Punkte der Erde ein altneues jüdisches Land gebaut wird, daß ein Judenland entsteht, .dessen Stolz und Ehre auch ihr Stolz, ihre Ehrt sein werden, — W ir sagen diesen Menschen, daß sie sich bc>vhafti)ten\sollen mit den Tragen des Zionismus, um zu lernen, daß die Losung der Judenfrage nur durch Erez Jisrael möglich ist. Und, wenn sie zu tiefst erschüttert sind von den Erkenntnissen der JüdcntragC, wie sie der Zionismus aufweist, werden sie durch Erez L'schanah habah b'jeruschahjm Jisrael erfahren, daß es Kräfte gibt, welche die Erlösung bringen werden. Wenn Juden früher wandern mußten, war in ihnen der Traum von Zion. Wenn Juden heute wandern, sehen sie, daß dieser Traum schon Wirklichkeit wird. Ihr Leben steht in der Erfüllung einer Verheißung, welche Gott schon Abraham gegeben hat. Und weil wir in diesen Jahren gelernt haben, weil wir das Wirken ge» schichtlicher Kräfte von den Anfängen des Volkes bis heute zu be« greifen beginnen, ist in uns eine neue Tröstlichkeit. Wir glauben zu tiefst an die Lösung, da wir die Erlösung schon kommen sehen. Das Peßachfest bekommt in diesen Zeiten einen neuen Glanz. Wir haben wieder den Sinn für die Geschehnisse, von denen die Hagadah berichtet und wir sehen für viele schon heute, für andere erst später, aber in diesen unseren Tagen die Worte in Erfüllung gehen, denen viele von uns einst fremd gegenüberstanden: — das nächste Jahr in Jerusalem. E. S.»L. Aus dem Reich. Zur jüdischen Auswanderung. % Seit fünf Jahren kämpfen Juden ihren Kampf ums Dasein. In tiefster Not hat der Hilfsverein der Juden in Deutschland ge» meinsam mit der Rciehsvertretung der Juden das verantwortungs« volle Amt des Sachwalters für alle die übernommen, die den Ge« danken der Auswanderung nach Ucbersec erwägen. Zchntausendc haben in diesen Jahren Rat und Betreuung für ihre Auswan* derungsplane gefunden. Hunderte suchen täglich die Beratungs» stellen des 1 lilfsvercins auf, um sich die Kenntnisse zu nutze zu machen, über die er durch seine Erkundigungen, Informationen und Erfahrungen verfügt. Zahlen sprechen am besten für seinen Erfolg: Von 1933 bis jetzt hat der Hilfsverein rund 26000 unterstützte Auswanderer betreut. Darüber hinaus aber hat er den Unzähligen, die einer solchen Unterstützung nicht bedürfen, seinen Rat zuteil werden lassen. Er hat während des Jahres 1937 insgesamt in über 100000 Fällen Auskunft erteilt, die Auswanderungswilligen beraten und ist ihnen in jeder Weise bei ihrem Auswanderungsvorhaben be> hilflich gewesen. x Die Leistungen des Hilfsvereins, der heute die Auswanderer» zentrale für die gesamte jüdische Auswanderung außerhalb Palä» stinas ist, dürfen in der Wanderungsgeschichte der Juden ein be» sonderes Blatt beanspruchen. Viel ist geleistet worden, viel mehr und Schwereres bleibt noch zu tun. Der Strom der Ratsuchenden 1 verstärkt sich von Tag zu Tag, kaum ist er zu bewältigen: ihnen allen muß beratende oder tätige Hilfe zuteil werden. Jeder aber hat, sich selbst und der jüdischen Gemeinschaft gegenüber die Pflicht Vein Auswanücrungsvorhaben durchzufuhren, bevor es nicht Vom Hilfsverein begutachtet ist. Nur dann werden schwere Beschädi» gungen des Einzelnen und der Gesamtheit vermieden werden. Wir rufen daher alle Mitglieder der Gemeinschaft auf: Helft uns hei der Durchführung unserer schweren Aufgabe mit Eurem Denken und Eurem Sinnen! Arbeitet mit an unserem Werke! Tretet ein in unsere Reihen und zeigt, indem Ihr unser Mit» glied werdet, wie Ihr den Ruf der Zeit erkannt habt, damit der Hilfsvercin in dieser schweren Stunde jedem Juden in Deutsdh» land Freund und Helfer sein kann. Keiner darf bei uns fehlen. Gerade die, die noch nicht von der schweren Hand des Schicksals getroffen sind, gerade sie haben die Pflicht, ihren Brüdern und Schwestern in tiefster Not nach besten Kräften zu helfen. Werde Mitglied, dann hilfst auch Du! Berlin im März 1938. Hilfsverein der Juden in Deutschland e. V. Für das Kuratorium: Max M. Warburg. Einwanderung ohne Genehmigung. Der Hilfsvercin der Juden in Deutschland teilt mit: In letzter Zeit mehren sich die Fälle, in denen Auswanderer nach verschiedenen Ländern, wie zum Beispiel Neu»Seeland, aus» reisen, ohne ein Regelrechtes Einwanderungsvisum bzw. eine Lan« dungserlaubnis zu besitzen. Die Betreffenden verschaffen sich vielmehr ein bloßes Touristenvisum und hoffen, dann im Ein» wandcrungslande die Erlaubnis zur dauernden Niederlassung er» wirken zu