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Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz · 1938-04-01 · 8 (1.4.1938) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz
Volume
1 (1937 - 1938)
Issue
8 (1.4.1938)
Date
1938-04-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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N Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz Organ des Verbandes der israeü- A tischen Kultusgemeinden der Pfalz Herausgeber: Verband der israel. Kultusgemeinden der Pfalz, Landau/Pfalz. Verlag: Heinrich Wildmann, Philippsburg. Verantwortlich f. d. Inhalt: Kurt Metzger, Landau, Gljciss.tr.9 * Angemeldet beim Sonderbeauftragten des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda betr. Ueberwachung der geistig und kulturell tätigen Juden im deutschen Reichsgebiet Erscheint monatlich 1. April 1938 / nlDTl - "ffe* £2 1. Jahrgang / Nr. 8 Lösung und Erlösung. Keine Fragestellung hat in den letzten Jahrzehnten im Leben \ der Juden der mittel» und westeuropäischen Länder eine so starke innere Wandlung erfahren wie die von Lösung und Erlösung. In einem Zeitalter, in welchem das Wort von der Erlösung des Men» sehen, wenn er stets strebend sich bemüht, aufgenommen wurde, glaubten Juden, daß ihre Erlösung in einem Räume erfolgen könne, welcher von diesem Geiste — und .ihrer Meinung nach nur von diesem allein — Inhalt erfahren hatte. Dieser Prozeß der Erlösung sollte vorgehen in und zu einem Milieu, zu dem noch die Großeltern dieser Juden keinen Zutritt hatten. Und es war zwangsläufig, daß diese gedachte Erlösung gleichzeitig zu einer Loslösung vom Juden» tum führen mußte, denn es war ja die andere, die fremde Welt, die man sich erobern, zu eigen machen wollte. Man opferte um „Gleicher unter Gleichen" zu werden. Der Bruch mit der jüdischen Tradition, die Entfernung von dem jüdischen Geschichtsbewußtsein wurden immer stärker, .fylle Zusammenhänge gingen nach und nach verloren und man war in manchen Fällen sogar bereit die letzten menschlichen Bindungen zu der jüdischen Gesellschaft zu lösen, wenn die Eingliederung und das Aufgehen in die Umwelt vermeintlich geglückt war. Die so gedachte Lösung der Judenfrage, welche nie glückte, war nur eine Frage der Lösung für einen einzelnen Juden, sie war eine Frage des Ich — abseits vom Volke und oft gegen es. Und man übersah, daß der einzelne Jude vielleicht eine Heimat haben, hie und da aufgehen konnte in der geistigen Gemeinschaft des Wirtsvolke«, kraft eines historischen Gesetzes aber das ganze jüdische Volk hei« matlos, ein fremdes unter fremden Völkern bleiben mußte. Es bedurfte des Zionismus, es bedurfte des Anrufes Theodor Hcrzl's „Wir sind ein Volk, ein Volk" um die Erkenntnisse und Kräfte zu erwecken, welche für das Volk in seiner Gesamtheit eine ** Lösung seiner Frage in allen Bezirken des Lebens, der seelischen, geistigen und wirtschaftlichen Judenfrage' ermöglichen. , Es geht hier nicht darum die Zielsetzungen des Zionismus im einzelnen klarzulegen, zu wiederholen, was den meisten bekannt sein dürfte. Aber über eines soll hier gesprochen werden. Eine der stärksten den Zionismus speisenden Quellen war und ist die Chibbath Zion, die Zionsliebe. Es gibt kein Jahrhundert seit dem Jahre 70, der Zerstörung des zweiten Tempels, das nicht eine kleinere oder größere Wanderung von Juden nach Erez Jisrael gesehen hat. Es gab immer fromme Juden, deren sehnlichster Wunsch es war im Heiligen Lande zu sterben und begraben zu sein und es gab immer Juden, die dort leben wollten. Noch im 8. Jahrhundert konnte ein persischer Jude, Abu Isa eine jüdische Armee zur Befreiung Palästinas sammeln. Im 17. Jahrhundert warteten nachdem Auftreten von Sabbatai Zewi großer Teile der europäischen Judenheit aufbruchbereit auf die Möglichkeit der Rückkehr nach Erez Jisrael. Die junge jüdische Nationalbewegung verbindet sich mit der jahrtausendalten Sehnsucht, der uralte Traum soll Wirklichkeit werden, die Erlösung des jüdischen Volkes. In Erez Jisrael beginnt der Aufbau, hunderttausende von Juden wandern in wenigen Jahrzehnten ein. Währenddessen wird in der Galuth die Judenfrage brennender denn je. Alte Zentren der Judensiedlung sind in der Auflösung begriffen, Millionen von Juden richten ihr Leben auf Wanderung ein, werden Auswanderungskandidaten. Und noch nie seit Jahr» hunderten wurden der Wille zur Lösung, die Sehnsucht nach Er» lösung so tief empfunden wie heute. Wir glauben", daß die Erlösung vor der Lösung kommen muß. Und, wenn wir das sagen, so denken wir an die einzigartige Reden» tung Palästinas. Denn hier sehen wir schon heute kraftige Ansätze eines neuen jüdischen Lebens, das eine Antwort yibt auf die Fragen unseres Galuthdaseins. v Wir, die wir bisher nur Gaste waren in den Kulturen der an» deren, nur ihre und nicht unsere Sprache sprachen, schaffen in Erez Jisrael eine neue jüdische Kultur und erleben einen vorher nie für möglich gehaltenen Aufschwung der hebräischen Sprach» bewegung. Wir, die in den Ländern der Galuth beruflich ungünstig gegliedert waren, werden in Palästina Arbeiter, Rauc'rn, Hand» werker, schaffen für die Jugend des Westens ein neues Berufsideal. Die von Gordon aufgestellte Forderung „Erlösung durch Arbeit" bereitet den Boden für die heute so starke Chaluzbewcgung vor. Als der Palästinaaufbau vor dem Kriege begann, gingen Men« sehen hin, obwohl sie anderswo bessere Einwanderung** und Ar» beitsmöglichkeiten hatten. — Amerika nahm in den 35 Jahren vor dem Weltkriege Millionen von Juden auf. — Juden gingen damals nach Palästina — und viele tuen es auch heute noch aus der gleichen Bewegung heraus wie jene — weil sie getrieben wurden von der Idee für das jüdische Volk ein ihm eigenes Land selbst aufhauen zu müssen. In ihnen war diese große Sehnsucht, von der wir schon sprachen, die chibbath zion. Wir wollen hier keine billigen Rezepte für die Lösung der Judenfrage, wie sie sich augenblicklich darstellt, geben. Wir wissen, Hvie schwer, fast unmöglich'ves geworden ist auf die Frage von Milli» onen nach dem Wohin zu antworten. Aber wir sehen und wissen eines. Jüdisches Leben in der Ga» luth ist schon anders geworden durch die Tatsachen Erez Jisrael. Wir sehen heute eine Zusammenfassung von Kräften für das jüdische Volkswohl, die nur möglich war durch den Geist der nationalen Erneucrungsbcwegung. Das jüdische Volk steht in einer großen inneren Wandlung. Es gehen auf die Galuth die Kräfte Erez Jisracls über, die Kräfte, die erlöst haben die jüdische Kultur, die hebräische Sprache, die geschaffen haben die jüdische Arbeit und den neuen jüdischen Menschen. Und die Kräfte des ganzen Volkes werden Erez Jisrael zu dem machen was wir erhoffen, zu dem großen jüdischen Nationalheime für Millionen von Juden. Wir wissen, daß wir, wenn dieses Ziel erreicht sein wird, „den Beitrag" zur Loslösung der Judenfrage ge» leistet haben um wieder eingeordnet zu werden in das Lvben der Völker als ein gleichberechtigtes Volk. ■ Wir werden wieder eine Nation sein wie alle anderen Nati« onen — und wir werden Minoritäten haben unter anderen Völkern. Und nur bis hierher können wir die Judenfrage losen. Die Frage der Minoritäten wird für uns bestehen bleiben wie für die anderen Völker. Aufgehoben aber wird sein diese große Tragik des jüdischen Volkes, überall nur Minorität, nirgends Majorität zu sein.. Denn wir werden ja den Judenstaat haben und alle Juden sollen auf ihn stolz sein können, v Lösung und Erlösung, Juden wandern wieder, wandern in viele Länder um eine neue Heimat, neue Arbeitsmöglichkeiten zu finden. \ \

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