können. Eine solche Umwandlung von Touristen» visen in Einwanderungsvisen ist aber nur in den seltensten Fällen möglich; im allgemeinen bringt jede derartige Einwanderung ohne reguläres Einwanderungsvisum die Gefahr späterer Ausweisung N mit sich und gefährdet außerdem das Ansehen der Jüdischen Ein» Wanderung hei den Behörden des Landes. Im; Hinblick auf die schweren Schäden, die der jüdischen Gesamtheit durch die söge» nannte Touristeneinwanderung in verschiedenen überseeischen Lan« dern bereits erwachsen sind, warnt der Hilfsverein nachdrücklich vor jedem derartigen Unterfangen und lehnt seinerseits selbst» verständlich jede Unterstützung derartiger Reisen ab. Spanische Tageskurse. Das Jüdische Lchrhaus Berlin beabsichtigt — bei genügender Beteiligung — ab 15. März 1938 einen Tageskurs zur Erlernung des Spanischen einzurichten. Ziel des Kurses ist .eine gefestigte Grundlage für eine Beherrschung des Spanischen und eine Einfüh» rung in die Kulturkundc Latein Amerikas — mit Ausnahme von Brasilien — zu geben. \ Der Kursus wird vier Monate dauern. Schulgeld monatlich RM. 30.—. Der Kurs umfaßt 25 Wochenstunden, d. h. 5 Stunden täglich, und zwar: 11 _» Stunden mündliche Uebungen in Gruppen von höchstens 10 Teilnehmern, U/g Stunden: grammatikalische und schriftliche Uebungen^ ebenfalls in Gruppen von 10 Teilnehmern. 2 Stunden: auslandskundliche Vorlesungen, in denen die verschie« denen Bezirke des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens der Auswanderungsländer Latein Amerikas — vornehmlich Argen» tiniens — eine den Interessen des Höhrerkreises entsprechende' Beleuchtung finden werden. Diese Vorlesungen finden im ersten Monat in deutscher Sprache statt, vom zweiten Monat ab in spa» nischcr Sprache. Zur Aufnahme zugelassen ist jeder, der beabsichtigt, in ein spanisch sprechendes Land auszuwandern, und für den die Be' herrschung des Spanischen eine berufliche Existenznotwendigkeit darstellt. Die Durchführung des Kursus erfolgt in Zusammenarbeit mit der Schulabteilung der Reichsvertretung der Juden in Deutschland. Anmeldungen an das Sekretariat des Jüdischen Lehrhauses c. V., Berlin W 50, Marburgerstr. 5 (245587). Veranstaltungen anmelden. Der Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde hat vom Reichs* ministcrium für Volksaufklärung und Propaganda — Sonderreferat Rcichskulturwalter Hinkel die nachstehende Verfügung erhalten: „SJ 720/12. 2. 38/2 v. 16. 2. 38. Im Jüdischen Gemeindeblatt Mannheim vom 28. 1. 38 befindet sich ein Bericht über einen im dortigen Jüdischen Lehrhaus stattge» fundenen Vortrag über das Thema „Rainer *Maria Rilke und wir", über den eine Anmeldung hier nicht vorgelegen hat. Ich weise darauf hin, daß derartige Veranstaltungen bzw. Vorträge rein kul turcller Art in jedem Fall, also auch wenn sie in jüdischen Lehr« häusern stattfinden öder von solchen veranstaltet werden, hier mcldepflichtig sind. Den in Frage kommenden jüdischen Stellen ist dies umgehend bekanntzugeben. gez. Hinkel." Herausgabe jüdischer Literatur genehmigungspflichtig. Die Presseabteilung der Reichsvertretung der Juden in Deutsch« land teilt mit: Vielfach besteht in jüdischen Kreisen nicht die notwendige Klarheit über die amtlichen Bestimmungen für die Herausgabe von Büchern und Broschüren. Um allen Beteiligten Unannehmlich« keiten und Nachteile zu ersparen, wird auf folgendes hingewiesen: Laut Anordnung des Sonderbeauftragten des Herrn Reichs« ministers für Volksaufklärung und Propaganda vom 30. April 1937 besteht eine besondere Genehmigungspflicht für die Heraus« gäbe jüdischer Literatur, einschließlich aller Sonderdrucke, Fest« Schriften und ähnlichen Broschüren, gleichgültig, in welchem Druck« oder Vervielfältigungsverfahren sie hergestellt werden, ob sie ver« kauft oder unentgeltlich verteilt werden sollen. In der Regel werden Herstellung und Vertrieb jüdischer Druckwerke nur im Rahmen des jüdischen Buchhandels gestattet. Jüdische Buchverleger und Buchhändler dürfen ihr Gewerbe im Deutschen Reichsgebiet ausüben, wenn sie ihre Tätigkeit auf jüdische Literatur und auf einen jüdischen Abnehmerkreis be« schränken. Alle zum jüdischen Buchhandel gehörenden Personen und Unternehmen werden vom Sonderbeauftragten des Herrn Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda, Berlin W 8, Wilhclmsplatz 8/9 erfaßt und bedürfen seiner Zulassungsgeneh« migung. Alle Anträge sind direkt an die bezeichnete Stelle zu richten.